"Borowski und der vierte Mann": Ein Tatort mit Hand und Fuß
VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 27.12.2010 - 09:36Düsseldorf (RPO). Am Sonntag sahen die Fernsehzuschauer einen Tatort der besonderen Art. Der schwedische Star-Autor Henning Mankell schickte Kommissar Borowski in die verschneiten Wälder Schleswig-Holsteins. Das war düster, blutig und erfrischend anders.
Schon die erste Szene hatte es für Tatort-Verhältnisse in sich: Ein verschneiter Wald, es ist düster und kalt. Dann liegt dort ein abgetrennter Fuß in einer Bärenfalle. Und das war längst noch nicht alles. Der schrullige Kriminalhauptkommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) wird es auch noch mit einer Hand und einem Kopf zu tun bekommen, die allesamt ihren Besitzern abhanden gekommen sind.
Bereits die erste Szene trägt die Handschrift von Henning Mankell - und das wird sich den ganzen Film über durchziehen. Der Bestseller-Autor hatte ein 14 Seiten langes Exposé für den "Tatort" aus Kiel geschrieben - genug, um "Borowski und der vierte Mann" seinen Stempel aufzudrücken.
Der Fuß, der am Anfang gefunden wird, gehört dem Teilnehmer einer versnobten Jagdgesellschaft. Die Großstadt-Yuppies gehen illegal auf die Pirsch. Hier stehen keine Hasen auf der Abschussliste, sondern eigens importierte Bären. Schnell scheint klar, dass militante Tierschützer hinter dem Mord stecken. Denn auch der Kürschner verschwindet bald, einzige Spur ist seine Hand (diem laut Gerichtsmediziner einem anderen Milieu entstammt als der Fuß).
Während sich die Medien und sein Chef auf die Spur festlegen, folgt Borowski seinem Instinkt. Das beschert dem Zuschauer eine ziemlich späte Wendung in dem Fall. Denn es geht gar nicht um die Jagdgesellschaft oder Tierschutz, sondern um Anlagebetrug. Mit einem Kettenbriefsystem waren einige Kleininvestoren geprellt worden, alle Opfer waren irgendwie involviert.
Als Mörder wird schließlich ein Bestattungsunternehmer überführt, den die Betrüger um seine Ersparnisse gebracht hatten. Der hatte versucht, die Leichen mit doppelbödigen Särgen diskret zu entsorgen. Den Kopf der Anlagebetrugs-Pyramide konnte er sich nicht mehr schnappen. Das erledigt unerwarteterweise der Ex-Polizist Jochen Leonardt, den Borowski zuvor in der Sache um Rat gefragt hatte. Es erübrigt sich, zu erwähnen, dass seine betrügerischen Aktivitäten den Kopf der Bande letztlich auch den Kopf kosteten.
Wald, Kälte und Schnee: Der jüngste Borowski-Tatort war atmosphärisch dicht und lebte von seinen schrägen Charakteren. Der skandinavisch-lakonische Stil passt zu dem kauzigen Ermittler. Nur die turbulente Schlussviertelstunde stört ein wenig das Gesamtbild. Ganz plötzlich werden zwei Mörder hervorgezaubert und die Hobby-Jäger kommen auf die Idee, ihren eigenen Tatverdächtigen durch den Wald zu hetzen.
Trotzdem: Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Folge aus der Feder von Henning Mankell - die hat er nämlich bereits zugesagt. Im Frühjahr sollen die Dreharbeiten beginnen. Dann wird Sibel Kekilli als neue Assistentin Sarah Brandt hoffentlich wieder dabei sein.
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