Letzter Teil der Serie über das Entstehen des Kabelfernsehens: Geschichte des Kabelfernsehens: Wie Bertelsmann schockte
VON THOMAS LÜCKERATH - zuletzt aktualisiert: 07.10.2004 - 12:31Düsseldorf (rpo). Die letzten Monate und Tage vor dem Start des Kabelfernsehens waren turbulent: Die grundlegenden Entscheidungen für das Kabelfernsehen waren zwar gelegt und das Anbieterkonsortium war startklar, doch dann überraschte Bertelsmann alle Geschäftspartner.
Gut anderthalb Jahre vor dem Start des Kabelprojekts in Ludwigshafen, welches die Geburtsstunde des deutschen Privatfernsehens darstellt, wurde am 15. Juni 1982 durch die Landesregierung Rheinland Pfalz die öffentlich-rechtliche Anstalt für Kabelkommunikation (AKK) mit Sitz in Ludwigshafen gegründet.
Ihre Aufgabe war es, die konkreten Vorbereitungen der letzten Monate zu koordinieren und die Arbeit bzw. Planung der privaten Programmanbieter zu kontrollieren. Noch war allerdings nicht klar, welche Anbieter überhaupt starten wollen.
Auf anderer Ebene wurde im Herbst 1982 ein weiteres noch bestehendes Problem gelöst, was im Nachhinein die schnelle Entwicklung des Privatfernsehens förderte: Nach dem unerwarteten Machtwechsel in Bonn stellte die neue christlich-liberale Koalition der Bundespost eine Milliarde Mark zur Verfügung, um die flächendeckende Verkabelung für die Verteilung von Hörfunk- und Fernsehprogrammen wieder aufzunehmen, die 1979 vom damaligen Bundespostminister Kurt Gscheidle gestoppt wurde. War dieser drei Jahre zuvor der Auffassung, man solle mit dem Kabelnetz-Ausbau nicht den Ergebnissen des Kabel-Pilotprojekts vorgreifen, so wollte die neue Regierung einen Ausbau unabhängig vom aktuellen Bedarf.
Im Laufe des Jahres 1983 formierten sich die privaten Interessenten für das Kabel-Pilotprojekt, so dass unter der Kontrolle des Rheinland-Pfälzische Staatssekretär Schleyer am 28. November des Jahres ein Protokoll verabschiedet wurde, in dem die Anbieter festgehalten wurden, die gemeinsam ein Programm erstellen sollten: Springer, Bauer, Bertelsmann, Burda, Holtzbrink, die WAZ, die Kabel-Media-Programmgesellschaft (kurz: KMP), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), der Filmverlag der Autoren, die Neue Mediengesellschaft Ulm, das Aktuell-Presse-Fernsehen (APF) sowie die Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenfunk (PKS).
Eben diese „Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenfunk“ war es, die bereits im Januar 1983 einen Nutzungsantrag für den Fernmeldesatelliten ECS 1 (European Communication Satellite) gestellt hatte. PKS wurde dann auch als Name des zu startenden Pilot-Programms gewählt.
Nur 8 Tage nach dem verabschiedeten Protokoll über das Anbieter-Konsortium, kam eine Pressemeldung, die für Aufregung sorgte: An diesem Tag wurde bekannt, dass zwischen Bertelsmann und der Compagnie Luxembourgeoise de Telediffusion (kurz: CLT) eine schriftliche Absichtserklärung existiert, laut der Bertelsmann sich mit 40 Prozent am geplanten deutschsprachigen Konkurrenz-Programm RTL Plus beteiligen wird.
Unmut wurde laut und vor allem Leo Kirchs Rechtsanwalt Joachim Theye, der die Interessen der PKS als einer von vielen beteiligen Firmen vertrat, sah darin ein Ding der Unmöglichkeit. So wurde auf sein Drängen vom Anbieterkonsortium eine Konkurrenzklausel beschlossen, wonach Bertelsmann aus dem geplanten Programm PKS ausscheiden musste. Das war im Dezember 1983, nur wenige Tage, bevor dann im Januar 1984 das deutsche Kabelfernsehen laufen lernte.
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