Bach erwartet "beträchtliche Steigerung": Fernsehrechte für Olympia 2010/2012 vor Vergabe
zuletzt aktualisiert: 30.01.2004 - 16:49Lausanne (rpo). Bereits am 23. April in Lausanne könnten die europäischen Fernsehrechte für die Olympischen Spiele 2010/2012 vergeben werden, wenn es nach dem Internationale Olympische Komitee (IOC) ginge.
Dies hat IOC-Vizepräsident Thomas Bach gegenüber dem sid klargestellt. Der Tauberbischofsheimer erwartet dabei eine "beträchtliche Steigerung" der Einnahmen im Vergleich zu den Spielen 2006/2008, deren Rechte die EBU für 578 Millionen Dollar erwoben hatte.
Am Donnerstag hatte die TV-Kommission den Grundsatzbeschluss gefasst, sich bei der Vergabe alle Optionen offen zu halten. Damit bekommt die EBU, der auch ARD und ZDF angehören, erstmals ernsthafte Konkurrenz. Sie konnte bisher alle Olympischen Spiele exklusiv in Europa ausstrahlen.
Bach wurde von IOC-Präsident Jacques Rogge mit der Leitung der Verhandlungen betraut. "Wir erwarten bis zum 23. April, wenn die Kommission erneut tagt, zuschlagfähige Angebote aller Bewerber", betonte er. Ob dann ein "Finalisten-Kreis" bei dem Treffen seine Angebote nochmals erläutern kann, werde man nach Sichtung der Offerten entscheiden. Neben dem Preis werde auch die Qualität ein entscheidendes Kriterium sein.
Zum 1. März erhalten alle Bewerber die IOC-Ausschreibung für die Europa-Rechte der Winterspiele 2010 in Vancouver und der Sommerspiele 2012 (Vergabe Mitte 2005). Dabei werden erstmals nicht nur Interessenten wie die EBU berücksichtigt, die den gesamten Kontinent im Paket abdecken können, sondern auch nationale oder multinationale Anstalten. Bach: "Somit ist auch eine Kombination von Konzernen und nationalen Sendern denkbar."
Er sehe nach Vorgesprächen mit Interessenten aus zwei Gründen "das Potenzial für eine beträchtliche Steigerung", sagte der IOC-Vize. Die Spiele würden zum einen als absolutes Premiumprodukt angesehen, zum anderen biete die Digitalisierung dem Fernsehen künftig viel größere Möglichkeiten der Verwertung: "Bei Olympia werden rund 4000 Stunden aufgezeichnet, bisher konnten die Sender davon nur etwa 300 Stunden live nutzen, mit mehreren Digitalkanälen wird es ein Vielfaches." Eine Preis-Prognose wollte er nicht abgeben.
Die Aufwärts-Entwicklung hatte sich bereits auf dem US-Markt bemerkbar gemacht. Die dortigen TV-Rechte für 2010/12 waren bereits Mitte letzten Jahres für die Rekordsumme von 2,2 Milliarden Dollar an NBC gegangen, das für die Spiele 2006/08 "nur" 1,5 Milliarden gezahlt hatte.
Das Interesse der europäischen Sender dürfte auch deshalb besonders stark sein, weil sich der alte Kontinent gute Chancen ausrechnen kann, Austragungsort der Sommerspiele 2012 zu werden. Unter anderem sind Paris, London, Madrid und Leipzig als Bewerber angetreten.
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