Bariloche in Patagonien als Hochburg der NS-Verbrecher: Fremdenverkehr: Reiseführer für Nazi-Verstecke
zuletzt aktualisiert: 11.01.2004 - 20:44Buenos Aires (rpo). Es gehe nicht um Ideologie, sondern um eine "andere Sicht", versichert der Autor eines heiklen argentinischen Reiseführeres. Mit seinem Buch wirbt er für Häuser bekannter Nazis in einer Stadt südwestlich von Buenos Aires.
Mit einem Reiseführer zu den Häusern bekannter Nazis in Argentinien wirbt ein einheimischer Journalist für den Fremdenverkehr in seiner Heimatstadt. Bariloche in Patagonien, rund 1400 Kilometer südwestlich von Buenos Aires, bot laut Autor Abel Basti so berüchtigten Männern wie dem NS-Verbrecher Erich Priebke Zuflucht nach dem Zweiten Weltkrieg. Priebke wurde Mitte der neunziger Jahre an Italien ausgeliefert und dort zu lebenslanger Haft verurteilt, weil seine SS-Einheit 1944 in den Ardeatinischen Höhlen in der Nähe Roms 335 Zivilisten ermordet hatte. Mit seinem Buch "Bariloche der Nazis - Ein Tourismusführer" lasse sich das Haus des früheren SS-Angehörigen leicht finden. Es gehe nicht um die Ideologie, sondern um "historische Fakten", sagte Basti. Das 130 Seite starke Buch lade zu einer "anderen Sicht" auf Bariloche ein.
Bereits die Gestaltung des Buchumschlags ist ein Beleg für die "andere Sicht" auf das heikle Thema. Eine Fotomontage zeigt Hitler an der Stelle einer Statue von Präsident Julio Argentino Roca im Stadtzentrum. Roca ist in die Geschichte Argentiniens als Anstifter eines Massakers an tausenden Ureinwohnern in Patagonien eingegangen. Doch nicht nur das Cover suggeriert die Allgegenwart von Nazi-Größen in der Region. Nach der Überzeugung des Autors setzte Hitler seinem Leben nicht in Berlin ein Ende, sondern verbrachte seinen Lebensabend mit seiner Lebengefährtin Eva Braun friedlich in Bariloche. Bastis Recherchen stützen sich angeblich auf das Katasterverzeichnis der Stadt.
Zufluchtsland für zahlreiche NS-Führer
Argentinien war nach dem Zweiten Weltkrieg Zufluchtsland für zahlreiche NS-Führer. Einer der prominentesten unter ihnen war der 1960 von einem israelischen Geheimdienstkommando nach Israel entführte Adolf Eichmann. Eichmann wurde in Jerusalem zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







