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"Voyeur-Show": Experte: Sechste Staffel von "Big Brother" wird Höhepunkt des Trash-TV

zuletzt aktualisiert: 22.02.2005 - 15:23

Saarbrücken (rpo). RTL 2 übertrifft sich selbst mit immer "kreativeren" "Big-Brother"-Ideen. Am Dienstag, 1. März, startet die sechste Staffel der Show, diesmal mit 16 Kandidaten und prinzipiell "open end". Gerd Bauer, Direktor der Landesmedienanstalt Saarland (LMS), erwartet einen "neuen Höhepunkt des Trash-Fernsehens in Deutschland". Er fordert die Zuschauer auf, sich zu beschweren.

<P>Tatjana Gsell ist am Donnerstagabend in den Container eingezogen. Foto: RPO

Neben der täglichen Ausstrahlung auf RTL 2 sind erneut zusätzliche Verwertungen des Sendematerials bei anderen Sendern, zum Beispiel bei Premiere, abzusehen. 100 Kameras sollen die Kandidaten in einem rund 5.000 Quadratmeter großen Areal ständig beobachten, heißt es. Als Teilnehmer der Endlos-Staffel hätten sich 26.000 Personen beworben.

Bauer erwartet, dass die "Voyeur-Show" sich in der Gestaltung "an der Grenze des rundfunkrechtlich Zulässigen" bewegen werde. Letztlich entscheide die "Akzeptanz der Fernsehzuschauer" über die Fortsetzung oder Absetzung solcher Fernseh-Formate.

Zuletzt war die Reality-Show "Die Burg" bei ProSieben vom Publikum nicht angenommen worden, weswegen der Sender das Format nicht fortsetzen will. Bauer hält es deshalb für "bemerkenswert, dass die Zuschauer mittlerweile ein besseres Gespür für Qualitätsfernsehen beweisen als einige der professionellen Produzenten".

Über ihr Online-Beschwerdeportal www.programmbeschwerde.de erfahre die LMS "immer wieder von Überdruss und Verärgerung des Publikums, das als einzige Einflussmöglichkeit die Fernsehabstinenz" sehe. "Big Brother" gleich auf mehreren Kanälen verringere aus Sicht der Zuschauer die Programmvielfalt und führe zu einem "Ansehensverlust des Mediums insgesamt", beklagt der Medienwächter.

Medienethisch stelle sich die Frage, welche Einstellungen zur persönlichen Integrität, zum Schutz der Intimität vor Kommerzialisierung und zum Eingriff in die Biografien der Mitspieler durch "Big Brother" transportiert würden. Die Gesellschaftsverträglichkeit einer Fernsehsendung dürfe nicht erst diskutiert werden, wenn es erneut zu Grenzüberschreitungen "durch übermäßige Sexualisierung, das Vorführen von Kleinkindern oder gar 'Judenwitzen'" gekommen sei.

Vielmehr sei es notwendig, auch die Zuschauer am öffentlichen Diskurs über ihr Medienumfeld zu beteiligen. Deshalb biete das Portal www.programmbeschwerde.de ein Forum zu "Big Brother" an, in dem das kritische Publikum seine Meinung äußern und seinen Qualitätsanspruch artikulieren könne, so die LMS.

Quelle: afp

 
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