Joachim Król und Nina Kunzendorf: Hier drehen sie den ersten Frankfurt-Tatort
zuletzt aktualisiert: 11.12.2010 - 09:34Frankfurt/Main (RPO). Im neuen Jahr ermitteln am Sonntagabend zwei neue Kommissare in Frankfurt. Joachim Król und Nina Kunzendorf lösen dann in Mainhatten Mordfälle. Die Dreharbeiten laufen schon. Aber der Schnee macht den Machern schwer zu schaffen. Ein paar erste Eindrücke gibt es schon.
Dicke schwarze Käfer hinter Glas, eine vergilbte Landkarte und Landschaftsfotos zieren die Backsteinwände: Das Büro des neuen Frankfurter "Tatort"-Duos strahlt den muffigen Charme der 1960er Jahre aus. Ein Heizlüfter bläst warme Luft in die Kulisse, durch die Glasbausteine dringt grelles Licht der Scheinwerfer.
Hier ist die Welt für das Filmteam noch in Ordnung, doch draußen vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude im Stadtteil Niederrad türmen sich die Schneemassen, alles ist weiß - das steht so nicht im Drehbuch. Schnee und Eis bringen den Zeitplan durcheinander.
Die beiden Schauspieler Joachim Król und Nina Kunzendorf in ihren dicken Jacken stöhnen. Sie haben noch einen langen Drehtag vor sich. "Der Schnee bremst uns sehr", sagt Regisseur Lars Kraume. Das wechselhafte Wetter bereite dem Team Kopfschmerzen. Der Film spiele zwar im Winter, aber ohne Schnee. Spielraum beim Dreh gibt es nicht: Der Krimi erstreckt sich gerade einmal über drei Tage. Also muss umdisponiert und improvisiert werden, das kostet Nerven.
Keine Schablone
Insgesamt 26 Drehtage stehen in Frankfurt und Umgebung auf dem Programm. Bis zum 21. Dezember sollen alle Szenen im Kasten sein. Ausgestrahlt wird der "Tatort" im Herbst 2011. Und vorher will Joachim Król am liebsten gar nicht viel verraten. "Ich habe es gerne fertig", sagt der Schauspieler.
Wie er seine Figur ausfülle, diese Frage habe ihn schlaflose Nächte gekostet. HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp legt eigenen Angaben zufolge Wert darauf, dass die Schauspieler ihre Rolle prägen, keine Schablone übergestülpt bekommen. Das ist Joachim Król wichtig.
Vor etwa einem Jahr hätten sie sich das Versprechen gegeben, als neues Ermittlerteam beim "Tatort" eine längere Strecke zusammen zurückzulegen, sagt Król. Das sei auch für die Figuren ein großes Privileg. "Die Figur ist heute noch nicht komplett beschreibbar, das ist ein schönes Gefühl", betont der Krimidarsteller.
Ein wenig verrät er aber doch: Hauptkommissar Frank Steier sei eher ein Einzelgänger. Wenn er auf seine Kollegin Conny Mey treffe - der Schauspieler klatscht in die Hände - stießen zwei Energiefelder aufeinander. Bereits nach fünf Minuten rasselten die beiden Kommissare zum ersten Mal aneinander.
Keine leeren Kühlschränke
In dem Krimi unter dem Titel "Eine bessere Welt" geht es um einen noch nicht begangenen Mord, den die beiden Kommissare verhindern wollen. "Es ist eine außergewöhnliche Paarkonstellation, die von Tag zu Tag entsteht", sagt der Schauspieler.
Seine Kollegin Nina Kunzendorf fügt hinzu, dass ihre Rolle diesmal nicht in die Schulblade passe. "Ich spiele keine überforderte Mutter im Ausnahmezustand", sagt sie, sondern gebe eine "sonnige, saftige Figur" ab. Sie verwendet das Bild eines Samens, den man pflanze - und von dem man nicht wisse, was dabei rauskomme. Das finde sie total aufregend, sagt Kunzendorf.
Das Privatleben der beiden Kommissare bleibt tabu, vorerst zumindest. Mit Absicht. Zum einen sei der Fall auf Schnelligkeit angelegt, berichtet HR-Fernsehspielchefin Liane Jessen. Die Kommissare hätten in dem Film kaum Zeit nach Hause zu fahren und die Klamotten zu wechseln.
Für Privates ist es bei der Premiere noch zu früh. So etwas muss sich entwickeln. Und außerdem: Bei allen Ermittlern des "Tatorts" werden inzwischen das Privatleben in den Mittelpunkt gestellt, die leeren Betten und Kühlschränke. "Wir gehen ganz klassisch vor", sagt Jesse. "Wir erzählen die Charaktere nur über den Fall."
Ganz bodenständig. Deshalb bekommen die neuen Frankfurter Ermittler auch keinen schicken Bürokomplex, sondern haben ein abgewetztes Ledersofa und billige Holzschränke in ihren Räumen stehen. Die HR-Fernsehspielchefin bezeichnet den Stil als faszinierend.
Die Kulisse erinnere sie an ihre Schule in den 60er Jahren, "schrecklich", sagt Jesse. "Doch viele öffentliche Gebäude sind so." Die Filmleute drängeln, sie sind zeitlich im Verzug, wollen bis zum Feierabend. noch den Showdown drehen. Fortsetzung folgt. Im Mai 2011 wird in Frankfurt die nächste "Tatort"-Folge gedreht.
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