Schmidt und Pocher trennen sich: "Ein zeitlich begrenztes Experiment"
zuletzt aktualisiert: 28.12.2008 - 09:41Hamburg (RPO). Die ARD-Sendung "Schmidt & Pocher" wird eingestellt. Late-Night-Talker Harald Schmidt und Comedian Oliver Pocher werden nach einem Medienbericht im April 2009 ihre Zusammenarbeit beenden.
Das berichtet der "Spiegel". "Das war von vornherein ein zeitlich begrenztes Experiment - und zwar von beiden Seiten", sagte Schmidt-Produzent Fred Kogel, der zugleich Geschäftsführer der gemeinsamen Firma Kogel & Schmidt ist, dem Nachrichtenmagazin. Die ARD hielt sich zur Zukunft der Sendung bedeckt. WDR-Sprecher Magnus Schweers sagte: "Da die Verhandlungen darüber noch nicht abgeschlossen sind, wollen wir uns zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht äußern."
"Beiden hat es gutgetan. Aber jetzt ist es Zeit, getrennte Wege zu gehen", kündigte Kogel an und fügte hinzu. "Schmidt spielt im Duo sein Potenzial nicht aus."
Zu den Plänen des Entertainers sagte Kogel, in einem Wahljahr "will man Schmidt auf einem Level sehen, das sonst im deutschen Fernsehen niemand liefert". Es gehe darum, "die Comedy-Latte wieder höher zu legen in Richtung Anspruch und Intellekt, vergleichbar mit dem US-Polit-Komiker Jon Stewart - aber eben Harald Schmidt."
Der Vertrag mit beiden Entertainern läuft noch bis zum Frühjahr kommenden Jahres. ARD-Programmdirektor Volker Herres hatte Ende Oktober in einem ddp-Interview gesagt, er hoffe auf eine Verlängerung. Es gebe bei beiden keinen Grund, über ein Ende nachzudenken, hatte er gesagt.
Auch Schmidt hatte betont, dass er seinen Vertrag mit der ARD gern verlängern würde. "Ich bin sehr zufrieden bei der ARD, und von mir aus könnte es noch viele Jahre weitergehen", sagte der Entertainer in einem Interview.
Sein Mitstreiter hatte vor einigen Wochen in einem Zeitschrifteninterview angekündigt, er könnte sich auch ein gemeinsames TV-Projekt mit Musikproduzent Dieter Bohlen vorstellen. Im Oktober hatte Pocher dem "Spiegel" gesagt, die Entscheidung über eine dritte Staffel liege bei der ARD.
"Schmidt & Pocher" hatte seit dem Start Ende Oktober 2007 wiederholt für negative Schlagzeilen gesorgt. Unter anderem waren die Moderatoren wegen des sogenannten Nazometers in die Kritik geraten. In Anlehnung an die umstrittenen Äußerungen der ehemaligen "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman über den Nationalsozialismus hatten Schmidt und Pocher mit Hilfe des "Nazometers" getestet, welche Begriffe als grenzwertig gelten. Dabei benutzten sie Worte wie "Gasherd" oder "Duschen".
Für Zuschauerproteste hatte auch ein Auftritt der Rapperin Lady Bitch Ray am 24. April in der Late-Night-Show gesorgt. Ihre derbe Unterhaltung mit Pocher und die Tatsache, dass sie ihm ein Döschen angeblich mit ihrem Intimsekret überreichte, war in der ARD auf heftige Kritik gestoßen. Mehrere ARD-Sender hatten die sonst übliche Wiederholung der Show in ihren dritten Programmen abgelehnt.
In diesem Jahr hatte Pocher für einen Auftritt bei der Feier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach dem Vize-Europameistertitel 2008 den "Preis der beleidigten Zuschauer" erhalten.
Die erste Staffel "Schmidt & Pocher" hatte bis Juni 2008 nach Senderangaben im Schnitt 1,43 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 9,5 Prozent erreicht. Bei den 14- bis 49-Jährigen lag er bei neun Prozent. Nach der Sommerpause war die Show im Oktober mit einer mäßigen Quote von 1,34 Millionen Zuschauern gestartet. Solo hatte Schmidt in der ARD im ersten Halbjahr 2007 durchschnittlich 1,26 Millionen Zuschauer (7,8 Prozent Marktanteil) verbucht. Bei den 14- bis 49-Jährigen war er auf 480 000 Zuschauer (6,7 Prozent) gekommen.
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