Premiere - "Hart aber fair": Frank Plasberg ohne Mühe
VON RAINER KURLEMANN - zuletzt aktualisiert: 25.10.2007 - 07:12Düsseldorf (RPO). Für seine Sendungen überlässt Frank Plasberg nichts dem Zufall. Deshalb verlief auch die Premiere in der ARD als ob der neue Stern am Polit-Talkshow-Himmel schon immer seinen Platz in der ersten Garde eingenommen habe. Nur drei Worte zum neuen Sendeplatz - "jetzt im Ersten", sagte Plasberg und legte los.
Ausgerechnet mit der Frage nach Sozialer Gerechtigkeit. Ein Thema, das deutsche Talkshows seit Wochen beschäftigt - und zuweilen ermüdet.
Plasberg zeigte sich dem neuen Sendeplatz würdig. Mit einem kleinen Seitenhieb untermauerte er den ihm zugeschriebenen Anspruch einer der Besten zu sein. "Wir sind hier nicht bei Kerner", konterte er Steinbrücks scherzhaft-ironische Ankündigung, er werde gleich gehen. Der sonst betont seriöse Talkmaster strahlte für einen kurzen Moment, ob der spontanen Replik.
Überhaupt: Peer Steinbrück. Plasberg hatte mit der Wahl seiner Gäste - wie immer - einen guten Griff. Steinbrück machte das Wortduell mit Plasberg Spaß, im Intensivgespräch lehnte er die Positionierung zwischen Weichei und Hardliner ab. Wenn Plasberg in der Sendung eine Schwäche zeigte, dann diese: Als Steinbrück erklärte, Kurt Beck müsse als Parteivorsitzender die SPD auch mehrheitsfähig halten, konnte Plasberg diese Steilvorlage nicht spontan verwerten. Populismus als Basis politischer Entscheidungen, diesen Vorwurf musste erst Gregor Gysi erheben.
Sonst hatte Plasberg für die ARD-Premiere die Sicherheitskarte gezogen. Gregor Gysi als berechenbaren Studiogast kennt er schon länger. Ingrid Köper-Papa als von Arbeitslosigkeit betroffene Mutter mit ihrem mutigen Sohn Patrick (17) war bereits bei ihm in der Sendung. Sie erzählte vom schweren Leben in der Arbeitslosigkeit.
Diese Sicherheit darf nicht als Schwäche gewertet werden. Plasbergs Redaktion hat wieder einmal mit zahlreichen Einspielern ihre Stärke bewiesen. Sie fragte nach der Haltungsnote beim Umfallen von SPD-Chef Beck und ließ in der Fußgängerzone von Langenfeld (Steinbrücks Wahlkreis) Passanten Politgrundsätze der richtigen Partei zuordnen. Und dann Moses als Beispiel für Flexibilität: Als eine Tafel zerbricht, werden aus 15 Geboten die bekannten zehn. Gute Arbeit.
Aber es bleibt das Verdienst des Moderators, dass das Gespräch über Soziale Gerechtigkeit nicht in ausgetretenen Pfaden verlief. Schauspielerin und Ex-SPD-Wählerin Natalia Wörner durfte Steinbrück direkt befragen. Plasbergs Sprache blieb immer einfach, aber dennoch präzise. Der Mann hatte die Runde nicht nur im Griff, zuweilen wirkte er wie ein Regisseur, der die Chancen seines Ensembles genau aussteuerte. Das Publikum hatte seinen Spaß - und erlebte eine anspruchsvolle Diskussion.
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