Interview: Heino Ferch spielt Schliemann
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 19.03.2007 - 15:21Düsseldorf (RP). Der 43-Jährige stellt in dem aufwändigen Sat.1-Zweiteiler „Der geheimnisvolle Schatz von Troja“ den deutschen Hobby-Archäologen Heinrich Schliemann dar. „Ich bin ein Abenteurer, ganz klar“, betont Ferch.
Heinrich Schliemann war das, was man heute einen Selfmade-Man nennen würde. 1822 in Mecklenburg geboren, begeisterte sich der Pastorensohn schon als Kind für Homers Epos „Ilias“. Reich geworden mit Waffenlieferungen im Krimkrieg, verfolgte der Unternehmer seinen Traum: die sagenumwobene Stadt Troja zu finden. Heino Ferch spielt den Deutschen in dem Zweiteiler „Der geheimnisvolle Schatz von Troja“, den Sat.1 Montag und Dienstag zeigt. Wir sprachen mit ihm über die Lust am Graben und andere Leidenschaften.
Herr Ferch, sind Sie eher ein Abenteurer oder ein vorsichtiger Mensch?
Ferch Ein Abenteurer, ganz klar. Das hat auch etwas mit Neugier zu tun.
Im Film reiten Sie in einigen Szenen.
Ferch Ich reite jetzt seit fünf Jahren, spiele Polo und habe eigene Pferde. Ich musste oft für Dreharbeiten reiten, da war es logisch, dass ich mir irgendwann auch Pferde anschaffe.
Kennen Sie die „Ilias“ aus der Schule?
Ferch Nein, ich habe auch nie Griechisch gelernt. Ich habe die „Ilias“ als Vorbereitung gelesen, aber auch eine Menge anderer Bücher über Schliemann. Es gibt sogar ein Buch, das nur die Liebesbeziehung beschreibt zwischen ihm und seiner jungen Frau Sophia, die er ihrem Vater förmlich „abkauft“. So konnte ich mir ein Bild von ihm machen.
Was fasziniert Sie an Schliemann?
Ferch Er war ein Mann, der diese Leidenschaft schon als Kind hatte, diese Begeisterung für Troja. Er war überzeugt davon, dass er diese Stadt finden könnte, und er hat sich damit gegen die „klassischen Akademiker“ durchgesetzt, die nicht glauben wollten, dass es die Stadt aus Homers Erzählung dort gibt.
Wie war die Arbeit mit Melanie Doutey, die Ihre Frau Sophia spielt?
Ferch Melanie hat ein unglaubliches Talent, viel Kraft und sehr viel Charme. Sie ist eine fremde, exotische Schönheit, die die Zuschauer hier noch nicht kennen. Das war für den Film wichtig, denn auch für Schliemann ist sie fremd. So können die Zuschauer förmlich Sophia mit Schliemanns Augen sehen.
Hätten Sie gern zu dieser Zeit gelebt?
Ferch Für einen Monat vielleicht, ja. Ich glaube, das war eine spannende Epoche. Die Industrialisierung schritt massiv voran, die Psychoanalyse wurde salonfähig. Die Welt bewegte sich einfach schneller - aber in einer sehr straffen Form, mit strenger Etikette.
Gehen Sie gern ins Museum?
Ferch Ja, ich begeistere mich für zeitgenössische und expressionistische Kunst, auch für Archäologie.
Heinrich Schliemann hatte seinen Traum. Welchen Traum haben Sie?
Ferch Einen großen, gigantischen Traum wie er habe ich nicht (lacht).
Was hätten Sie gern ausgegraben?
Ferch Machu Picchu, die verlorene Inka-Stadt in Peru. Diese Kultur fasziniert mich, die Stadt besonders.
Der „Schatz des Priamos“, den Schliemann in Troja fand, galt als verschollen. Heute ist bekannt, dass die Stücke als Beutekunst in Russland lagern.
Ferch Ja, das habe ich gelesen. Ich glaube, das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dass die Russen sagen: Wir haben diese wunderbaren Schätze und zeigen sie auch.
Aber der Schatz wird wohl nie in Deutschland zu sehen sein. Schliemann hatte seinen Fund doch dem „deutschen Volk“ vermacht.
Ferch Aber er hat diese Schätze auch heimlich aus der Türkei herausgeschmuggelt.
Was machen Sie am Montagabend?
Ferch Ich habe Proben in Berlin für einen neuen Film. Danach sehe ich mir natürlich „Troja“ an.
„Der geheimnisvolle Schatz von Troja“, Sat.1, Mo. (19. März) u. Di. (20. März), jew. 20.15 Uhr
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