"Deutschland sucht den Superstar": Bohlen lobt und Bohlen meckert
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 01.03.2009 - 09:33Düsseldorf (RPO). Weinende Möchtegern-Stars, immerhin fünf zumindest ordentliche Sänger und ein aufgedrehter Moderator Marco Schreyl - das ist die Kurz-Fassung der ersten Live-Show von "Deutschland sucht den Superstar". Ansonsten war die Casting-Show alles andere als kurz. Ziemlich lang sogar.
Um morgen noch nicht vergessen zu sein, muss man bei "DSDS" schon Besonderes leisten. Manchmal reicht sogar nicht einmal der Sieg bei der bekanntesten Casting-Show der Republik, um ein paar Monate später noch nicht von den so treuen und Platten kaufenden Fans im Teenie-Alter vergessen zu sein.
Zehn Kandidaten haben es geschafft, bis nächsten Samstag von halb Deutschland Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie haben die x-te Runde des Vorsingens überstanden - einige allerdings mehr wegen ihres nur der Jury um Pop-Titan Dieter Bohlen, MTV-Moderatorin Nina Eichinger und Musik-Manager Volker Neumüller, bekannten Talents, statt wegen ihrer musikalischen Darbietung in dem Kölner Fernseh-Studio. Denn die war ab und an mehr als dürftig.
Seltsamerweise waren es sogar die Zuschauer selbst, die weniger auf Extravaganz und tragische Familiengeschichte (die zuvor bei der Vorstellung der Kandidaten eingespielt wurde) gesetzt, denn für ein zumindest solide vorgetragenes Lied angerufen haben. So bestimmten sie die ersten fünf Kandidaten für die erste Motto-Show. In die schaffte es erwartungsgemäß Daniel Schuhmacher. Der 21-Jährige wurde unmittelbar nach seinem Song "Broken Strings" schon von der Jury (Neumüller: "Das war das Geilste, was ich seit langem gehört habe") in den höchsten Tönen gelobt. Völlig zurecht.
Ebenso wie Sarah Kreuz. Die 19-Jährige hat zwar keinen Schulabschluss, von Dieter Bohlen bekam sie aber zumindest für ihren "Auftritt eine 1+" und mit Beyonces "Listen" ein Zimmer in der DSDS-Villa in Bergisch Gladbach. Dominik Büchele sang zum gefühlten tausendsten Mal vor laufender Kamera einen James-Blunt-Song und machte sich damit zwar in der Jury keine Freunde (Bohlen: "Wir suchen keine Imitatoren, ich will diese Scheiße nicht mehr hören"), aber der Wuschelkopf mit der Gitarre imponierte so vielen Mädels, dass er auch genügend Anrufe bekam. Abzuwarten bleibt allerdings, ob er auch Lieder eines anderen Sängers drauf hat.
Das ist auch die Frage bei Vanessa Neigert. Die erst 16-jährige hat sich zwar weniger auf einen Künstler, denn auf ein Genre festgelegt: den guten alten Schlager. Dabei war ihr Auftritt in rosafarbenem Petticoat mit dem Conny Francis-Klassiker "Schöner Fremder Mann" so herzzerreißend, dass sie zunächst auf Bohlens Schoß Platz nehmen ("Dieters Schoß war schon so manchmal das Sprungbrett für eine große Karriere", unkte der völlig überdrehte Moderator Marco Schreyl) und anschließend eine Runde weiter durfte.
Wenig überraschend: Der sich nach Anerkennung sehnende Holger Göpfert (Nina Eichinger: "Du bist ein Riesen-Entertainer") war nach seinem grandiosen Auftritt mit dem Beatles-Hit "Oh Darling", den der 27-Jährige erst am Flügel, dann auf der Bühne wirbelnd ins Mikro schmetterte, der absolute Publikumsliebling - nicht nur im Studio, sondern auch in den Wohnzimmern.
Durchaus überraschend: Cornelia Patzlsperger, die mal wieder auf ihrer Harfe zupfte, wurde um mittlerweile 1.12 Uhr am Sonntagmorgen (fünf Stunden zuvor begann die Sendung) von der Jury als eine von fünfen ausgewählt, weiter bei der Suche nach dem Superstar dabei zu sein. Gewinner-Potenzial ist bei ihr zwar nicht vorhanden (Neumüller: "Ohne Harfe wird's für dich schwer"), aber mindestens eine Woche darf die 29-Jährige noch ein bißchen träumen.
Das dürfen auch der viel zu schrille Benny Kieckhäben, der in Christina Aguileras "Hurt" nicht nur einen Mädchen-Song intonierte, sondern nach der Nachricht seines Weiterkommens auch wie ein Mädchen weinte. Ebenfalls weiter: Der ehemalige Boygroup-Sänger Marc Jentzen aus Bonn, die mit ihrem Tanz zu Katy Perrys "Hot & Cold" Jury-Mitglied Neumüller anmachende Annemarie Eilfeld sowie Vanessa Civiello, die in "Greatest Love Of All" zwar reihenweise Töne versemmelte, bei der aber dennoch das Repertoire da ist, zumindest noch ein paar Wochen vor einem Millionen-Publikum aufzutreten.
Folgende Namen muss man sich hingegen nicht mehr merken: Roshan Paul (rockiger Auftritt, aber ohne Vermarktungs-Chancen), Florian Ehlers (dessen Hundeblick ebenfalls nicht genügend Platten verkaufen dürfte), Michelle Bowers (mega-knappes Mini-Kleid, aber sie ist nicht für die Bühne gemacht), Tobias Rößler (trotz Hammer-Stimme zu unscheinbar in der Musik-Welt) und Fausta Giordano (die gesanglich Schwächste der 15 Superstar-Bewerber) sind allesamt ausgeschieden. Und morgen schon vergessen.
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