Olivia Jones erobert das Dschungelcamp: Erst Kiez und Nazis, jetzt der Dschungel
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 16.01.2013 - 14:43Die Dschungelkrone scheint Olivia Jones jetzt schon sicher. Mit ihrer schmerzlosen Einstellung zum Trash demaskiert der Travestiekünstler seit Staffelstart zuverlässig das gesamte Format. Kultfigur ist Olivia Jones schon seit Jahren. Unvergesslich ihr Auftritt bei der NPD, bei dem sie die Neonazis nach allen Regeln der Kunst der Lächerlichkeit preisgab.
Wer sich nach dem Favoriten für die Dschungelkrone umhört, bekommt eigentlich nur eine Antwort zu hören: Camp-Mutti Olivia Jones. So souverän wie der Hamburger Travestiekünstler mit richtigem Namen Oliver Knöbel bewegt sich dort keiner. Jede Situation hat sie scheinbar im Griff, alles kommentiert sie mit ihrem distanzierten Blick, gibt sich dabei immer überlegt und überlegen.
Im Dschungel-Vote bei RP ONLINE liegt sie unangefochten mit 66 Prozent vorne, keiner kann ihr das Wasser reichen. Bei Facebook liegen ihr die Fans zu Füßen und alle zeigen sich überzeugt: Nur Olivia Jones kann Dschungelkönigin werden. Und weil sie so schön lästern kann und dabei auch noch bunt schillert, wird sie bereits als legitime Nachfolgerin von Dirk Bach gehandelt. Sonja Zietlow im Duett mit Olivia Jones – eine durchaus reizvolle Vorstellung.
"Die ideale Kandidatin"
Das Dschungelcamp – für Olivia Jones ist das nur ein großer Spaß. Andere gehen aus finanzieller Not oder Profilierungs-Neurose nach Australien, die Kiez-Transe tut es aus Überzeugung. „Ich bin einfach ein großer Dschungelcamp Fan, habe mich schon dreimal erfolglos beworben und diesmal hat anscheinend auch RTL eingesehen, dass ich wirklich die ideale Kandidatin bin“, teilte sie vor Staffelstart mit. Als St. Pauli Wirtin kenne sie sich eben mit schrägen Vögeln, Z-Promis und Ungeziefer aus.
Das Camp ist für mich eine Art öffentliche Gruppentherapie“, sagt Olivia. Doch im Lager ist sie es, die als Therapeutin auftritt. Camp-Küken Joey erklärt sie die Geheimnisse der Liebe und den Unterschied zwischen Travestie und Transvestit. Die Ursache für die Magenprobleme von Fiona Erdmann hat sie ebenfalls parat. Wer sich wie ein kleines hektisches Wiesel über alles aufregt, dem schlägt das auf den Magen. Und von Dschungelprüfungen lässt sich die dreifache St.Pauli-Wirtin schon erst recht nicht schrecken. Die Ekeleien, die ihr Zietlow und Hartwich am Dienstag vorsetzten, vernaschte sie ohne Ausnahme, zehn Sterne.
Alles nur Attrappe
Gleichzeitig beweist sie, welche Ausnahmeerscheinung sie im Dschungel darstellt. Olivia Jones ist eine Kunstfigur eines Profi-Selbstdarstellers und funktioniert daher in dieser künstlich erschaffenen Fernseh-Welt wie kein anderer. Brüste, Sex, Freundschaften, Gefühle – in Australien Attrappe. Für Olivia Jones die perfekte Spielwiese. Oder wie sie selbst sagt: „Es gibt keine Show, bei der man sich besser auf Kosten anderer profilieren kann.“
Dass sie diese Kunst perfekt beherrscht, weiß die deutsche Fernsehöffentlichkeit seitdem Olivia Jones im Einsatz für den NDR als Reporterin einen Parteitag der NPD in Hannover aufmischte. Nur selten hat jemand so vollendet die Parolen der Neonazis als sinnfreies Gestammel entlarvt. Gleichzeitig brachte sie es fertig, die Parteioberen der Lächerlichkeit preis zu geben und als dumpfe Spießer zu zeigen.
Ihre Waffen von damals bewähren sich auch im Dschungelcamp. Schlagfertigkeit, Offenheit und Mutterwitz. Ihre Dauer-Performance krönt Olivia Jones mit Sprüchen für die Ewigkeit.
Einige Auszüge aus der Dschungelprüfung an der Seite von Georgina sprechen für sich.
- Als Georgina Schnecken schlucken soll: „Wenn du die isst, bekommst du schöne Haut, große Lippen, dann wird alles gut, dann findet dich das ganze Publikum sympathisch. Das ist gesund und macht dich schön!“.
- Als Georgina würgt: „Reiß dich zusammen. Nicht kotzen, sonst sind meine Sterne auch weg.“
- Als Georgina mit einer Käsefrucht, auch Kotzfrucht genannt, kämpft. „Immer runterschlucken, du Luder!“
- Als Georgina mit gekochter Qualle hadert: „Ja, dann kriegst du vielleicht noch größere Lippen!“
- Olivia als sie 0,3 Liter pürierte Käfer trinken muss: „Beschissen, modrig, ekelig – wie benutztes Katzenstreu!“
- Als Georgina Schafshirn verspeisen soll: „Wenn man Hirn isst, dann spricht man am nächsten Tag ganz langsam und gewählt. Das ist eine ganz alte Indianerweisheit – deshalb essen die so viel Hirn. Jetzt mach‘ schon. Das ist eine große Premiere. Das ist dein großer Durchbruch. Du wirst einen Werbevertrag für eine große Schafsherde bekommen – alles. Das wird super! Die kannst du dann auch im Shopping-TV verkaufen diese Hirne. Aber jetzt iss‘ endlich.“
Und so etwas bekommt Olivia Jones im Gegensatz zu Zietlow und Hartwich ohne Gagschreiber hin.
Sie ist durch und durch Profi, vor mehr als 20 Jahren begann sie zielstrebig an ihrer Karriere zu arbeiten, nahm Schauspiel- und Sprechunterricht, besuchte Maskenbildnerkurse und eroberte unter den Fittichen von Lilo Wanders nach und nach St. Pauli.
Dort ist sie inzwischen Kultfigur, betreibt drei eigene Theater und bietet sogar Hafenrundfahrten an. Auch politisch zeigt sie Engagement: 2004 trat sie sie etwa als Gegenkandidat zum Hamburger Rechtsaußen-Politiker Roland Schill an.
Auf dem Kiez lässt sie sich inzwischen als Bürgermeister von St. Pauli feiern. Womöglich kommt nach dem Aufenthalt in Australien ein weiterer Titel hinzu. Die Königin von St. Pauli.



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