Casting-Show: Giulias schlimme Suche nach dem Mann-Mann
VON SEBASTIAN QUILLMANN - zuletzt aktualisiert: 10.07.2009 - 08:44Düsseldorf (RPO). Wenn Giulia Siegel im Fernsehen einen Mann sucht, dann will sie einen "männlichen Mann", einen "Mann-Mann". Doch statt ihre Qualitäten zu beweisen, werben die "elf Romeos" mit angezogener Handbremse um ihre Giulia. Sie brauchen alle Kraft für den Zickenkrieg untereinander.
Schon beim Einzug in die Villa am Starnberger See zeigen die elf auserwählten Männer, aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Als sie den Kühlraum des Hauses mit allerlei Schnäpsen entdecken, grölen sie los: "Boah, boah, boah!" Das ist doch schonmal sehr mann-männlich.
Doch schnell werfen Zank und Streit erste dunkle Wolken auf die sonnigen Gemüter, die gerade noch "ihre" Villa in Besitz genommen haben. Wer mit wem das Zimmer teilt, gar in einem Bettchen schläft, das ist schon eine schwere Frage. Als Nico dann über den rundlichen Tobias scherzt "Ich find ihn kuschelig", brechen alle Dämme. Denn "gleich ins Betti, huschi, huschi", das macht der Tobias nicht. Erst recht nicht mit einem anderen Mann.
Derweil sinniert Allessandro mit Blick auf den Starnberger See: "Hier bleiben wir für immer." Er macht eine lange Pause. Na, da war doch noch was? "Ähm, natürlich mit Giulia." Richtig, die kommt ja auch noch. Und wie sie kommt: In einem Motorboot mit wehendem Haar gleitet sie im Abendrot über den Starnberger See. Beim abendlichen Umtrunk mit Champagner skizziert die kühle Blonde ihr Weltbild: "Ich bin das Gegenteil von einer Emanze. Ich mach' meinen Job hart, aber zuhause hat die Frau am Herd zu stehen."
Das mag ihre Überzeugung sein, taugt aber auch als kalkulierter Aufreger, um die ansonsten blutleer wirkende Hauptdarstellerin der Sendung interessant zu machen. Andere Fernseh-Frauen haben für solche Parolen viel öffentliche Schelte bekommen.
Dann wird der Versuchsaufbau des Casting-Kuppel-Experimentes geändert. Hübsche Damen erscheinen zu einer Party. Bei Wein und Weib soll sich zeigen, welcher Mann sich beherrschen kann. Die meisten "Romeos" scharen sich gleich um die jungen Dinger wie die Bienen um den Honig. Es wird eng getanzt -- sehr eng.
Als sie beim Walzer allein auf der Tanzfläche steht, zeigt Giulia dann sogar ein glaubwürdig zorniges Gesicht. "Alle Männer raus! Keiner tanzt mit mir!" Tobias rettet die Situation und stimmt die Wütende mit einem Tanz wieder milde. Einzig Hartmut, der Basketball-Trainer vom Niederrhein, geht bei Giulia so richtig ran. Ob sie "es" schonmal auf der Tanzfläche einer Disco "gemacht" habe, will er wissen. Er formuliert seine Gedanken noch einmal konkreter, aber wir wollen es mit Giulia Siegel halten: Hände auf die Ohren drücken und "La! La! La!" rufen.
"Ich habe viel über die Männer erfahren", sagt Giulia nach dem Abend. "Und ich werde noch mehr erfahren." Bei den Einzelgesprächen mit den Kandidaten nutzt sie die Gelegenheit jedenfalls nicht. Statt dessen spricht sie über ihr Lieblingsthema: Sich selbst und ihre harte, harte Arbeit als Disc Jockey, Buchautorin und was noch alles. Die Männer überbieten sich in Lobeshymnen auf die starke Frau. Das ist durchsichtig und langweilig.
"Ich suche einen Mann und nicht elf", lässt Giulia Siegel die Männer und die Zuschauer schließlich wissen und schreitet zur Entscheidung, wer gehen muss. Nico, der immer treu und brav getan hat, was sie wollte, ist der Erste. "Du kannst an der Seite einer starken Frau nicht bestehen." Auch Max muss weg, den der Zuschauer bisher allenfalls als Statisten im Hintergrund bemerkt hat. Giulia findet ihn immerhin "als Mann faszinierend". Doch sie fährt fort: "Ich kann mir nicht vorstellen, mit dir zu schalfen. Nimm's nicht persönlich." So kurz und schmerzlos kann Faszination also enden. Ist das ein Fingerzeig für die Zukunft der ganzen Sendung?
Giulia Siegels sinnleere Worthülsen und ihre aufdringliche Selbstdarstellung machen diese TV-Kost jedenfalls schwer verdaulich. So distanziert, wie sie sich gibt, könnte sie gleich ausziehen. Als Big-Brother-Format würde die versammelte Herren-WG mit ihren peinlichen Kommentaren und kindischen Streitereien auch ohne Giulia Zuschauer finden.
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