Nach Rauswurf bei Kerner: Eva Hermans Verleger: "Das ist der Super-Gau"
zuletzt aktualisiert: 12.10.2007 - 10:46Hamburg (RPO). Dass sich ein Verlag von seinen Autoren distanziert, kommt verständlicherweise höchst selten vor. Und schon gar nicht während der Frankfurter Buchmesse. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Eva Hermans Verleger Christian Strasser übt jetzt nicht nur Kritik an ihr, er spricht sogar von einem "Super-Gau".
"Das ist die größte Katastrophe in meinen 40 Jahren als Verleger", wird Strasser zitiert. "Ich bin bestürzt von diesem Auftritt", urteilt der Inhaber des Pendo-Verlags über das, was Herman in der Talkshow von Johannes B. Kerner abgeliefert hat.
Der Norddeutsche Rundfunk und seine Ex-Moderatorin Herman werden in einigen Wochen vor Gericht wieder aufeinander treffen. Für den 29. November sei ein Termin zwischen dem Sender und der wegen ihrer NS-Äußerungen umstrittenen Herman anberaumt, sagte eine Sprecherin des Arbeitsgerichts Hamburg am Donnerstag.
Dabei sollen sich beide Seiten um eine gütliche Einigung bemühen. Die frühere "Tagesschau"-Sprecherin hatte gegen ihre Kündigung geklagt. Die konservative Hamburger Zentrumspartei bot der 48-Jährigen derweil eine Kandidatur bei der Bürgerschaftswahl im Februar an.
"Sie spricht vielen aus dem Herzen"
Er würde sich "außerordentlich freuen, mit Frau Herman zusammenzuarbeiten" und habe sie schon kontaktiert, sagte der Landesvorsitzende Dirk Nockemann der Zeitung "Die Welt". "Wenn Frau Herman für uns in die Hamburgische Bürgerschaft einziehen würde, müssten die Leute ihr zuhören", fügte er hinzu.
Nockemann ist ein ehemaliger Parteigänger des Rechtspopulisten Ronald Schill und früherer Hamburger Innensenator. Nach seiner Auffassung spricht Herman "vielen Bürgern aus dem Herzen". Eine Sprecherin der 48-Jährigen wollte sich im Gespräch mit der selben Zeitung nicht zu dem Angebot äußern.
Ein Sprecher des NDR sagte, dem Arbeitsgerichtsverfahren gegen Herman sehe der Sender nach wie vor sehr gelassen entgegen. Der NDR hatte sich nach deren umstrittenen Äußerungen zur Familienpolitik der Nazis vor einem Monat von seiner freien Mitarbeiterin getrennt.
Einer von der rechtsextremen DVU für das Wochenende geplante Demonstration unter dem Motto "Meinungsfreiheit für Eva Herman" wurde inzwischen ein Riegel vorgeschoben. Die drei in der Hamburger Bürgerschaft vertretenen Fraktionen von CDU, SPD und Grüner Alternativer Liste (GAL) wollen sich nach GAL-Angaben am Samstagmittag zu einer gemeinsamen Fraktionssitzung zum Thema Rechtsextremismus treffen.
Dadurch gilt für den ursprünglich geplanten Kundgebungsort vor dem Rathaus ein "Bannkreis". Einen Antrag der DVU auf einstweilige Anordnung einer Ausnahmegenehmigung lehnte das Verwaltungsgericht ab. Herman hatte sich nach Presseberichten juristisch gegen eine Vereinnahmung durch die DVU gewehrt.
In der Diskussion um den umstrittenen Auftritt der Ex-Moderatorin bei Kerner forderte der Zentralrat der Juden in Deutschland die Rückkehr zu einer sachlichen Auseinandersetzung über Familienwerte. Es gehe darum, "krude Vergleiche mit einer angeblich 'erfolgreichen Familienpolitik des NS-Regimes' aus der Diskussion herauszuhalten", sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, "Netzeitung.de". Herman habe sich durch "ihre völlig deplatzierten Vergleiche" selbst entlarvt und "noch mehr verstrickt".
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