Finale: Die kluge Ingrid ist Dschungelkönigin
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 25.12.2010 - 00:57Düsseldorf (RPO). Das Dschungelcamp 2009 ist entschieden. Ingrid van Bergen erbt die Dschungelkrone. Mit gezielten Spitzen auf ihre ärgste Konkurrentin und einer prinzipienlosen Vorstellung in der Dschungelprüfung zog sie in der finalen Abstimmung die Zuschauer auf ihre Seite. Die Krönung des Abends aber war der Vergleich von Thomas Gottschalk mit einem Känguru-Hoden.
Was für ein Finale! Zum Abschluss des Dschungelcamps hat RTL am 16. Tag noch einmal alles ausgepackt. Wer bis dahin noch nicht genug hatte von Ekelessen, menschlichen Abgründen und süffisanten Lästereien bekam am Samstagabend einen extra-schönen Doppelpack in der XL-Länge von zwei Stunden Länge.
Dass nun ausgerechnet Ingrid van Bergen gewinnen würde, war nicht wirklich zwingend. Auch die grell-fröhliche Lorielle war als Favorit gehandelt worden. Mal ganz abgesehen davon, dass jeder, der es bis ins Finale geschafft hat, sowieso reelle Siegchancen hat.
Es geht ums Echt-Sein
Am Samstag nun der große Dreikampf. Zum einen Ingrid van Bergen, 77-jährige gewiefte Strategien und Siegerin des Zickenkriegs gegen Giulia. Lorielle London, früherer DSDS-Kandidat, inzwischen operierte Möchtegernfrau mit Hang zum erotischem Selbstdarstellungstrieb. Und Nico Schwanz, dauersympathischer Strahle-Tarzan und erklärter Dschungel-Favorit von Giulia Siegel.
Jeder wusste im Vorfeld aus dem Studium der bisherigen Dschungelcamps: Die Zuschauer strafen sowohl Langeweiler als auch Sozial-Schauspieler ab. König werden kann nur, wer authentisch ist. So wie der tuntige Ross Anthony, der coole Costa Cordalis oder die stets furchtlose Désirée Nick. Wie würden die drei Kandidaten versuchen, an ihrem letzten Sendetermin aus dem Dschungel zu beweisen, dass sie das wirklich ernst meinen, was sie da tun?
RTL hatte jedem einzelnen der dreien zur Unterstützung noch einmal eine Prüfung angeboten. Solo-Sendezeit für jeden, um sich noch einmal zu präsentieren. Zweiter Anreiz für die Kandidaten: Sterne sammeln für ein festliches Abendmahl an ihrem letzten Dschungelabend.
Lästereien im Hintergrund
Während Lorielle als erste zu ihrer Prüfung mit dem Titel „Durchhaltevermögen“ antraben muss, erfährt der Zuschauer, wie Ingrid und Nick über die Transsexuelle lästern. Das was Ingrid an ihr auszusetzen hat, kommt einem irgendwie bekannt vor. Lorielle würde ja nur vor den Kameras posieren. Sie, Ingrid, hingegen wolle ja nur ihre Grenzen ausloten und – ja – authentisch sein.
Lorielle muss mit ihrer Prüfung gegenhalten. Sie findet sich mit einem Schnorchel im Mund in einem Glas-Kasten wieder und muss mehrere Wasserschwälle mit ekligem Getier (Aale, Wasserspinnen, das Übliche.) über sich ergehen lassen. Herausragend: Sie schafft es als erster Dschungelcamper überhaupt, bei dieser Herausforderung alle Punkte zu holen. Mit den Sympathiepunkten sieht es schlechter aus. Sie hat Kreislaufprobleme, kann kaum reden.
Dann folgt Ingrid. Prime Time für die Schauspielerin. Sie hat bei ihrer Prüfung einen riesigen Vorteil. Sie darf sprechen, während sie allerlei Dschungel-Delikatessen vorgesetzt bekommt. Themen gibt es genug. Die richtige Methode, die fette weiße Made zu essen, die Ähnlichkeit im Geschmack von Skorpionen mit süßen Mandeln.
Sieg über den Hoden
Zudem bringt sie eine Besonderheit mit: Sie muss als Vegetarierin Tiere bei lebendigem Leibe an. Wenn es um den Titel einer Dschungelkönigin geht, wirft sie ihre Prinzipien ohne viel Aufhebens über Bord. Mit großen, neugierigen Augen und witzigen Bemerkungen („Probier mal!“) mampft sie sich endgültig in die Herzen der Zuschauer. Auch sie holt fünf Sterne, schluckt am Ende sogar den Känguru-Hoden herunter.
Zum Abschluss tritt noch Nico im Kampf um fünf Sterne für den Nachtisch an. „Herr der Fliegen“, heißt seine Prüfung. Seine Aufgabe: Sterne-sammeln mit 1,5 Millionen Fliegen in einer gläsernen Telefonzelle. Auch er besteht mit Bravour und lächelt auch dann noch, wenn er mit Fliegen zwischen den Zähnen Bach und Zietlow seine Eindrücke schildern soll. Das mag authentisch sein, ist aber langweilig.
Abends halten die drei ihr Festmahl im Dschungel. Am Morgen danach folgt die Entscheidung. Bach und Zietlow holen zunächst Nico aus dem Camp. Er ist in der Abstimmung Dritter. Die Krone bekommt entweder Ingrid oder Lorielle. Hochsensibel wie sie ist, bricht sie in Tränen aus. „Hör auf zu weinen, das sieht nicht vorteilhaft aus“, herrscht Ingrid sie an. „Wird schon, wird schon. Beruhige deine Nerven.“ Dann folgt zwischen den beiden schier endloses Schweigen.
Der Gottschalk-Vergleich
Nach der nächsten Werbepause schlägt dann Ingrids große Stunde. Sie ist die neue Dschungel-Königin. Mit ihrer offenen, gelegentlich grummeligen Art, ihrer geheimnisvollen Vergangenheit und der Abgeklärtheit des Alters ist sie eine würdige Nachfolgerin von ruhmreichen Herrschern wie einst Costa Cordalis oder Desirée Nick.
Was bleibt vom Dschungelcamp? Nicht viel. Länger in Erinnerung bleiben könnte die Bemerkung von Sonja Zietlow, der Känguru-Hoden sei für RTL mittlerweile ein Aushängeschild wir Gottschalk für das ZDF. Ansonsten herrschte im Camp in dieser vierten Staffel öfter Langeweile. Quäl-Methoden in den Prüfungen wiederholen sich, die Selbstdarstellung von mehr oder minder unbekannten B-Promis ist im deutschen Fernsehen mittlerweile Standard. RTL wird sich etwas Neues einfallen lassen müssen, um dem Format wieder Frische zu verleihen.
Der heitere Dschungel-Reigen geht in die sechste Runde. Noch vier von elf Promis stellen sich den harten, ekligen und für die Zuschauer meist ziemlich unterhaltsamen Dschungelprüfungen. Aber wer hat wirklich das Zeug zum Dschungelkönig?
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Nackt-Modell Micaela Schäfer zeichnet sich im RTL-Dschungelcamp nicht gerade durch ihre hochgeschlossene Kleidung aus. Oberteile sind bei der 28-Jährigen offenbar Mangelware und auch an der Unterbekleidung wird immer öfter gespart. Ist dieses freizügige Auftreten eigentlich noch sexy oder nervt es nur noch?
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