Kritik an Personalentscheidungen: Friedrich Nowottny geht auf ehemaligen Arbeitgeber los
zuletzt aktualisiert: 20.09.2006 - 18:08Berlin (rpo). Friedrich Nowottny, ehemaliger Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), hat scharfe Kritik an den Personalentscheidungen seines früheren Arbeitgebers geäußert. Vor allem die Vertragsverlängerungen mit Programmdirektor Günter Struve und Sportkoordinator Hagen Boßdorf kann Nowottny absolut nicht nachvollziehen.
Nowottny sagte dem Berliner "Tagesspiegel", die ARD sei zwar in guter Programm-Form, das Bild werde aber augenblicklich von zwei nicht ganz unumstrittenen Personalentscheidungen getrübt, "also die Herren Struve und Boßdorf".
Die mit dem Radsportler Jan Ullrich abgeschlossenen Exklusivverträge bezeichnete der Ex-Intendant als sittenwidrig. Sollte Struve sie tatsächlich nicht gelesen haben, wäre dies ein Entlassungsgrund. "Wenn irgendjemand zu meiner Zeit in der Konferenz so etwas vorgeschlagen hätte, dann hätte er noch in der selben Minute seine Papiere zusammensammeln können", betonte Nowottny, der von 1985 bis 1995 an der Spitze des Westdeutschen Rundfunks stand. "Wenn jemand bewusst gegen Regeln verstoßen hat, die er vorher kannte, dann muss er gehen."
Es gebe immer mal Phasen in einer großen Organisation wie der ARD, die nicht mit Gold bestäubt seien, sagte Nowottny. Die jetzige Phase sei offenbar eine solche. Auf die Frage, ob die Glaubwürdigkeit des Fernsehverbundes unter den jüngsten Affären gelitten habe, sagte er: "Wenn gegen eine Schüssel aus Emaille ein Stein fliegt, dann bröckelt die Emaille. Etwas springt ab. Und es bleibt ein nicht zu reparierendes, weiter rostendes Loch."
Kritik übte der frühere WDR-Intendant auch an den Entscheidungswegen in den ARD-Anstalten. Offenbar werde nicht mehr alles in den Gremien besprochen, sondern zunehmend auch außerhalb entschieden, sagte er. Die Verantwortlichen müssten entscheiden, ob dies mit den Regeln der ARD in Übereinstimmung zu bringen sei. Gleichzeitig lobte Nowottny jedoch die Arbeit des Fernsehverbunds: "Was da alles passiert, das kann einem schon den Atem rauben. 54 Radioprogramme, diverse Fernsehprogramme, wo gibt's denn eine solche Vielfalt sonst noch in der Welt?"
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