"New York Times" bleibt hart: Informantenschutz-Affäre - US-Magazin "Time" gibt Notizen frei
zuletzt aktualisiert: 30.06.2005 - 17:52New York (rpo). Das US-Magazin "Time" hat sich bereit erklärt, Notizen eines Reporters in Zusammenhang mit dem Irak-Krieg und der Enttarnung einer CIA-Agentin herauszugeben. Die US-Justiz hatte dem Journalisten Matthew Cooper andernfalls eine 18-monatige Gefängnisstrafe angedroht.
Die "New York Times", deren Mitarbeiterin Judith Miller gemäß einem Gerichtsbeschluss vom Mittwoch ihre Quellen ebenfalls innerhalb einer Woche preisgeben muss, äußerte sich "tief enttäuscht" über die Entscheidung von "Time". Die Zeitung werde sich nun darauf konzentrieren, ihre eigene Reporterin "während dieser schwierigen Zeit" zu unterstützen, erklärte "Times"-Herausgeber Arthur Sulzberger Jr.
Cooper und Miller waren am Montag mit einer Klage gescheitert, mit der sie ihr Recht auf Informantenschutz durchsetzen wollten. Die Washingtoner Obersten Richter nahmen ihre Berufung nicht zur Verhandlung an.
Ein Bundesgericht hatte zuvor bereits eine Entscheidung aus erster Instanz bestätigt, wonach die Journalisten zur Auskunft verpflichtet sind. Die Reporter hatten damals angekündigt, dass sie sich dem Urteil nicht beugen würden und stattdessen lieber ins Gefängnis gehen wollten.
Die Affäre um die Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame hatte 2003 einen politischen Wirbelsturm in Washington ausgelöst. Die Justiz untersucht, ob Regierungsbeamte Plames Identität lüfteten, um sich auf diese Weise an ihrem regierungskritischen Mann, dem früheren US-Botschafter Joseph Wilson, zu rächen. Wilson war im Auftrag des US-Geheimdienstes CIA nach Niger gereist, um den aus dubiosen Quellen stammenden Vorwürfen nachzugehen, der damalige irakische Machthaber Saddam Hussein habe dort Uran für Atomwaffen zu beschaffen versucht.
Im Juli 2003 bezeichnete Wilson die Vorwürfe in einem Zeitungsbeitrag als unhaltbar. Bald darauf veröffentlichte der konservative Kolumnist Robert Novak unter Berufung auf ranghohe Mitarbeiter der US-Regierung den Namen und den Beruf von Wilsons Frau.
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