Bewährte Schauspieler unter den Besten: Fernsehpreis: Carrell geht in die Knie
zuletzt aktualisiert: 28.09.2003 - 10:31Köln (rpo). Harald Schmidt hat seinen dritten Deutschen Fernsehpreis bekommen, Günther Jauch seinen zweiten. Besondere Freude zeigte Rudi Carell über seine Auszeichnung, ihn verschlug es glatt auf den Boden. Spannung gab es in der "Königskategorie".
Jauch bekam aber nicht irgendeinen, sondern den erstmals von den Zuschauern vergebenen Publikumspreis. Der 47-jährige Moderator nahm den "Preis der Herzen" (RTL) auf seine lakonische Art entgegen: "Ein schöner Abend, Dankeschön. Jurys kann man ja beschimpfen, beim Publikum fällt es schwer." Der ungekrönte Publikumsliebling Rudi Carrell dagegen dankte für seinen Ehrenpreis, den ihm RTL, ARD, Sat1 und ZDF zuerkannten, dem Publikum mit einem Kniefall für 50-jährige Treue.
Spontan war das allerdings nicht, wie Carrell sogleich dem Moderator des Abends, ebenfalls Günther Jauch, verriet. Er zog ein Hosenbein hoch und zeigte, dass er Knieschoner trug. Mit Selbstironie hatte der Showdinosaurier seine Dankesrede eingeleitet: "Als ich ein kleiner Junge war und sagte 'Ich möchte Komiker werden', haben alle gelacht. Heute lacht keiner mehr."
"Geil! Ja! Rock'n'Roll!"
Die größte Begeisterung über seine Auszeichnung zeigte Atze Schröder. "Alles Atze" siegte in der neuen Kategorie "Beste Sitcom". Er sprang in die Luft und rief ins Publikum: "Geil! Ja! Rock'n'Roll! Ich liebe euch! Dankeschön! Ich flipp aus!" Und zur Jury sagte er: "Endlich habt ihr den richtigen Schröder gewählt."
Für die größten Lacher beim Deutschen Fernsehpreis haben früher Anke Engelke und Hape Kerkeling mit gegenseitigen Kussattacken gesorgt. Auf eine Fortsetzung musste das Publikum diesmal verzichten; die Komikerin hatte ihren Auftritt kurzfristig abgesagt. Und die Auszeichnung von "Deutschland sucht den Superstar" als beste Unterhaltungssendung ging ohne Dieter Bohlen über die Bühne. Dass die RTL-Sängerauslese das Rennen machen würde, war keine Überraschung.
Spannung im der "Königskategorie"
Spannend wurde es schon eher in der "Königskategorie" des Deutschen Fernsehpreises. Im Wettbewerb um den Besten Fernsehfilm gewann der ZDF-Krimi "Unter Verdacht - eine Landpartie" gegen die zwei Familiendramen "Schwabenkinder" und "Mit dem Rücken zur Wand". Die Jury begeisterte sich über "brillante Bücher" - der Autor der "Landpartie", Alexander Adolph, erhielt einen eigenen Fernsehpreis - und "exzellente Darsteller" wie Senta Berger als Kriminalrätin Eva Maria Prohacek, die gegen Korruption und Machtmissbrauch im Inneren des Beamtenapparats ermittelt.
Besonders begeisterten Applaus erntete Edgar Selge für seine Auszeichnung als bester Schauspieler Fernsehfilm. In der Rolle des einarmigen Kriminalhauptkommissars Jürgen Tauber im "Polizeiruf 110" (ARD) habe Selge eine ganz eigene Figur kreiert, hieß es zur Begründung: "den Kommissar, dem man in die Seele blickt". Selge sagte: "Ich freu mich ganz wahnsinnig, auch wenn's nicht so aussieht." Die beste Schauspielerin Ulrike Krumbiegel beeindruckte die Jury mit dem Porträt einer eigensinnigen und anrührenden Einzelgängerin. In dem SWR-Film "Geschlecht: weiblich" spielt sie eine an Krebs erkrankte Powerfrau authentisch und charakterstark.
Qualität hält stand
RTL-Chef Gerhard Zeiler betonte, das deutsche Fernsehen könne "ein ganzes Stück stolz darauf sein, dass die Qualität dem Vergleich mit anderen Ländern standhalte. Wegen zurückgegangener Werbeeinnahmen habe man manches Projekt aufschieben müssen. "Aber in puncto Kreativität, Engagement und Leidenschaft, da hat's keine Krise im deutschen Fernsehen gegeben", lobte Zeiler. Von seinem Sender kommt die beste Serie: "Abschnitt 40" über den realen Polizei-Alltag und die beste tägliche Sendung "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", deren "absoluter Kultstatus" auch die Jury überzeugte.
In der Konkurrenz um die beste Moderation Information gewann RTL-Nachrichtenmoderator Peter Kloeppel. Er erinnerte daran, dass man ihm früher vorgeworfen habe, er sei zu jung und habe keine grauen Haare. Jetzt ist er länger an seinem Platz als seine Konkurrenten um den Deutschen Fernsehpreis, Claus Kleber und Marietta Slomka vom ZDF sowie Frank Plasberg von der WDR-Sendung "Hart aber fair". Kloeppel bedankte sich "bei allen, die dafür gesorgt haben, dass ich keine grauen Haare bekommen habe".
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