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"Von mir aus schmeißt mich jetzt raus!": Heidenreich stellt sich hinter Reich-Ranicki

zuletzt aktualisiert: 13.10.2008 - 17:34

Mainz (RPO). Die Moderatorin Elke Heidenreich unterstützt die abweisende Haltung von Marcel Reich-Ranicki bei der Verleihung des Fernsehpreises. "Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten. Von mir aus schmeißt mich jetzt raus, ich bin des Kampfes eh müde", betonte sie. ein ZDF-Sprecher erklärte, man sei ohnehin über die Zukunft ihrer Sendung im Gespräch.

Die Autorin Elke Heidenreich hat das Libretto für eine Kammeroper über Salvador Dalí und seine Muse Gala geschrieben. Am 20. März wird das Werk im Kölner Museum Ludwig uraufgeführt. Foto: ddp

Elke Heidenreich begrüßte den Auftritt Reich-Ranickis. Die ZDF-Moderatorin verurteilte die Niveaulosigkeit der Preisverleihung im Internetangebot der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” und freute sich, dass der Literaturkritiker die Auszeichnung abgelehnt hatte. Sie und ihr Ehemann hätten sich für die Veranstaltung “nur noch geschämt”.

Zudem bedankte sich Heidenreich bei Reich-Ranicki für seine Verweigerungshaltung: “Ich hätte vor Freude in die Luft springen mögen, vor Freude über diesen mutigen, zornigen, beleidigten, klugen Mann und vor Zorn und vor Kummer über diese verhunzte Veranstaltung, diese grenzenlose Flachheit.” Und schrieb weiter: “Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten.” Heidenreich moderiert beim ZDF die Literatursendung “Lesen!”.

Ein ZDF-Sprecher sagte, der Sender habe die Kritik zur Kenntnis genommen. Über die Zukunft ihrer Sendung als wichtigem Programmakzent im ZDF sei man ohnehin seit einiger Zeit im Gespräch. Die nächste Ausgabe des Literaturmagazins läuft am 31. Oktober, Gast ist Sänger Campino.

Ausgangspunkt der Diskussionen war die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises im ZDF am Sonntag. Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sollte dort für sein  Lebenswerk und für die erfolgreiche Sendung "Das Literarische Quartett" ausgezeichnet werden. Er hatte die Ehrung auf der Bühne zurückgewiesen. Begründet hatte er seine Entscheidung mit seiner Kritik an der Qualität des Fernsehens. Er habe "viel Blödsinn" gesehen und "gehöre nicht in diese Reihe", sagte er. "Ich nehme diesen Preis nicht an", verkündete Reich-Ranicki vor mehreren hundert geladenen Gästen. "Ich habe nicht gewusst, was mich hier erwartet."

Sondersendung zur Qualität im Fernsehn

Moderator Thomas Gottschalk bot ihm daraufhin eine Diskussion über Qualität im Fernsehen an. Dieses wird am Freitag als halbstündiges Gespräch wird unter dem Titel "Aus gegebenem Anlass" von 22.30 bis 23 Uhr ausgestrahlt, wie das ZDF am Montag in Mainz mitteilte. ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut zeigte sich erfreut über die Zusage von Marcel Reich-Ranicki und erklärte: "Wir sind offen für Kritik und räumen ihr gerne Raum ein."

Moderator Thomas Gottschalk hatte Reich-Ranicki in seiner Laudatio als einen faszinierenden Menschen gewürdigt, der Großes für das Fernsehen geleistet und Großes gesagt habe. Mit der Ablehnung des Preisträgers konfrontiert, schlug Gottschalk vor, man könne in einer einstündigen Sendung die Qualität des Fernsehens und Literatur thematisieren. Reich-Ranicki äußerte Zustimmung, nahm den Preis dennoch nicht entgegen.

Gottschalk gibt Reich-Ranicki recht

Gottschalk betonte später in einem Interview, dass er nicht geahnt habe, dass Reich-Ranicki den Ehrenpreis ablehnen würde. Damit habe er "keine Sekunde gerechnet." Er zeigte aber auch Verständnis für den Kritiker: "Andererseits steckt in der Ablehnung eine gewisse Logik: Wenn er eine halbe Stunde lang eine wild gewordene Horde Teenager sieht, Atze Schröder in einer weißen Paradeuniform, Richterin Salesch und zwei Köche mit idiotischen Texten erleben muss, ist es für ihn in der Tat konsequent, zu entscheiden: Ich habe hier nichts verloren."

Der Fernsehpreis wird seit 1999 von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 jährlich "zur Würdigung hervorragender Leistungen für das Fernsehen" verliehen. Die Federführung in diesem Jahr hatte turnusgemäß das ZDF übernommen.

Quelle: ap

 
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