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TV-Nachlese "Maischberger": Fußball-Talk, knapp daneben

VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 28.11.2012 - 02:47

Maischberger und Gäste verfransten sich in 50 Jahren Bundesliga. Stoiber belehrte, Calmund schießt Wolfsburg auf Tabellenplatz 27, Kai Pflaume produziert Phrasen. Und wie entlässt man eigentlich Berti Vogts? Dann doch lieber die Tor-Parade aus der YouTube-Konserve.

ARD-Talkerin Sandra Maischberger stürzte sich in ein halbes Jahrhundert Bundesliga-Geschichte.  Foto: ARD/WDR/Markus Tedeskino
ARD-Talkerin Sandra Maischberger stürzte sich in ein halbes Jahrhundert Bundesliga-Geschichte. Foto: ARD/WDR/Markus Tedeskino

Fußball kann so schön sein. Dachte sich auch Sandra Maischberger und lud zum Schwatz über 50 Jahre Bundesliga ein. Eingeladen waren keine Geringeren als Jörg Wontorra, Kai Pflaume, Edmund Stoiber, Giovane Elber und Andrea Kaiser. Bei einer Fußball-Mannschaft würde man sagen, die innere Ordnung hat nicht gestimmt.

75 Minuten spukte die Sendung durch 50 Jahre Fußballgeschichte. Die Themen: willkürlich, mehrfach banal und meistens alles andere als überraschend. Maischbergers Fragen wirkten mitunter naiv: „Was ist wichtiger – schöne Tore oder möglichst viele?“ Zumindest Begeisterung für den Fußball brachten die Gäste mit. Doch verloren sie sich oft in Einzelheiten schicksalsträchtiger Momente.

Stoibers erzählt von früher

Bizarr gerieten oftmals die Auslassungen Edmund Stoibers. Mit seinem berühmt-berüchtigten Sinn für Details bemühte er sich, vergangene Zeiten auferstehen zu lassen. Damals als Mittelläufer habe er selbst einen rustikalen Stil gepflegt. Der dritte Platz in der Oberliga 1963 – ein Schock für die Bayern-Anhänger. Und 49/50 habe man ja noch die deutsche Einheit vor Augen gehabt. Es ging um die im Rückblick sehr späte Gründung der Bundesliga 1962. Die Sendung fand nicht in Spiel.

Maischberger sprang von Thema zu Thema. Das „emotionalste Finale der Bundesliga“ (O-Ton Maischberger): Natürlich Schalkes Vier-Minuten-Meisterschaft. Wie weit geht das Mitleid? Calmund rief 201 bei Assauer an. Der Mensch und Macher Uli Hoeneß. Einer mit Herz und Hirn. Spielen Mannschaften gegen den Trainer? Mannschaften wollen gewinnen.

Wie an einem betulichen Dia-Abend

An diesem Abend wird bei Maischberger halt nicht diskutiert, geschweige denn gestritten. Es herrscht der Plauderton eines Dia-Abends vor. Manchmal gibt Pflaume Plattitüden von sich wie „Fußball ist unglaublich emotional. Aber Fußball kann auch unglaublich hart und brutal sein.“ Auf Dauer ermüdend. Zumal es der Talk nicht annähernd hinbekommt, die Dramatik einzufangen, die die vielen Highlights damals kennzeichnete. Dafür waren Fußball-Fans bei YouTube besser aufgehoben.

Unterhaltungswert besitzen an diesem Abend immerhin ein paar schöne Anekdoten. „Ich habe versucht, mich mit Akten zu beruhigen“, erinnert sich Stoiber an das Herzschlag-Finale Schalke-Bayern 2001. Das Radio hatte er kurz vor Schluss ausgeschaltet. Da war Schalke noch Meister.

"Musste putzen, waschen, kochen“

„Das kann man sich nicht vorstellen, was da abgeht“, beschreibt Elber die Kabinenpredigten von Uli Hoeneß. „Der kriegt immer so einen roten Schädel.“ "Zürich war hart. Musste putzen, waschen, kochen“, sagt er von seinen ersten Profi-Jahren in der Schweiz.

Ein bisschen Drive nimmt die Sendung zum Ende hin sogar beim Thema Geld und Wettbewerb auf. Rainer Calmund ist es, der dabei wenig überraschend das Herz auf der Zunge trägt. „Ich hab zu viele Trainer raugeschmissen“, gesteht er in seinem rheinischen Dialekt. Aber das sei im Fußball halt wie im Unternehmen. Und da müssten Umsatz und Gewinne stimmen. Basta. Der Frage, wie man denn einen Berti Vogts entlässt weicht er allerdings aus. Die Chemie habe einfach nicht gestimmt.

600 Euro Grundgehalt

Erstaunlich einig ist sich die Runde beim Blick auf die Spielergehälter. Anfangs macht sich noch Staunen breit, als Maischberger verdeutlicht, wie die Gehälter explodiert sind. Umgerechnet 600 Euro Grundgehalt gab es für eine Spieler in den Gründungsjahren der Bundesliga. Heute verdient ein Spitzen-Profi wie Frank Ribery monatlich 833.000 Euro. Doch die moderne Fußball-Welt denkt wirtschaftlich. So lange der Verein unterm Strich an einem Spielerverdient, mag auch niemand gegen astronomische Gehälter zu Felde ziehen.

Ein Rainer Calmund sowieso nicht. Er nutzt die Gelegenheit z einer Eloge auf die deutsche Bundesliga, die er als „Premium-Produkt“ beschreibt. 40 Millionen in Deutschland interessierten sich dafür, von den 50 besten Fernsehquoten entfielen 40 auf Fußball – „dann klingelt die Kasse“.

Offenbar weiß Fußball-Deutschland auch ohne Maischberger, was es an der Bundesliga hat.

Quelle: pst/rm

 
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