Gottschalk lockt mehr Zuschauer als RTL: "Eure Scheiße können wir schon lange"
zuletzt aktualisiert: 25.01.2009 - 20:21Stuttgart (RPO). So eklig war "Wetten, dass..?" noch nie. Die Kandidaten bei Thomas Gottschalk schnüffelten am Samstagabend an dampfendem Kot und befummelten Mausefallen mit der Zunge. Wohl kein Zufall, liefen zur gleichen Zeit doch "DSDS" und Dschungelcamp bei Mitbewerber RTL. Gottschalk bewies Selbstironie und freut sich jetzt über eine gute Quote.
"Wir laufen direkt gegen das Dschungelcamp - eure Scheiße können wir schon lange", schmunzelte der Entertainer angesichts der Wette von zwei Tierpflegern, die Ausscheidungen von Zootieren am Geruch unterscheiden wollten. "Wetten, dass..?" setzte offen auf Ekelwetten, um sich gegen RTL zu behaupten. Eine Rechnung, die zumindest teilweise aufging.
Die CSU-Politikerin Angelika Niebler, Mitglied im ZDF-Fernsehrat, beschwerte sich laut "Münchner Merkur" in einem Brief an ZDF-Intendant Markus Schächter über "TV Widerlich und eine derartige Kulturlosigkeit". So etwa gehöre nicht ins deutsche Fernsehen und schon gar nicht ins Öffentlich-Rechtliche. Niebler will der Zeitung zufolge diesen "Verfall der guten Sitten" im Fernsehrat ansprechen und forderte Schächter auf, das Thema in den Leitungsgremien des Senders aufzugreifen.
"Zum ersten ist es sehr erfreulich, dass eine Europaabgeordnete sich die Zeit nimmt, Wetten dass..? zu gucken", konterte Gottschalk auf dem Online-Portal Bild.de. Ihre Forderungen ans öffentlich-rechtliche Fernsehen deckten sich exakt mit seinen. Nur "im Kot-Bereich" gingen sie offensichtlich auseinander. "Denn wenn bei zwei Tierpflegern die Liebe zu ihren Schutzbefohlenen soweit geht, dass sie sogar deren Dung am Geruch erkennen können, ist das ein beruflicher Einsatz, den auch eine Europaabgeordnete anerkennend zu Kenntnis nehmen sollten."
Insgesamt verbuchte die Wettshow allein in Deutschland rund 10,63 Millionen Zuschauer und damit einen Marktanteil von 33,4 Prozent. RTL kam nach eigenen Angaben mit der parallel startenden Talentsuche "Deutschland sucht den Superstar" auf 17,1 und dem darauf folgenden Finale der Dschungelshow auf 24,4 Prozent. Im Rennen um die Gunst der jungen, werberelevanten 14- bis 49-Jährigen musste sich Gottschalk allerdings laut RTL geschlagen geben. Daran konnte weder der Ekelfaktor noch Weltstar Tom Cruise etwas ändern.
Cruise, der zurzeit in Europa seinen Film "Operation Walküre" bewirbt, hatte einen Zwischenstopp in Offenburg gemacht und sich mit seinem deutschen Filmpartner Christian Berkel zu Gottschalk auf die Wettcouch gesetzt. In dem Film, der seit Donnerstag in den Kinos zu sehen ist, spielt Cruise den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Vorwürfe, der Film sei historisch ungenau, und Cruises Mitgliedschaft in der Sekte Scientology hatten vor dem Start immer wieder heiße Debatten ausgelöst. Doch Gottschalk, ganz der nette Gastgeber, kostete diese Brisanz nicht aus. Auch als der Showmaster über die politischen Unterschiede von Deutschland und den USA debattieren wollte, blieb es beim Versuch. So gestaltete sich das Gespräch recht unspektakulär. Die Fernsehzuschauer sahen einen bescheidenen, freundlichen und politisch korrekten Herrn Cruise.
Dschungelcamp als Witzelieferant
Das Dschungelcamp lieferte Gottschalk dagegen zahlreiche Steilvorlagen. Vor allem Entertainerin Désirée Nick eignete sich für derartige Scherze bestens, trug sie doch einst den Titel der Dschungelkönigin. "Das Fegefeuer gehört zum Weg der Erlösung", sinnierte Gottschalk im Hinblick auf diesen Teil von Nicks Vergangenheit. Sie und der Komiker Michael Mittermeier hauchten der sonst ziemlich faden Runde in der Sofaecke ein wenig Leben ein.
Zuvor hatten dort ARD-Moderator Jörg Pilawa, Model und Mick-Jagger-Ex Jerry Hall sowie das 16-jährige Nachwuchsmodel Toni Garrn Platz genommen. Als Mittermeier in seinem kurzen Comedy-Stand-up schließlich doch noch Witze auf Kosten von Scientologe Tom Cruise machte, hatte dieser in Begleitung von Schwimm-Olympionikin Britta Steffen den Saal bereits verlassen.
Mit Zungenspitzengefühl zum Wettkönig
Mittermeier stand schließlich für die Wette Pate, auf die Gottschalk nach eigener Angabe "seit Jahren" wartete. Die Tierpfleger Claudia Dittel und Maik Wilsmann mussten erraten, von welchen von insgesamt 33 Tieren der aufgetischte Kot stammt. "Frisch abgekotet", versprach Gottschalk und servierte den Stuhlgang auf einem silbernen Tablett. Obwohl die Kandidaten alles "errochen", reichte es für sie ebenso wenig zum Titel des Wettkönigs wie für Skilangläufer Peter Schlickenrieder. Der Olympia-Medaillen-Gewinner von 2002 siegte in der Außenwette in Sölden im Wettlauf gegen einen Pistenbully.
Wettkönig aber wurde Harald Ebenhöch, der mit der Zunge Süßstofftabletten aus gespannten Mausefallen herausspitzelte. "So nehmen Masochisten Viagra", witzelte Gottschalk. Die Zuschauer honorierten so viel Zungenspitzengefühl, und so landete Ebenhöch knapp vor den Kandidaten Ulrich Weller und Steffen Schlüter, die über Ohrenwackeln miteinander kommunizierten.
Die Wetten stahlen den Prominenten an diesem Abend eindeutig die Schau. Den Eindruck konnten auch die guten Musik-Auftritte von Alt-Rocker und "Wetten, dass?"-Dauergast Peter Maffay, Sänger Seal und insbesondere der britischen Band Coldplay nicht ausbügeln. Bedanken musste sich Thomas Gottschalk am Ende bei Magnus Johannes Großmann.
Der ausgeflippte Theologie-Student lief schneller auf allen Vieren als die herausgeforderten Offenburger und gewann die Saalwette. Somit blieb es dem Moderator erspart, in ein enges rosafarbenes Kostüm zu schlüpfen, um zusammen mit den Karnevalisten des schwulen Vereins "Rosa Funken" ein Tänzchen hinzulegen.
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