"Tatort" Kiel: Endlich! Im Bett mit Borowski
VON TIM NOCKEN - zuletzt aktualisiert: 21.09.2009 - 12:52Düsseldorf (RPO). Geknistert hat es beim Kieler "Tatort" schon lange, die Zuschauer haben mitgefiebert. Am Sonntagabend hat es endlich gefunkt – Kommissar Borowski und seine Kollegin Frieda Jung haben sich geküsst. Und nicht nur das. Ein großartiger Gastauftritt von Entertainer Hugo Egon Balder wurde da zur Nebensache.
Die große Liebe kann im Fernsehen manchmal zur Geduldsprobe werden. Der Kieler "Tatort" ist da das beste Beispiel. Seit Jahren schon schmachten sich Kommissar Borowski (Axel Milberg) und die Polizeipsychologin Frieda Jung (Maren Eggert) gegenseitig an – und dennoch verpassten sie sich immer wieder ganz knapp. Stattdessen verfiel der ungelenke Kommissar beim Anblick seiner Kollegin immer wieder in erotische Tagträume.
Als Zuschauer wurde man fast verrückt. Man dachte: "Küsst Euch doch endlich, damit die Liebesqual ein Ende hat!" Jetzt ist es endlich passiert. Gepeinigt von einer Geburtstagsdepression nimmt Borowski seinen ganzen Mut zusammen und küsst die Psychologin mit dem erotisch verschmitzten Lächeln. Da musste erst ein großartiger Hugo Egon Balder kommen, um den unbeholfenen Kommissar aus der Reserve zu locken. Dieser mimt den Alt-Rocker Bodo Dietrich, der mit zotteliger Mähne und treuem Hundeblick die Psychologin umgarnt.
Das eigentliche Eifersuchtsdrama spielt sich allerdings nicht zwischen Kommissar und Psychologin ab, sondern im etwas klischeehaft dargestellten Rockstar-Milieu: Margret Saloschnik, glaubhaft gespielt von der Rockröhre Helen Scheider, scheint vom Balkon eines Hotelzimmers gesprungen zu sein. Dreißig Jahre zuvor hatte sie sich in dieser Herberge als Groupie mit Bodo Dietrich und seinem damaligen Gitarristen Henning "Hendrix" Krause (Hans Uwe Bauer) vergnügt.
Für Borowski und Jung ist jedoch schnell klar: Das war kein Selbstmord, sondern Mord. Gemeinsam ermitteln sie in dem düsteren Hotel mit 70er-Jahre-Charme und kommen sich nach und nach dabei näher. Die eigentliche Kriminalgeschichte rückt dabei mehr und mehr in den Hintergrund.
Das liegt am lange ersehnten Liebes-Happy-End, aber auch an der dünnen Story und den etwas zu offensichtlich dargestellten Zitaten. So versucht Regisseurin Angelina Maccarone, die auch das Drehbuch geschrieben hat, die Hotel-Stimmung des Horror-Klassiker "Shining" wiederzugeben. Selbst die Zwillingsmädchen geistern durch die Hotelflure. Mit den Rockerklischees will das aber nicht so recht zusammenpassen.
Der melancholische Bandleader Bodo feiert in Ledermantel und dunkler Sonnenbrille ein glamouröses Comeback, während Groupie Magret sich ein bürgerliches Leben an der Seite eines Textilreinigers aufgebaut hat. Ex-Gitarrist Henning "Hendrix" Krause versucht dagegen im strahlend weißen Schickimicki-Fitness-Studio mit Weizengras-Cocktails und Dampfsauna seine Jugendlichkeit zu erhalten.
Wer der Mörder war, spielte am Ende kaum noch eine Rolle. Vielmehr stellte sich die Frage, wie es mit den neuen "Tatort"-Turteltauben weitergeht: Ist in Kiel jetzt die Luft raus oder können Borowski und Frieda Jung auch zukünftig noch ein Knistern erzeugen? Erst der nächste Fall wird auf diese Fragen eine Antwort geben können. Bis dahin freut sich der Zuschauer über das lang ersehnte Liebesglück.
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