"Tatort" aus Stuttgart: Ermittlungen in der heimlichen Parallelgesellschaft
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 15.11.2010 - 11:43Düsseldorf (RPO). In einem spannenden und bewegenden "Tatort" mussten die beiden Stuttgarter Kommissare eine Entscheidung treffen: Sollen sie nach dem Gesetz vorgehen oder nach ihrem Gewissen? Denn das Opfer ihres Mordfalles lebt illegal in Deutschland. Der Krimi handelt in einer deutschen Parallelgesellschaft - und die war keinesfalls fiktiv.
Eine Frau wird erwürgt an einem See gefunden - doch es fehlt jeder Hinweis auf ihre Identität. Bei den Ermittlungen finden Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) heraus, dass die Frau Taya heißt und aus der Ukraine stammt. Sie lebt illegal in Deutschland. Trotzdem zieht sie zwei Kinder groß, die auch zur Schule gehen - nur mit Geheimnissen und äußerster Vorsicht lässt sich dieses Leben aufrechterhalten.
Ausbeutung der Illegalen
Die Schilderungen der verborgenen Welt der illegal in Deutschland lebenden und arbeitenden Menschen macht den Tatort "Die Unsichtbare" so eindringlich. Regisseur Johannes Grieser lässt gibt den Zuschauer Einblicke in die widrigen Lebensumstände und Schicksale dieser Menschen, die zudem noch häufig von ihren Arbeitgebern ausgebeutet werden.
Die Kommissare bekommen sich bei den Ermittlungen auch in die Haare: Lannert versucht, seine Zeugin, eine weitere Illegale, zu schützen. Und Bootz ist angesichts des mangelnden Vertrauens seines Kollegen erbost. Doch immer wieder müssen sich die Polizisten entscheiden: Sollen Sie nach Recht und Gesetz handeln oder nach ihrem Gewissen? Denn das einzige, was sich die Illegalen in der Regel zu schulden haben kommen lassen, ist ihr Aufenthalt in Deutschland.
Kinder auf der Flucht
Ganz nah rückt das Thema durch die beiden kleinen Kinder des Opfers. Als sie vom Tod ihrer Mutter erfahren, flüchten sie. Die beiden haben Angst vor der Abschiebung in ein Land, das sie nur aus Erzählungen kennen. Doch die kleine Ella ist lebensbedrohlich erkrankt. Sie benötigt dringend Medikamente. Und dann ist ihnen auch noch der Mörder ihrer Mutter auf den Fersen. Als Zuschauer bangt man mit den Kindern, deren heimliches Leben einem zu Herzen geht.
Die Aufklärung des Falls zeigte außerdem, wie leicht die Illegalen zu Freiwild werden können. Sie sind dem Wohlwollen der Menschen, die von ihnen wissen, schutzlos ausgeliefert.
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