Darsteller Ingo Naujoks verrät: Glücksgefühle im „Tatort“
VON GUIDO DIESING - zuletzt aktualisiert: 15.04.2007 - 13:03Düsseldorf (RPO). In der aktuellen Episode der ARD-Krimireihe muss Kommissarin Lindholm einen Mädchenmord aufklären. Aber es gibt auch eine schöne Nachricht. Welche das ist, erzählt Ingo Naujoks. Er spielt Lindholms Mitbewohner Martin.
Andere „Tatort“-Kommissare haben Assistenten, mit denen sie sich besprechen können, haben Kinder, die ihnen Sorgen machen, oder Pathologen, mit denen sie amüsante Streitereien ausfechten können. Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) im Hannoveraner NDR-„Tatort“ hat für all das Martin, ihren Mitbewohner. Die beiden teilen die Wohnung, aber nicht das Bett, sind Freunde, benehmen sich aber oft wie ein altes Ehepaar.
Martin Felser, der erfolgreiche Krimiautor, immer adrett gekleidet, überkorrekt, mit besten Manieren, aber einem unüberhörbaren schludrigen Ruhrpottdialekt, zählt zu den merkwürdigsten Figuren des deutschen Fernsehkrimis. Und so ungewöhnlich wie die Figur ist auch ihr Darsteller. Der Bochumer Ingo Naujoks wurde fast zufällig Schauspieler. „Ich bin eher der Quer-Quer-Quer-Einsteiger. Nach der Realschule wusste ich nicht mal, dass es den Beruf überhaupt gibt.“ Mit Freunden ging er zu Bewerbungsgesprächen, ohne zu wissen, was ihn dort erwartete. Die Polizei wollte ihn nicht, auch als Tierpräparator hatte er keine Chance, an der Schauspielschule war nach dem Vorsprechen Schluss.
Eine kreative Ader hatte er aber schon damals und gründete mit Freunden Punkbands. Die Punk-Ästhetik kam ihm entgegen: „Wir haben ausgenutzt, dass man nix können musste, um groß zu werden. Man konnte auch mit zwei Akkorden einen Abend bestreiten.“ In der freien Kulturszene des Ruhrgebiets führte eins zum anderen: Naujoks spielte in Theatergruppen und bekam 1989 sein erstes Engagement am Schlosstheater Moers. „Ich hab‘s irgendwie durchgehalten und bin dann irgendwann zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen“, fasst er seinen Weg nüchtern zusammen. Die Ruhrgebiets-Saga „Rote Erde“ und Detlev Bucks „Karniggels“ waren erste Marksteine auf Naujoks‘ Weg zum etablierten Darsteller.
Seine Rolle im „Tatort“ mag er sehr: „Die ist total gegen meinen eigenen Strich gebürstet. Ich bin ja sonst in Filmen oft der freundliche Loser, deshalb ist es toll, auch einmal einen distinguierten Quasi-Gentleman zu spielen. Außerdem mag ich es, dass es in der Schwebe bleibt, was nun wirklich zwischen Martin und Charlotte ist oder werden könnte.“ In der jüngsten Episode kündigen sich für beide überraschende Veränderungen an: Charlotte ist schwanger, nach einer kurzen Affäre mit einem verheirateten Mann.
Maria Furtwängler freut sich sehr darauf, die erste Tatort-Kommissarin mit Baby zu werden und verspricht interessante Konflikte, wenn sich Martin als Babysitter in Erziehungsfragen einmischt: „Das wird ihr sicher auf die Nerven gehen.“ Dass er beim Dreh künftig mit einem Baby zu tun haben wird, ist für den zweifachen Vater Ingo Naujoks nichts Ungewohntes, seiner Rolle wird es aber neue Impulse geben: „Für Martin Felser ist der Vater dieses Kindes auf jeden Fall ein Rivale. Aber keine Angst - ich werde Martin nicht als eifersüchtigen Jammerlappen spielen.“
Tatort: Das namenlose Mädchen, ARD, So., 20.15 Uhr
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