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Fernsehrechte: Entscheidung in Frankfurt: Wo rollt künftig der Fußball?

zuletzt aktualisiert: 21.12.2005 - 09:33

Frankfurt (rpo). In der härtesten Bieterschlacht um die TV-Rechte in der Geschichte der Bundesliga steht die Entscheidung unmittelbar bevor. Am Mittag will die DFL in Frankfurt bekannt geben, wer das Rennen gemacht hat. Premiere, ARD, ZDF, die Kabelnetzbetreiber und die Deutsche Telekom kämpfen um den Zuschlag. Millionen Fußballfans werden dann endlich wissen, wann sie wo welche Spiele verfolgen können.

Bis Dienstag gab die DFL vor allem den Pay-TV-Anbietern mit einer Nachfrist die Chance, ihre Angebote speziell zu diesem Modell noch einmal nachzubessern. Die Frage, wo die Bundesliga künftig im FreeTV zu sehen sein wird, entscheidet sich in erster Linie durch die Festlegung im PayTV-Bereich.

Der Abo-Sender Premiere, der bislang 180 Millionen Euro zahlt, sah sich in dieser Auktion erstmals ernstahfter Konkurrenz ausgesetzt. Auch die deutschen Kabelnetzbetreiber Unity Media (Hessen und NRW) sowie Kabel Deutschland (restliche Bundesländer) bewarben sich um die kostspieligen PayTV-Rechte.

Selbst die Deutsche Telekom überraschte mit der Ankündigung, für das gesamte Rechtepaket bieten zu wollen. Dies würde ebenfalls die PayTV-Rechte beinhalten. Allerdings müsste das Bonner Telekommunikationsunternehmen die TV-Rechte mangels eigener Sender weiterverkaufen und könnte im Endeffekt auch nur die Internet-Rechte nutzen, für die die Online-Tochter T-Online auch bislang schon bot.

Sowohl die Deutsche Telekom als auch die deutschen Kabelnetzbetreiber wollen mit den Bundesliga-Rechten sogenannte „Triple Play“-Angebote pushen. Mit diesem Ausdruck wird in Branchenkreisen die Vermarktung von Internet, Telefonie und TV aus einer Hand bezeichnet. Während die Telekom dies via DSL-Leitung anbieten will, wollen die Kabelnetzbetreiber dies via TV-Kabel offerieren. Gemeinsam haben beide Interessenten den Wunsch, die Bundesliga als attraktives Zugpferd vor den Karrren zu spannen.

Premiere kann sich keine Bundesliga nicht leisten. Chef Dr. Georg Kofler hätte es am liebsten, wenn die ersten Bilder im Free-TV erst nach 22.00 Uhr im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF zu sehen sein würden, um mehr Exklusivität für sein Angebot zu erreichen. Die Zwickmühle: Die Kabelnetzbetreiber, ebenfalls an den PayTV-Rechten interessiert, würden eine „Sportschau“ am frühen Samstagabend akzeptieren. Premiere bleiben zwei Optionen: Durch ein deutlich erhöhtes Angebot überzeugen oder die bisherigen FreeTV-Ausstrahlungszeiten akzeptieren.

Bis zum Wochenende hatte Premiere dem Vernehmen nach mehr als 250 Millionen Euro pro Jahr angeboten. Angesichts von negativen Signalen und der Aufforderung nachzubessern, wird erwartet, dass Premiere-Chef Dr. Georg Kofler noch einmal deutlich drauf gelegt hat.

Die ARD, die bislang 60 Millionen Euro zahlte, hat ihr Angebot auf rund 80 Millionen aufgestockt und will die Bundesliga am Samstagabend weiter zur gewohnten Zeit zeigen. Dass man das Angebot bis zum Ablauf der Frist noch einmal erhöht hat, gilt als unwahrscheinlich. "Ein dreistelliger Millionenbetrag wäre politisch nicht darstellbar", hieß es aus ARD-Kreisen.

Die Öffentlich-Rechtlichen kämpfen mit allen Mitteln gegen mehr Exklusivität für Premiere. Mit einer „Werberoadshow“ war die ARD bei Fußballvereinen und Sponsoren auf Überzeugungstour gegangen. Hauptargument: Bei Premiere würden auch die Sponsoren nicht mehr so viele Zuschauer erreichen, was den Vereinen finanziell schaden könnte.

Schon jetzt ist aber klar, dass der Profi-Fußball vom 1. Juli 2006 bis 30. Juni 2009 mit deutlich mehr Geld aus der TV-Vermarktung rechnen kann. Konnten beim letzten Vertragsabschluss auf Grund der Kirch-Krise gerade einmal 300 Millionen Euro pro Jahr erzielt werden, gelten diesmal 400 Millionen Euro plus X als Richtschnur und dürften am Ende durch die aufgestockten PayTV-Gebote deutlich übertroffen werden.

Sicher ist eins: Die DFL zieht an diesem Mittwoch einen Schlussstrich unter das umfangreichste und komplizierteste Bieterverfahren, das es bislang in der deutschen Fernsehlandschaft gegeben hatte. Insgesamt 233 Einzelpakete hatte die DFL ausgeschrieben; zu allen gingen mehrere Offerten ein. 35 Firmen hatten die Unterlagen angefordert, 18 waren bis zum Ende dabei.

Es ging um die Rechte an der ersten und zweiten Bundesliga und dort um die Rechte für Live-Spiele sowie Zusammenfassungen. Darüber hinaus konnte für die Auslandsvermarktung, Dritt- und Viertrechte, für die Internetverwertung und mobile Rechte geboten werden. Die einzelnen Angebot waren in mehr als 1000 Segmente aufgesplittet. Der besondere Kniff bei der Ausschreibung war, dass die Pakete oft nur Rechte-Häppchen enthalten hatten. Wer ein großes Ganzes will, muss also mehrere Pakete erwerben.

Am 1. Dezember war die Frist für die Abgabe der Gebote abgelaufen. Erst am Dienstagnachmittag wurde der achtköpfige DFL-Vorstand informiert. Dieser war zwar offenbar über die Angebotspalette und die Höhe der Gebote informiert, kannte allerdings nicht die Unternehmen hinter den jeweiligen Offerten. Denn: Jedes Angebot wurde per Buchstaben-Zahlencode verschlüsselt - strengste Geheimhaltung war oberstes Gebot.


 
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