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Premiere am Montag: Gewagt: ZDF strahlt Fernsehspiel live aus

zuletzt aktualisiert: 24.10.2004 - 10:26

Berlin (rpo). Das ZDF zeigt Mut und wagt am Montag zur besten Sendezeit ein Experiment: Das Zweite strahlt ein Fernsehspiel live aus. Die Handlung des Films läuft an zwei Orten in Berlin und wird in einem Ü-Wagen live zusammengeschnitten und gesendet. Bei Regisseur und Schauspielern ist der Adrenalinspiegel bereits gestiegen.

Das ZDF war wegen eibnes Stromausfalls längere Zeit nicht empfangbar. Foto: RPO

Regisseur Kai Wessels Albtraum ist ein Stromausfall. Schauspielerin Martina Gedeck fürchtet nichts mehr als einen mentalen Black-out, und August Diehl hat Angst vor orkanartigem Regen. Alle drei werden am Montagabend im ZDF an einem besonderen TV-Ereignis beteiligt sein. Mit dem Live Movie "Feuer in der Nacht" wagt das Zweite zur Prime Time um 20.15 Uhr ein Fernsehexperiment. Die Schauspieler werden live an zwei unterschiedlichen Drehorten spielen, der Regisseur die Bilder, vergleichbar mit einer Sportübertragung, im Ü-Wagen live schneiden und senden.

"Wir haben alle einen erhöhten Adrenalinpegel", gesteht Gedeck. "Es gibt nur diesen einen Moment und entweder man vermasselt ihn oder man kriegt es hin." Mit sonstigen Filmproben sei das "nicht vergleichbar", erzählt die erfahrene Schauspielerin. Auch dem Theaterspielen sei das Live Movie nicht ähnlich, berichtet Diehl, "die Interaktion mit dem Publikum fehlt und außerdem gibt es keine zweite Vorstellung".

Taxifahrt in Echtzeit

In einem zum Studio umgebauten, bislang leer stehenden, Offiziersgebäude im Berliner Nobelvorort Zehlendorf spielt der Mittelpunkt des Familiendramas. Eine Frau (Martina Gedeck) will zusammen mit ihrer Tochter (Alice Dwyer) ihren Mann (Christian Berkel) verlassen. Der dreht durch und nimmt einen Mitarbeiter der Telefonseelsorge (August Diehl) als Geisel. Der zweite Drehort, der Raum der Telefonseelsorge, ist die Kantstraße in Berlins Mitte. Ein etwa 50 Meter hoher Richtfunkmast, der bis Windstärke acht funktionieren soll, wie Produzent Dirk Eggers versichert, verbindet die beiden Anwesen funktechnisch.

Mehr Sorgen als die Funkverbindung bereitet Eggers aber die Taxifahrt durch den Verkehr Berlins, die ebenfalls live in der Sendung vorkommt. "Bislang waren wir immer in der Zeit, bei einem Unfall oder einem Stau müsen wir allerdings kurzfristig umplanen - oder nehmen es eben live mit."

Mit dem Live Movie geht das ZDF zurück in die Zeit der ersten Fernsehspiele. Bis 1958 waren diese Fernsehstücke alle live, die Magnetaufzeichnung wurde erst 1959 eingeführt. Die Live-Experimente in der jüngsten Zeit, zum Beispiel bei Sitcoms oder der US-Serie "Emergency Room", spielten ebenfalls alle in Studios. Die Einbeziehung von Außen-Drehorten jedoch hat es in dieser Art noch nie gegeben, betonen die Verantwortlichen der Produktionsfirma Ufa.

18 Funkkameras im Einsatz

In Berlin ermöglichen 18 Funkkameras das gleichzeitige Einspielen der Bilder, ohne dass die Schauspieler über Kabel stolpern. Dass auch die Kameras sich nicht gegenseitig technisch behindern, ist eine Neuerung, die zum ersten Mal ausprobiert werden soll. Die Mikrofone der Schauspieler sind teilweise in den Haaren versteckt, die Akkus der Mikrofone müssen während der 90 Minuten einmal von unsichtbarer Hand ausgetauscht werden. Geht etwas daneben oder dauert die Taxifahrt eventuell doch zu lange, werden spontan und zuvor für diesen Fall einstudierte Szenen gespielt.

Geprobt wurde seit Anfang September, in der vergangenen Woche wurde ab Dienstag jeden Abend um 20.15 Uhr der "Ernstfall" simuliert. Bisher habe alles geklappt, freut sich Regisseur Wessel. Sollte allerdings am Montag tatsächlich eine Katastrophe eintreten, dann wird das ZDF ein Ersatzprogramm senden, "allerdings keine Volksmusiksendung aus der Dose" wie ein zuständiger Redakteur unter Anspielung auf die jüngste Fußball-Panne der ARD betont. Und die Sendezeit ein bisschen zu überziehen ist auch erlaubt, "schließlich ist es ja live", heißt es beim Sender. Allerdings mit der Ausnahme, dass "Gottschalk-Dimensionen natürlich nicht drin sind".

Quelle: afp

 
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