"Wetten, dass..?" in Düsseldorf: Gottschalks Nummern-Revue im Kampf um die Quote
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 01.03.2009 - 10:48Düsseldorf (RP). Boris Becker erklärt live, dass er Dauerfreundin Lilly Kerssenberg am 12. Juni in St. Moritz heiraten wird, Jennifer Aniston knabbert Hundekuchen, Oasis und Duffy liefern den Soundtrack dazu – im Duell der Giga-Shows ließ das ZDF am Samstagabend nichts aus, um RTLs „Deutschland sucht den Superstar“ auf den zweiten Quotenplatz zu verweisen und in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen Punkte zu machen.
Mit den Hochzeitsplänen des Ex-Tennisstars Becker schaffte es Gottschalks Sendung seit langer Zeit erstmals wieder, eine Nachricht über seine Sendung hinaus zu produzieren. Die exklusive Ankündigung dürfte auch eine Entschädigung dafür gewesen sein, dass Becker seinen „Wetten-dass“-Auftritt am 8. November nach der überraschenden Trennung von Sandy Meyer-Wölden hatte platzen lassen. Höflich vermied es Gottschalk, diese Geschichte noch einmal aufzuwärmen und betonte stattdessen, wie sehr er sich freue, "wenn bei mir auf der Bank Dinge passieren, die sonst nirgendwo passieren". Zu seiner Beziehung mit Sandy Meyer-Wölden erklärte Becker: "Ich habe mich im letzten Sommer leicht verlaufen." Über seine Beziehung zu Lilly sagte er: "Sie hat mich wieder aufgenommen ins traute Heim, und jetzt will ich sie nicht mehr loslassen."
Gottschalk mühte sich nur mäßig, von der offenkundig abgesprochenen "Überraschung" halbwegs überrascht zu sein. Er habe überlegt, ob Becker seine Lilly vielleicht mitbringe, weil sie schwanger sei, behauptete der Showmaster. Nein, antwortete Lilly brav, aber Boris Mutter kocht so gut, dass sie "ein bisschen fett" geworden sei. Boris sei sehr lustig, sie lerne viel von ihm. Und Barbara, Boris Ex-Frau, wolle übrigens am gleichen Tag heiraten. Zur seiner Brautwahl sagte Boris Becker: "Ich habe lange gesucht, das Suchen hat mir Spaß gemacht." Als Wetteinsatz sprang Boris anschließend für Lilly sogar noch durch ein brennendes Herz.
In der Sendung aus der Düsseldorfer Messehalle 7, die unter anderem Ministerpräsident Jürgen Rüttgers im Publikum verfolgte, passierte zunächst 50 Minuten lang reichlich wenig. Hollywood-Prominenz (Jennifer Aniston im weißen Mini-Faltenrock und Owen Wilson in Mausgrau) warb für einen Film und staunte artig, dass eine Klein-Habersdorfer Schlittenhunde-Frau ihre Vierbeiner am Schlabbern aus dem Wassernapf erkennen kann.
Jochen Alexander Freydank, Regisseur der deutschen Oscar-Überraschung "Spielzeugland", war Wettpate der Außenwette am Düsseldorfer Flughafen und glaubte fest an die Gocher Lothar Schauer und Jeannette Effner, die während der Fahrt auf der Nordbahn des Flughafens an einem Motorrad den Vorderreifen wechselten. Gottschalk zu Aniston: "Das ist deutsches Fernsehen, das machen wir jeden Abend."
Einigermaßen unverhohlen nutzte das ZDF seine reichlich seltene Chance einer knapp zweistelligen Millionen-Einschaltquote gleich dreimal, um massive Eigenwerbe-Blocks in Gottschalks Show zu platzieren: Die Band Reamonn spielte den Titelsong einer neuen ZDF-Telenovela vor, die Schauspieler Andrea Sawatzki und Heino Ferch bewarben einen ZDF-Krimizweiteiler und turnten anschließend auch noch körperlich was vor (Ferch auf dem Schwebebalken, Sawatzki im Rhön-Rad), mehrfach wurde schon mal die Mallorca-Ausgabe von „Wetten, dass..?“ am 13. Juni angepriesen.
Aus all diesen Zutaten wurde statt einer stimmigen Sendung jedoch eher eine Nummern-Revue, der man ihre penetrante Quoten-Absicht ständig anmerkte. Die Chance, Heike Makatsch als Düsseldorferin in Düsseldorf zu Gast zu haben, statt sie nur für den am 12. März startenden Hildegard-Knef-Film werben zu lassen, vergeigte Gottschalk regelrecht. Die von einem Erkrather vorgetragene Stadtwette, Düsseldorfer über ihre eigenen Beine springen zu lassen, war keine. Und die Idee, zwei Zuschauern für die Live-Verschrottung ihrer Alt-Autos die doppelte Abwrack-Prämie zu zahlen, etwas unmotiviert.
Gar nicht klar kam Gottschalk mit dem Auftritt von Hape Kerkeling in seiner neuen Rolle als Schlager-Mops "Uschi Blum" mit der grotesken Schmachtette "Sklavin der Liebe". Dass Gottschalk seinem überwiegend aus Senioren bestehenden TV-Publikum nicht erklärte, wer da satirisch die vollformatige Schlager-Tusse gab, lieferte ihn Kerkelings Humor schutzlos aus. Der erklärte in seiner Rolle als Uschi Blum nach dem Auftritt frech: "Ich muss schnell weg, ich habe noch einen Auftritt im Schlager-Paradies Dormagen. 800 Euro steuerfrei, die nehme ich mit."
Irgendwie hätte man den ganzen Abend doch gern zu DSDS umgeschaltet. Denn die, die dort antreten, wollen erst noch etwas werden. Vielleicht geben sie deshalb mehr Mühe als die, die nur um den Erhalt der Quote kämpfen.
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