Reich-Ranickis Fernseh-Schelte: Fernsehpreis-Jury weist Kritik zurück
zuletzt aktualisiert: 16.10.2008 - 16:32Köln (RPO). Die Jury des Deutschen Fernsehpreises hat die Kritik des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki zurückgewiesen und ihre Auszeichnungen verteidigt.
"Qualität meint in einem Fernsehfilm etwas anderes als in einer Fernsehshow, ist in einer Auslandsreportage etwas anderes als in einer Comedy. Das Gute zeigt sich eben nicht allein im Ernsten und Erhabenen, sondern zuweilen auch in intelligent unterhaltendem 'Blödsinn'", heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme.
Reich-Ranicki hatte den Ehrenpreis der Stifter ARD, ZDF, RTL und Sat.1 abgelehnt und erklärt, er gehöre nicht in die Reihe der Preisträger, nachdem er so "viel Blödsinn" gesehen habe.
Die Jury teilte mit, es gehöre zu den ungeschriebenen Regeln des Deutschen Fernsehpreises, dass sie ihre Wahl nicht kommentiere. "Aus gegebenem Anlass scheint es uns aber geboten, Vorgehensweise und Kriterien der Preisfindung zu erläutern: Die Jury tritt in jedem Fernsehjahr an, in der umfänglichen Programmauswahl künstlerische und produzentische Leistungen zu finden und auszeichnen, die in ihrem jeweiligen Fach herausragend, also von besonderer Qualität sind."
Voraussetzung eines jeden Qualitätsurteils sei die gründliche Kenntnis seines Gegenstandes. "Es mag sein, dass sich einzelne Leistungen in den kurzen Ausschnitten, die während einer Preisverleihung wie dieser gezeigt werden können, nicht vollends erschließen", räumte die Jury ein. Sie sei aber sicher, dass diese in allen in diesem Jahr prämierten Originalbeiträgen leicht erkennbar sei. "Sie lädt Herrn Reich-Ranicki dazu ein, sich hiervon selbst zu überzeugen."
Die Jury besteht aus Dieter Anschlag (Chefredakteur "Funkkorrespondenz"), Christian Becker (Produzent), Bettina Böttinger (Moderatorin und Produzentin), Lutz Carstens (Chefredakteur "TV Spielfilm"), Miriam Meckel (Professorin für Kommunikationsmanagement), Heike Richter-Karst (Produzentin), Barbara Schöneberger (Moderatorin), Sophie von Kessel (Schauspielerin) und Klaudia Wick (Journalistin).
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