ZDF-Drama: "Durch Himmel und Hölle": Kampf ums Adoptivkind
VON GUIDO DIESING - zuletzt aktualisiert: 02.04.2007 - 16:10Düsseldorf (RP). In dem ZDF-Zweiteiler spielen Natalia Wörner und Kai Wiesinger ein Paar, das ein Baby aus Argentinien adoptieren will. Doch dabei stoßen die beiden auf illegale Machenschaften.
Was haben Gerhard Schröder und Madonna, Angelina Jolie und Patrick Lindner gemeinsam? Sie alle haben Kinder aus fremden Ländern adoptiert und sind in die Schlagzeilen geraten. So unterschiedlich die individuellen Motive sein mögen - das öffentliche Interesse an Auslandsadoptionen ist groß. Gerade im Fall prominenter Adoptiveltern wird schnell der Verdacht geäußert, deren Geld spiele eine wichtigere Rolle als das Wohlergehen der Kinder.
So war es nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Fernsehfilm des Themas annehmen würde. In "Durch Himmel und Hölle" müssen sich Rebecca (Natalia Wörner) und Tom (Kai Wiesinger) nach drei Fehlgeburten damit abfinden, dass sie kein gemeinsames Kind bekommen werden. Die Bemühungen um eine Adoption belasten ihre Beziehung ebenso wie berufliche Probleme. Als sich die Möglichkeit ergibt, gegen Zahlung einer größeren Geldsumme einen neugeborenen Jungen aus Argentinien zu adoptieren, sehen Rebecca und Tom dies als Chance, dass ihr Kinderwunsch doch noch erfüllt wird.
Kulturelle Wurzeln
Regisseur Matthias Tiefenbacher will mit seinem Film viele Fragen aufwerfen: "Was bedeutet es für ein Paar Ende 30, eine Familie zu gründen? Wie geht man damit um, wenn bei einer Auslandsadoption die kulturellen Wurzeln völlig verschieden sind? Ist eine Auslandsadoption per se ein humanitärer Akt oder nicht?"
Im Film häufen sich die Anzeichen, dass bei der Adoption nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Dass Rebecca dadurch in einen schweren inneren Konflikt gerät, kann Natalia Wörner nachempfinden: "Es ist interessant, den Punkt zu finden, an dem man aus moralischen Gründen Stopp sagen muss." Tiefenbacher will diese kritische Sicht auf Auslandsadoptionen nicht verallgemeinern: "Wir wollen mit unserer Geschichte nicht erzählen, dass der Vorgang an sich verwerflich ist."
Doch die Handlung sei gewissenhaft recherchiert. "Illegale Adoptionen kommen in Mittel- und Südamerika häufig vor", bestätigt Produzentin Jutta Lieck-Klenke. Fundiertes Lob für die sorgfältige Vorarbeit gibt es von Bernd Wacker vom Kinderhilfswerk "terre des hommes": "Der Film ist das Beste, was ich bisher zum Thema Auslandsadoption im Genre Spielfilm gesehen habe."
Das mag inhaltlich zutreffen, doch dramaturgisch und formal hat der Zweiteiler unübersehbare Schwächen. Es gelingt ihm nicht annähernd, die unterschiedliche Problematik des deutschen Adoptionsverfahrens und der Probleme einer Auslandsadoption stilistisch schlüssig zu verbinden. So zerfällt der Film in zwei Teile, die bis auf das Thema und Teile des Personals wenig miteinander zu tun haben: ein durchaus bewegendes Beziehungsdrama, das in Hamburg spielt, und einen weniger überzeugenden Thriller über die Abenteuer einer Deutschen in Argentinien und ihren Versuch, die Machenschaften des dortigen korrupten Systems aufzudecken.
Durch Himmel und Hölle, ZDF, Montag und Mittwoch, jeweils 20.15 Uhr.
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