Entertainer erhält den Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik: Harald Schmidt: Helmut Kohl ist sein Vorbild
zuletzt aktualisiert: 12.07.2003 - 18:11Mainz (rpo). "Kohl hat 16 Jahre lang auf den Titelblättern gelesen, dass er am Ende ist", so der Zyniker und LateNight-Moderator bei seiner Dankesrede bei der diesjährigen Verleihung des Hildegard-von-Bingen-Preises für Publizistik in Mainz.
Dies zeige ihm: "Es gibt keinen Grund, die Nerven zu verlieren und aufzuhören." Schmidt sagte, er wundere sich selbst, dass seine seit 1995 laufende Show noch immer Zuschauer finde. Untersuchungen hätten allerdings ergeben, dass 20 bis 30 Prozent der Menschen bestimmte TV-Sendungen nur einschalteten, weil sie den Moderator hassten: "Es gibt viele, die es lieben, gequält zu werden." Er fürchte nicht, dass sich die Harald-Schmidt-Show schneller tot laufe, weil sie nun auch montags gesendet werde.
Der Entertainer widersprach der Behauptung, seine Show sei Kunst und spiegele seine eigene hohe Bildung: "Wir sind eine Sendung, die einfach Witze macht." Es sei aber gelungen, in der Öffentlichkeit den Glauben zu verankern, das habe etwas mit Kunst zu tun. Schmidt kündigte an, er werde das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro an die Mainzer Universitäts-Kinderklinik spenden.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte bei der Preisverleihung, Harald Schmidt veranlasse zu der Hoffnung, dass es im deutschen Fernsehen auch in Zukunft noch Unterhaltung geben werde, "die einem nicht die Haare zu Berge stehen lässt".
Spiegel der bundesrepublikanischen Wirklichkeit
In seiner Laudatio auf den Preisträger würdigte der Publizist Helmut Ahrens an Schmidt dessen britischen Sinn für das Abgründige im menschlichen Alltag: "Niemand serviert pechrabenschwarzen Humor so nonchalant wie er." Schmidts Late-Show sei in den vergangenen Jahren zum "Spiegel der bundesrepublikanischen Wirklichkeit" geworden.
Der Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik wird alljährlich von der rheinland-pfälzischen Zahnärztekammer verliehen. Preisträger waren bislang unter anderem der ehemalige FAZ-Herausgeber Joachim Fest, Focus-Chef Helmut Markwort und die TV-Moderatorin Sandra Maischberger.
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