Tatort "Die Heilige": Im Knast da gibt's oa Sünd'
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 04.10.2010 - 08:07Düsseldorf (RPO). Im Münchener Tatort "Die Heilige" spielte Anneke Kim Sarnau eine Gefängnis-Wachfrau, die aus Menschlichkeit den Insassen hilft, aus Liebe einen Häftling aus dem Knast schleust und am Ende vor den Trümmern ihrer Existenz steht. Trotz überdurchschnittlicher Darsteller ließ dies den Zuschauer überraschend kalt. Zudem bleibt die Frage nach der Moral von der Geschicht'.
Im Gefängnis Stadelheim geht es rau zu, so viel ist mal sicher. Die Autoren nehmen den Zuschauer mit in eine Welt von scheinbar gefühlkalten Mördern, Ratten in der Kloschlüssel und vor Schmerzen schreienden Drogensüchtigen. Wachfrau Marie Hoflehner will diese Welt ändern, schenkt Mördern Buntstifte, hilft ihrem Geliebten Hassan Adub zur Flucht und schenkt ihm ein Ticket nach Algerien.
Schon da weiß der Zuschauer, dass von nun alles schief gehen wird. Denn der charismatische Hassan (zurückhaltend und mysteriös gespielt von Medhi Nebbou) hält sich nicht an den Fluchtplan, versucht weiter illegale Geschäfte zu machen, gerät in Kämpfe und begeht schließlich einen Mord. Das vermeintliche Liebespaar streitet und prügelt sich, am Ende greift Marie offenbar selbst zur Waffe und erschießt ihren Liebhaber.
Anneke Kim Sarnau spielt beeindruckend eine Frau, die brav an das Gute glaubt und am Ende vom Leben gebrochen wird. Bleibt die Frage, was genau uns dieser Film sagen wollte. Dass das Leben im Gefängnis unschön ist? Dass man gutaussehenden Algeriern mit französischem Akzent nicht trauen sollte, weil sie sich eh niemals ändern? Dass man Süchtige im Gefängnis aus Menschlichkeit mit harten Drogen versorgen sollte?
Fast als Beiwerk ermitteln die Kommissare Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec routiniert vor sich hin. Ihre trockenen Sprüche gelingen manchmnal. Befremdlich scheint hingegen ihr Vorgehen. Da werden Häftlinge offen erpresst und absichtlich der Prügel ihrer Mithäftlinge ausgesetzt. Fies war das. Darf man das? Noch so eine vermeintlich große Frage dieses Films. Sicher scheint nach 90 Minuten Krimi nur: Im Knast da gibt's oa Sünd'.
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