Umstrittenes Frauen-Buch: Hat Eva Herman abgeschrieben?
zuletzt aktualisiert: 21.09.2006 - 11:37Hamburg (rpo). Mit ihrem umstrittenen Buch "Das Eva Prinzip" rangiert Eva Herman in den Bestsellerlisten weit oben. Doch nun droht der früheren Tagesschau-Moderatorin Ärger. Eine andere Autorin hat sich zu Wort gemeldet und behauptet: „Die Thesen von Frau Herman standen schon 2003 in meinem Buch." Alles geklaut?
Das berichtet die "Bild". Seit Wochen diskutieren Frauen wie Männer über das umstrittene Buch „Das Eva Prinzip“ von Eva Herman (47). Die Ex-„Tagesschau“-Sprecherin kritisiert darin heftig die Folgen der Emanzipation, stellt gewagte Thesen wie „Frauen sollten öfter mal den Mund halten" oder "berufstätige Frauen sind schuld, dass zu wenige Kinder geboren werden" auf.
Elfie Horak (55) schrieb vor drei Jahren ihr Buch "Antworten von Angelo" (Goldmann Taschenbuch-Verlag). Gegenüber "Bild" erklärt sie: "Die Kernaussagen von Frau Herman habe ich schon in diesem Buch vertreten. Sie sind mitunter deckungsgleich mit den Thesen von Frau Herman."
Tatsächlich: Einige Passagen im Buch der Hamburger Psychologin und Autorin erscheinen nahezu identisch mit Aussagen von Herman im Buch und anderen Artikeln.
So heißt es im Klappentext von "Eva Prinzip": "Herman plädiert für eine Rückbesinnung auf weibliche Eigenschaften wie Mitgefühl, Liebe, Empathie.“ Bei Elfie Horak klingt es drei Jahre zuvor so: „Besinnt euch auf die Weiblichkeit, auf die weiblichen Qualitäten. Weibliche Themen sind Liebe, Partnerschaft, Kinder und das Heim.“
In der Zeitschrift „Cicero“ schreibt Herman: „Wenn Frauen sich zunehmend zu maskulinen Wesen entwickeln, werden wir keine Nachkommen mehr haben. Wenn wir gegen die Natur arbeiten, müssen wir uns nicht wundern, wenn sich die Natur gegen uns wendet.“
Ähnlich klingt es im Horak-Buch: „So einfach lässt sich die Natur nicht ins Handwerk pfuschen. Frauen, die sich auf die männliche Seite schlagen, haben es schwer, Kinder zu bekommen. Ihre Fruchtbarkeit lässt nach.“
Elfie Horak erklärt gegenüber "Bild", dass sie ihr Buch zum NDR zur Rezension geschickt hat. Horak: „Eine Nachricht habe ich aber nicht von ihr bekommen. Also weiß ich auch nicht, ob sie es gelesen hat. Da sie aber meine Thesen vertritt, nehme ich das an.“
An eine mögliche Klage gegen Eva Herman denkt sie bislang nicht: „Ich freue mich vielmehr, dass sie meine Themen aufgegriffen hat.“
Eva Herman wehrt sich derweil gegen Plagiatsvorwürfe: „Mich wundert es nicht, dass es ähnliche Bücher gibt. Es gibt viele Psychologen und Soziologen, die sich mit diesen Thesen beschäftigt haben. Ich habe das Exposé für das Buch schon vor zweieinhalb Jahren eingereicht und für das Buch „Fernsehfrauen in Deutschland“ Moderatorinnen zum Thema Kind und Karriere interviewt. Ich kenne die Autorin nicht und habe auch ihr Buch nicht gelesen.“
Hermans Glaubwürdigkeit sinkt
Die Moderatorin hat sich mit ihren umstrittenen Thesen zur Emanzipation keinen Platz im Herzen ihrer Zuschauer erobert. Bei einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage von tns Emnid für "TV Digital" gab mehr als jeder Vierte der 1.014 Befragten an, dass Herman ihre Glaubwürdigkeit und ihr positives Image als Nachrichtensprecherin verloren habe. Bei einer früheren Umfrage Anfang August hatte Herman von 1.018 Befragten noch die Spitzennote 2,0 erhalten. Nach der ersten Umfrage war bekannt geworden, dass Herman wegen ihres neuen Buchs bei der "Tagesschau" pausiert. Daraufhin war viel über die feminismuskritischen Thesen des Buches berichtet worden.
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