Erstklassig besetzte Tragikomödie in der ARD: Drei deutsche Schwestern
VON GUIDO DIESING - zuletzt aktualisiert: 24.01.2007 - 13:04Düsseldorf (RP). Deutsche Provinz im Winter 1947: Drei Töchter eines Bürgermeister werden von den Schatten der Vergangenheit eingeholt - und erpresst. Gemeinsam planen sie den Tod ihres Erpressers. Eine erstklassig besetzte Tragikomödie.
Was für ein Anfangssatz: „An dem Tag, als abends das Mordopfer auftauchte, hatte ich einen guten Deal gemacht.“ Der Satz erklingt über den ersten Filmbildern, gesprochen von einer Stimme mit osteuropäischem Akzent, und macht so neugierig, dass man dranbleibt.
„Drei Schwestern made in Germany“ führt den Zuschauer in die frühe Nachkriegszeit. In einer kleinen süddeutschen Garnisonsstadt der US-Armee steht im November 1947 die Vermählung des Standortkommandanten mit einer Tochter der Stadt aus gutbürgerlichem Hause bevor. Freya Sonnenberg (Karoline Eichhorn) erhofft sich von der Verbindung einen Neubeginn in Wohlstand und Freiheit in den USA.
Doch die Erfüllung ihrer Wunschträume gerät unerwartet in Gefahr: Am Vorabend der Hochzeit taucht ein Mann auf und erpresst die Braut mit einem Foto, das sie in den Armen von Joseph Goebbels zeigt. Mit ihren Schwestern Nora (Barbara Rudnik) und Guddi (Mavie Hörbiger) beschließt Freya: Der Mann muss weg.
Mit seinem neuen Film knüpft Regisseur Oliver Storz an „Drei Tage im April“ (1994) und „Gegen Ende der Nacht“ (1997) an. Mit den „Drei Schwestern“ - die Anspielung auf Tschechow ist gewollt - bilden die hoch gelobten Filme eine Trilogie, die Krieg, Kriegsende und Nachkriegszeit zum Thema hat und sich aus den Erinnerungen des Regisseurs speist. Seiner Bedeutung als Zeitzeuge ist sich der 77-Jährige nur zu bewusst: „Die Welt von damals ist längst versunken, und die Menschen, die sie erlebt haben, sterben allmählich aus. Gleichzeitig wirkt aber jene Zeit bis zum heutigen Tag in uns Deutschen mächtig nach, auch in den Jungen, sie wissen es nur nicht.“
Im Untertitel nennt Storz seinen Film eine „Komödie aus finsterer Zeit“, doch die Zugehörigkeit zu einem Genre ist keineswegs eindeutig. Mit überraschenden Wendungen pendelt der Film zwischen Komödie, Zeitstück, Melodram, Thriller und Farce und ist gerade in dieser eigenwilligen Mischung sehenswert.
Neben den trefflich ausgewählten Darstellerinnen der drei Schwestern sind auch die männlichen Figuren glänzend besetzt. Matthias Brandt gibt überzeugend den schmierigen Erpresser, und Stefan Kurt fasziniert als geheimnisvoller, von Melancholie umwehter jüdischer Schwarzmarkthändler. Er ist es, der den Anfangssatz spricht, und ihm fällt auch das bedeutungsschwere letzte Wort des Films zu: „Shalom!“
Ein schönes Schlusswort für die gesamte Trilogie - das findet auch Oliver Storz. Trotzdem wird der Regisseur es wohl nicht dabei belassen, sondern auch weiterhin seine Vergangenheit im Film zum Leben erwecken: „Es sieht im Moment so aus, als würde aus der Trilogie eine Tetralogie. Für den Spätsommer plane ich einen Film, der 1956 spielt und das Schlagwort widerlegen soll, die 50er-Jahre seien so bieder und verklemmt gewesen. Was da im Verborgenen stattfand, war viel aufregender als das, was es heute gibt.“
Drei Schwestern made in Germany, ARD, 20.15 Uhr
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