Schmidt wechselt den Sender: Entspannt erst am Ende
VON BARBARA GROFE - zuletzt aktualisiert: 20.04.2007 - 07:44Düsseldorf (RPO). Wirklich entspannt wirkt er erst, als die ersten Takte der Schlussmelodie erklingen. "Geht doch", sagt Harald Schmidt dann, dreht sich zu Claus Kleber und lacht. Der Late-Night-Talker war gestern Aushilfsmoderator des "heute journals". Sichtbar ungewohntes Terrain für Schmidt, der sich in seiner ARD-Sendung um den Job als Urlaubsvertretung "beworben" hatte.
21.45 Uhr, das "heute journal" beginnt. Schmidt unterhält sich mit Claus Kleber. Die Musik fährt ab und Schmidt schaut recht zerknittert in die Kamera. Auftritte beim "Traumschiff" oder "Unser Charly" mögen zwar eine willkommene Abwechslung sein, dürften aber nur mäßig gut auf die Moderation einer Nachrichtensendung vorbereiten. Und auch wenn an diesem Tag einiges anders ist als sonst: Es heißt trotzdem schlicht "Das ,heute journal' mit Claus Kleber und Gundula Gause". Nicht mit Harald Schmidt.
Ganz lange ist dann nichts von dem ehemaligen Moderator von "Schmidteinander" oder "Verstehen Sie Spaß" zu sehen. Claus Kleber sagt Berichte über Wolfgang Schäuble an und den Amoklauf von Virginia, Gundula Gause befasst sich mit Oettinger und Christian Klar. Erst um kurz nach 22 Uhr wird Schmidt das erste Mal thematisiert.
"Wir haben einen Nachfolger für die Urlaubsvertretung gesucht", sagte Kleber, "und das hat jemand gehört, mit dem wir nicht gerechnet hatten." Sprechen darf er dann dennoch noch nicht, "wir haben gleich noch einen schönen Beitrag für Sie - und natürlich die Verabschiedung", tröstet Kleber.
"Oh", macht Schmidt, der in der für ihn typischen Haltung (den rechten Ellenbogen auf dem Tisch, den linken Arm ausgestreckt und die Hand flach auf dem Nachrichtenpult) da sitzt und verzieht kurz erstaunt das Gesicht.
Als er dann endlich an der Reihe ist, wirkt Harald Schmidt alles andere als locker. Er starrt in die Kamera, gestikuliert. Er schiebt die linke Augenbraue runter, die rechte hoch. Vielleicht ist das das Empathie-Gesicht.
Schließlich spricht Schmidt über einen Film, der von vier Hochstaplern handelt, die es wirklich gegeben hat. Jeder kenne ja wohl das Gefühl, wenn ein mittelloser Student vor der Tür stehe, einen etwas unterschreiben ließe und man dann statt der versprochenen Waschmaschine einen neuen Lebensgefährten hat.
Lustig macht er sich nicht, ganz ernst meint er die Nummer anscheinend aber auch nicht. "Sabine Schmitt über ,Die Hochstapler'", sagt er. Seine Stimme wird noch ein bisschen tiefer, das Gesicht noch ein bisschen wichtiger.
Dann ist alles vorbei. "Und das war's von uns, hier im ZDF", darf Schmidt wie versprochen verabschieden. Kurz, bevor die ersten Takte der Schlussmelodie erklingen.
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