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  Foto: RTL / Stefan Gregorowius
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Alt-Kommunarde im Fernsehen: Apo-Opa Langhans im Dschungelcamp

VON MARTIN BEWERUNGE - zuletzt aktualisiert: 14.01.2011 - 07:46

(RP). Viele Weggefährten von damals wollten es nicht glauben. Doch Rainer Langhans macht Ernst. Die einstige Ikone der Protestbewegung von 1968 begibt sich in die Niederungen des Ekel-Fernsehens und zieht ins RTL-"Dschungelcamp". Für den 70-Jährigen ist es die Ur-Szene der Kommune.

Lange graue Locken, die nicht mehr neue Nickelbrille, weite weiße Leinen-Klamotten – stets wirkt Rainer Langhans so, als wurzelte er nicht wirklich fest im Hier und Jetzt. Das mag an Meister Kirpal Singh gelegen haben, der ihn einst im Surat Shabd Yoga unterwies, dem entsagungsvollen Weg, der nach innen führt.

Fast 40 Jahre ist das her, 1968 war schon zu Ende, aufgelöst auch die legendäre "Kommune 1", zerrüttet die Beziehung des berühmtesten Paares, das sie je bewohnte: Uschi Obermaier und Rainer Langhans. Letzterer entsagte fortan durch die Yoga-Lehren nicht nur der fröhlich mit Drogen experimentierenden Szene jener Zeit. Er entrückte auch vollkommen der lautstarken Protestgemeinde, deren Ikone er vorübergehend war.

In diesen Tagen nun fragen sich nicht wenige der damaligen Weggefährten in der außerparlamentarischen Opposition fassungslos, ob Rainer Langhans mittlerweile womöglich völlig weggetreten sei: Heute nämlich checkt der Apo-Opa im Dschungelcamp ein.

Alt-68er im Ekel-TV

Ein Alt-68er im Ekel-TV – das beschert dem ohnehin schrillen Format eine besonders bizarre Note und seinen Machern einen Triumph. Einer, der die Gesellschaft, ja die Welt verändern wollte, landet im tiefsten Trash des Privatfernsehens – und hat offenbar kein Problem damit: "Für mich", legte Langhans in der "FAZ" vor allen ungläubig Staunenden dar, "ist das eine Situation, die ich sehr gut kenne. Das ist die Ur-Szene der Kommune."

Unbeeindruckt vom schneidenden Spott der immer noch schönen Uschi Obermaier ("Jetzt hat er endlich die Medienaufmerksamkeit, die er sich die ganze Zeit gewünscht hat") packte der Ex-Bürgerschreck Anfang der Woche sein Kopfstandbänkchen und einen Wickelrock in einen einfachen Pappkarton und schlug damit nach über 20-stündigem Flug auf der anderen Seite der Erde im "Palazzo Versace" auf, dem letzten Außenposten der Zivilisation vor dem Dschungel Australiens.

Natürlich werden auch Alt-68er irgendwann tatsächlich alt. Langhans ist sogar schon 70. Dafür hat er sich gut gehalten. Keineswegs zählt er zu jenen Wracks und Gestrandeten, die man für gewöhnlich im Dschungelcamp verortet. Vielmehr tritt er auf als spiritueller Sonderling, der keinen Alkohol trinkt, kein Fleisch isst, der vor jeder Mahlzeit einige Sekunden lang mit gefalteten Händen der Pflanzen gedenkt, die dafür dahingerafft wurden.

Hier lag die eigentliche Hürde.

"Ich bin Vegetarier, fast Veganer – und das Dschungelcamp ist eine grauenhafte Anti-Vegetarier-Veranstaltung", beschied der hartnäckig Umworbene dem Sender RTL. "Diese Tieresserei und Tierquälerei will ich nicht. Wenn an den Regeln für mich nichts geändert wird, kann ich nicht mitmachen."

Die Regeln wurden geändert.

