"Germany's Next Topmodel": Gina-Lisa ist Heidi Klums eigentlicher Star
VON ULRIKE KLODE - zuletzt aktualisiert: 21.03.2008 - 00:29Düsseldorf (RPO). Models, Fotos, Styling, Schönheiten: „Germany's Next Topmodel“ kann wirklich langweilig sein. Wenn da nicht Gina-Lisa wäre. Viel zu lange, viel zu blonde Haare, üppiger Busen, viel zu brauner Teint, viel zu viel Schminke und dann dieses leicht prollige Hessisch-Gebabbele – was hat diese Frau bei Heidi Klums Modelcasting unter den letzten 19 zu suchen?
Unabhängig von ihren Modelqualitäten hat die ehemalige Miss Frankfurt auf jeden Fall eins: Unterhaltungswert. Und das hat die 21-Jährige am Donnerstagabend eindrucksvoll in der Prosieben-Sendung bewiesen. Wie alle anderen Kandidatinnen musste auch sie Heidi Klums Friseurin Helena Faccenda an ihr Allerheiligstes lassen – die überlangen, überblonden Haare. Quasi blind, die Spiegel waren abgehängt. Da war Drama Programm. Obwohl ihr ihre Mutter schon prophezeit hatte, dass die Haare fallen müssten – Gina-Lisa weinte wie ein Wasserfall. Dabei waren es am Anfang nur ihre Haarteile, die abgeschnitten wurden. Doch schon als diese Strähne um Strähne fielen, tropfte bei ihr Träne um Träne aus den dick geschminkten Augen.
Fluchtort: Toilette
Heidi ging noch weiter. Ratzfatz hatte Gina-Lisa eine Kurzhaarfrisur. Bevor die Friseurin ihr Werk beenden konnte, flüchtete Gina-Lisa laut heulend an den einzigen Ort, der ein bisschen Privatsphäre versprach: die Toilette. Nicht lange und Heidi folgte ihr. Doch dabei blieb es nicht. In die winzige, dunkle Toilette quetschte sich außerdem noch Sarah, die Gina-Lisa auch dringend trösten wollte. Was folgte, waren mehrere Minuten, in denen der Zuschauer eine geschlossene Toilettentür sah und Schluchzen und Satzfetzen hörte. „Die Haare haben mir Kraft gegeben“ Schluchz. „Ohne die habe ich kein Selbstbewusstsein“ Schluchz.
Beendet wurde diese Szene von Jennifer, die brav an die Tür klopfte und laut sagte: „Ich muss mal!“ Ob es nun Jennifers allzu natürlicher Drang war oder Heidi Klums Überzeugungsarbeit – kurze Zeit später saß Gina-Lisa fertig gestylt und fertig geschminkt vor dem Spiegel, dessen Verhüllung sich langsam hob. Die ersten Worte: „Boah, krass.“ Der erste Satz: „Da fehlt schon was.“ Der erste Schluchzer: „Ich muss mich dran gewöhnen.“ Die ersten warnenden Worte von Heidi: „Ich hab Dich so schön geschminkt, Du hast versprochen, Du heulst nicht!“. Und Gina-Lisa schaffte es tatsächlich, die Tränen zu unterdrücken. Tapfer, das Mädchen.
Klamotten, so weit das Auge reicht
Eine Frau wie Gina-Lisa lässt sich nicht unterkriegen. Vom „Smalltown-Look“ befreit, wie es Friseurin Helena Faccenda nennt, bleibt Gina-Lisa die Alte – sie nimmt kein Blatt vor den Mund und greift zu, wenn es möglich ist. Nach überstandenem Haar-Drama heißt es für die Mädchen: Wie stilsicher seid ihr? Dafür werden sie in ein riesiges Loft voller trendiger Klamotten kutschiert – der Traum jeder Frau. Die Aufgabe: In 20 Minuten einen passenden Look finden und ihn vor drei Experten präsentieren.
Gina-Lisa ist voll in ihrem Element und nimmt in der kurzen Zeit, was sie kriegen kann. Das kleine Persönchen ist am Ende dick angezogen und aus dem Off zählt sie stolz auf: „Zwei Oberteile, einen Bolero, drei Jacken, eine lange Hose, einen Schal, eine Mütze, eine Riesentasche und ein passendes Portmonnee.“ Dafür kriegt sie natürlich einen Rüffel von Jurymitglied und Castingdirector Rolf. „Kein Wunder“, sagt sie später, „ich war so behangen, da war ein Christbaum ein Scheiß dagegen.“ Sie grinst: „Aber ich dachte ja, wir dürfen die Sachen behalten. Und da greife ich natürlich zu.“ Gewitzt, das Mädchen.