Neue Götz-Alsmann-Show: "Eine große Nachtmusik" - Klassik mal anders
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 25.05.2007 - 14:47Düsseldorf (RP). Heute Abend zieht Götz Alsmann andere Saiten auf: "Eine große Nachtmusik" zeigt neue Seiten bekannter Musiker und Menschen: Bass-Bariton Thomas Quasthoff als Jazzer, Moderatorin Barbara Schöneberger als Sängerin.
Ein kurzer Blick in eine mögliche Zukunft. Im Jahr 2010 moderiert Götz Alsmann immer noch die Sendung "Eine große Nachtmusik". Er begrüßt Teufelsgeiger Nigel Kennedy, der seine Lieblingslieder von Herbert Grönemeyer in klassischer Fassung schmettert, und Till Brönner steigt von Trompete auf Harfe um. Zum Finale bläst Franz Beckenbauer anlässlich der nahenden Fußball-WM in Südafrika die Nationalhymne auf einem Kamm.
Klingt zu abgedreht? Nicht unbedingt beim Anblick der heutigen fünften Ausgabe der großen Nachtmusik. Bass-Bariton Thomas Quasthoff, bisher bekannt durch seine Schubert-Interpretationen in New York oder seinen Auftritt in Wagners Parsifal in Wien, ist im ZDF als Jazzsänger und Komiker zu sehen und hören. Moderatorin Barbara Schöneberger wird den meisten Zuschauern überhaupt erstmals als Sängerin erscheinen. Die 33-Jährige präsentiert unter anderem "Running Wild", das Marilyn Monroe in "Manche mögen’s heiß" sang.
"Eine große Nachtmusik" ist eine Sendung, die zwei neue Wege geht, um breite Massen an klassische Musik heranzuführen. Weg eins: die seltsame Mischung. Die Sendung wirkt wie Senioren-MTV, "Wetten, dass...?!" und "Achtung: Klassik" auf einmal. Großer Saal, große Kamerafahrten, große Gesten kombiniert mit schnelleren Schnitten und kurzen Auftritten. Egal, ob die Sopranistin Natalie Dessay zum ersten Mal im deutschen Fernsehen auftritt oder die Niederländerin Janine Janssen Mendelssohn Bartholdy geigt - keiner der Beiträge dauert länger als fünf Minuten. Klassik in kleinen Dosen und fürs Freizeithemd.
Zwischen den Auftritten plaudert Alsmann kurz mit seinen Gästen, allerdings mit derartigem Fachwissen, dass er Thomas Gottschalk sofort in den Vorruhestand jagen könnte. Weg zwei: die gekonnte Mischung. Die Gäste präsentieren unbekanntere Werke von berühmten Komponisten oder Stücke mit hohem Wiedererkennungswert, deren Urheber kaum einer weiß. Bekannte Gesichter wiederum wagen bei Alsmann neue Schritte. Das kann gut gehen, muss es aber nicht. So zählt Quasthoffs Version von "Ein Männlein steh im Walde" zu den Höhepunkten der Show.
Der Berliner singt es mit den Stimmen von Helmut Kohl und Willy Brandt, wobei der eine sich weigert das Wort „rot“ in den Mund zu nehmen und der andere es gar nicht oft genug bringen kann. Barbara Schönebergers Überraschungsauftritt gelingt hingegen nur bedingt. Sie stammt zwar hörbar aus einer musikalischen Familie und wirkt grundlegend geschult. Je weniger Begleitung sie aber hat, desto flacher wirkt die Stimme. Dies hindert sie freilich nicht daran, im Herbst auf Tournee zu gehen.
Im Herbst gibt es auch die nächste große Nachtmusik, dann zum Thema "Operette". Eine Kostprobe liefert der Moderator schon heute Abend mit "Bei dir war es immer so schön" - laut Alsmann "die schönsten Schlagermelodie, die je von deutschem Boden ausging".
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