"Beste Fernsehfilmqualität": Grimme-Preis für Wortmanns "Sommermärchen"
VON MAIKE SCHULTE - zuletzt aktualisiert: 14.03.2007 - 14:07Düsseldorf (RPO). Mit seinem WM-Film "Deutschland. Sommermärchen" ist Regisseur Sönke Wortmann nun auch unter die Grimme-Preisträger gegangen. Weitere "Fernseh-Oscars" vergab die Jury unter anderem an die Filme "Wut", "Meine verrückte türkische Hochzeit" sowie einen "Monitor"-Beitrag über bezahlten Lobbyismus in den Bundesministerien. Bei der Bekanntgabe der Preisträger lobte der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann, am Mittwoch in Düsseldorf "mutige Themenwahl" und "beste Fernsehfilmqualität".
Drei Nominierungskommissionen wählten aus rund 750 Vorschlägen 59 Produktionen und spezielle Fernseh-Leistungen in den Bereichen "Fiktion", "Information & Kultur" sowie "Unterhaltung" für eine Nominierung aus. Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf dem Thema Migration und Integration.
"Mögen sich andere bemühen, kulturelle Klischees zu vermeiden: 'Meine türkische Hochzeit' kehrt sie lieber hervor, um sie vergnüglich – mal mit feiner Ironie, mal in derben Späßen – auf die Schippe zu nehmen", begründete die Jury die Auszeichnung des ProSieben-Films über die Probleme einer deutsch-türkischen Liebe. Auch die ARD-Serie "Türkisch für Anfänger" in der neuen Kategorie Unterhaltung wurde prämiert.
Weniger spaßig gestaltet sich der zweite preisgekrönte Film zum Thema Integration."Wut" (ARD/WDR) beschreibt das Aufeinandertreffen von Can, dem Anführer einer türkischen Jugendgang, und Felix, einem deutschen Jungen aus behütetem Elternhaus. Der Film beschreibe die "Tragödie des Zusammenpralls zweier Kulturen, die einander zutiefst fremd sind", zeichne ein "Bild gescheiterter Integration und eklatanter Hilflosigkeit auf beiden Seiten", heißt es in der Jury-Erklärung.
"Sommermärchen" erst nachnominiert
Sönke Wortmanns Beitrag zur Fußball-WM wurde erst nachnominiert. Der Film sei zunächst in den Köpfen nicht so präsent gewesen. "Wir haben wohl angenommen, der hat schon so manchen Preis abgeräumt", erklärte der Chef des Grimme-Instituts. Nichtsdestotrotz fand die Jury viel Lob für den Film: Wortman habe ein Werk geschaffen, das höchsten formalen Anforderungen entspreche und gleichzeitig ein Millionenpublikum begeisterte. Der Regisseur freute sich und berichtete von der langen Vorgeschichte des Projekts. Schon an Rudi Völler sei er herangetreten, um der Nationalelf mit der Kamera auf den Leib zu rücken, "doch der wollte nicht", erzählte er am Mittwoch.
Ebenfalls belohnt wurde die Rechercheleistung des Politmagazins "Monitor" (ARD/WDR) mit Sonia Mikich. In zwei Sendungen ging es um die Verflechtung von Unternehmen und Ministerien. Mit weitreichenden Konsequenzen. Die Opposition stellte parlamentarische Anfragen zum Thema bezahlter Lobbyismus, der Bundesrechnungshof prüft nun die Vorgänge.
"Die ausgezeichneten 'Monitor'-Beiträge sind Beispiele dafür, was ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk leisten kann, der sich nicht primär wirtschaftlichen Interessen – vulgo: der Quote –, sondern den Idealen der Aufklärung verpflichtet fühlt", lobte die Jury. Mikich kritisierte allerdings die auf 30 Minuten verkürzte Sendezeit für Politmagazine. "Verschoben wurde unsere Sendung außerdem. Wer unseren Sendeplatz fand, kann schon fast von Glück sprechen", erklärte sie.
Ehrung für Hape Kerkeling
Zurzeit sorgt er mit seiner Journalisten-Parodie Horst Schlämmer für Furore. Für seine Verdienste um die Fernsehunterhaltung erhält Komiker Hape Kerkeling in diesem Jahr einen Sonderpreis. Seine "Lust am raffinierten Rollenspiel", "die tückische Freundlichkeit, die freche Aufdringlichkeit, die entwaffnende Respektlosigkeit und die umwerfende Entlarvung bis zur allgemeinen Kenntlichkeit" überzeugten die Jury.
Auch Unterhaltungs-"Dino" Jürgen von der Lippe stieß mit seiner Moderation der Gameshow "Extreme Activity" in der Jury auf Begeisterung. Lippe bewege sich souverän zwischen intelligenten Anspielungen und Kalauern, hieß es. Die Spielshow setzte sich unter anderem gegen "Schlag den Raab", "Pastewka" und "Dittsche" durch.
Der WDR war in diesem Jahr insgesamt der erfolgreichste ARD-Sender - vier preisgekrönte Beiträge kamen aus Köln. An den BR und den SWR gingen jeweils zwei Preise, der NDR und rbb bekamen jeweils einen Preis. Zwei Auszeichnungen gingen an das ZDF. Es hätte das Jahr der privaten TV-Sender werden können, sie waren so stark wie noch nie zuvor bei den Nominierungen vertreten. Am Ende waren es dann aber nur zwei Preise, die an die Privaten gingen: für die Komödie "Meine verrückte türkische Hochzeit" und für die Show "Extreme Activity".
Die Verleihung der begehrten Fernsehpreise des Adolf-Grimme-Instituts findet am 30. März im Theater der Stadt Marl statt - dann werden die Preisträger feierlich geehrt und es wird ausgiebig gefeiert.
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