Veronica Ferres im Interview: "Es ist eine große Freude, schön zu sein"
VON DAS INTERVIEW FÜHRTE CORDULA HUPFER - zuletzt aktualisiert: 28.11.2007 - 11:09Düsseldorf (RP). Zuletzt konnten Fernsehzuschauer Veronica Ferres in dem Zweiteiler "Die Frau vom Checkpoint Charlie" sehen. Derzeit steht die Schauspielerin in Afrika vor der Kamera. Zur Bambi-Verleihung wird sie in Düsseldorf sein. Für sie ist das Event ein Klassentreffen.
Sie machen Werbung für Kosmetik. Ist es nicht ungeheuer anstrengend, ständig schön sein zu müssen?
Ferres: Es ist kein Müssen, es ist eine große Freude, etwas für sich zu tun. Das fängt bei der Pflege an. Natürlich haben wir Frauen das große Vergnügen, dass wir uns durch Make up und schöne Kleider verwandeln können. Und ich mag dieses Spiel des Facettenreichtums und der Vielfältigkeit auch ab und zu sehr gerne, aber genauso mag ich es, in Jeans, T-Shirt und richtig bequemen Turnschuhen zum Bäcker zu gehen.
Sie gelten für viele Frauen als Vorbild in Sachen Kleidung und Styling. Beruht beides auf Ihrem persönlichen Geschmack oder haben Sie einen Berater?
Ferres: Ich bin ich - Authentizität ist einer meiner Grundsätze. Als Schauspielerin liebe ich es, andere Frauen zu spielen und ganz in ihre Charaktere zu schlüpfen. Aber wenn die Kamera nicht läuft, lege ich großen Wert drauf, dass ich selbst entscheide, was ich anziehe und wie ich mich wann geben möchte. Aber natürlich ist es immer schön, dass ich an den verschiedenen Sets ganz hervorragende Stylisten habe, die ich gerne auch mal nach einem Tipp frage.
Welches Etikett nervt Sie mittlerweile mehr: „Superweib” oder „Muttertier” (las man hin und wieder nach der Ausstrahlung von „Die Frau vom Checkpoint Charlie”)?
Ferres: Keines von beiden. Man braucht eine dicke Haut, was „Etiketten“ betrifft, und das einzige was zählt, ist die Qualität der Arbeit.
Wie schaffen Sie es bei all der Arbeit, dass Ihre Tochter nicht zu kurz kommt?
Ferres: Ich mache ganz bewusste Auszeiten und arbeite höchstens sechs von zwölf Monaten im Jahr.
Sie engagieren sich sehr für missbrauchte Kinder. Wie kam es dazu?
Ferres: Die Organisation Power-Child e.V. wurde 2002 von meinem Mann gegründet und ich wollte mitarbeiten und die Schirmherrschaft übernehmen, weil uns Therapeuten klargemacht haben, dass missbrauchte Kinder keine Stimme in unserer Gesellschaft haben und es sehr wichtig ist, das Thema zu enttabuisieren. Sexuelle Übergriffe nehmen zu, darum ist die Aufklärung wichtig. Wir haben es uns zum Ziel gemacht, Kinder stark zu machen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, so dass sie Nein sagen können. Mittlerweile haben die Projekte des Power-Child e.V. mehr als 2,6 Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene erreicht.
Brad Pitt hat jüngst in einem Interview mit Blick auf sein Engagement für Afrika gesagt: „Stardom oblige”, Starsein verpflichtet. Ist das auch Ihre Auffassung?
Ferres: Da kann ich nur zustimmen. Wenn alle Menschen, die etwas haben und auf der Sonnenseite des Lebens stehen, ein bisschen was abgeben würden, dann würde es auf unserer Welt viel weniger Leid und Elend geben. Ich gebe sehr gerne und teile für mein Leben gerne. Ich denke das ist auch unsere Pflicht, die wir als Menschen haben. Nach uns kommt nicht die Sintflut und es ist auch nicht egal, was mit unserer Welt passiert. Viel Unglück geschieht gerade auch deswegen, weil in unserer Gesellschaft mittlerweile die „Wegschau-Mentalität“ sehr verbreitet ist. Aber man muss auch gerade mal hinschauen, um Not erkennen zu können. Und hinschauen ist schon der erste Schritt zur Hilfe.
Bei so viel Einsatz müsste Ihnen eigentlich bald das dritte Bambi verliehen werden...
Ferres: Ich schätze mich als zweifache Bambi-Preisträgerin schon sehr, sehr glücklich und es gibt noch viele weitere Menschen und unbekannte Helfer, die ein Bambi mehr als verdient hätten.
Apropos: Wo stehen Ihre beiden Bambis? Im Wohnzimmer oder im Zimmer Ihrer Tochter?
Ferres: Weder noch. Meine beiden Bambis stehen auf einem Ehrenplatz in meinem Arbeitszimmer.
2006 haben Sie dem inzwischen verstorbenen Künstler Jörg Immendorff ein Bambi in seinem Düsseldorfer Atelier überreicht. Ein besonderer Moment auch für Sie?
Ferres: Zweifelsohne ist dies einer der Momente, die ich niemals vergessen werde. Mein Mann und ich hatten das Glück, eine sehr lange und immer tiefer gehende Freundschaft mit Jörg Immendorff und seiner Frau Oda Jaune genießen zu dürfen. Als ich ausgewählt wurde, ihm das Bambi übergeben zu dürfen, da er schon zu schwach war, um bei der Bambi-Verleihung teilzunehmen, war dies für mich fast eine größere Ehre als der Gewinn meiner beiden Bambis. Ich habe vor Jörg Immendorff und seinem Schaffen den allergrößten Respekt. Er war ein großer Künstler und ein großer Mensch und wir vermissen ihn jeden Tag.
Auf welchen Kollegen freuen Sie sich bei der Bambi-Gala 2007 besonders?
Ferres: Ich freue mich jedes Jahr immer sehr auf die Bambi-Verleihung. Der Event ist meistens ein bisschen wie ein großes Klassentreffen und ein Treffen unter Freunden in entspannter und schöner Atmosphäre. Ich freue mich auf jeden Kollegen sehr, aber ganz speziell freue ich mich dieses Jahr auf Armin Müller-Stahl.
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