Dann war da noch die Sache mit dem Geld. Um es kurz zu machen: Langhans hat keins, und angeblich braucht er auch keins. Seine 29-Quadratmeter-Wohnung in München ist spartanisch eingerichtet. Ein Bett, daneben ein paar Bücher, an der Wand ein Bild von Kirpal Singh.

Promis verdattert am Boden

Die Gäste, die vor ein paar Jahren zum "Perfekten Promi-Dinner" reinschneiten, saßen verdattert auf dem Boden, aßen von Papptellern ein Hauptgericht aus ungeschälten Kartoffeln und hatten ihr Besteck selbst mitbringen müssen. Alles nur einmal da, aus Überzeugung. Mit seiner kleinen Rente, ein paar Vorträgen hier, ein paar Auftritten dort, kommt er über die Runden, sogar ohne Sozialhilfe.

Geld? "Mag ich nicht besonders gerne" beteuert Langhans. Nun wird gemunkelt, dass RTL den Dschungelcampern den zweiwöchigen Aufenthalt in der Wildnis mit jeweils 50 000 Euro versüßt. "Wenn ich mir das vorstelle, bekomme ich fast Schmerzen", stöhnte Langhans, bevor es losging. Am Ende blieb der innere Protest des Alt-Revoluzzers erstaunlich milde. Wer in den Urwald will, darf eben nicht allzu zimperlich sein. Und Langhans will. Auch wenn Genossen von früher warnen, die Kommune habe einst die Medien vorgeführt – jetzt führten die Medien Langhans vor.

Sein ganzes Leben habe er in Kommunen gelebt, verteidigt sich der Alt-Hippie: "Erst mit drei Geschwistern daheim, dann im Internat, bei der Bundeswehr, schließlich in der Kommune 1." Nun also das Dschungelcamp, eine Rückkehr gewissermaßen, denn da fallen Langhans schon Parallelen ein: Auch damals, '68, in der Berliner Wohnung, habe man nahezu isoliert zusammengelebt. "Jeder wurde gnadenlos ausgefragt und beobachtet. Keiner durfte raus. Am Ende waren wir andere Menschen."

Nackt an der Wand

Nun, am Ende waren sie vor allem Medienstars, und als schließlich das Bild von den Kommunarden erschien, die da mit dem Rücken zum Betrachter nackt an der Wand lehnten, interessierte kaum jemanden, dass es diesen Langhaarigen eigentlich darum ging, das Modell der Kleinfamilie zu knacken, aus dem ihrer Überzeugung nach der Faschismus entsprang. Jedenfalls sorgte die (sogar noch züchtig retuschierte) Aufnahme seinerzeit für einen Skandal, gegen den sich das "Dschungelcamp" heutzutage wie Folgen einer Geschichte der "Augsburger Puppenkiste" ausnimmt.

Entsprechend gelassen dürfte der ergraute Zausel deshalb ins Gestrüpp aus Schlingpflanzen und zwischenmenschlicher Beziehungen ziehen. Daran ist Langhans gewöhnt. Vier Frauen zählt er daheim in München zu seinem Harem. Obwohl das schon wieder wilder klingt als es ist. Jeder wohnt für sich im Radius eines Hollandrades um Langhans' Schwabinger Bude. Man trifft sich, man redet, man meditiert. Sex? "Rainer will keinen Samen verlieren, damit verliert man Kraft. Er arbeitet da schon lange dran", verrät eine der Freundinnen.

Bedürfnislos, abgeklärt, zäh, dazu ein stabiler gedanklicher Überbau für die ganze Mission – eigentlich sind das ideale Startbedingungen für zwei Wochen in der australischen Wildnis. Wer weiß: Womöglich heißt der Dschungelkönig am Ende Rainer Langhans?

Das wäre zur Abwechslung mal wieder eine echte Revolution.

Quelle: RP

 
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Brigitte Nielsen
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Kim Debkowski
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Rocco Stark
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Sexy - freizügig ist doch schön
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Nervig - das ist eindeutig zu nackt
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