Der TV-Vergleich: Ist Pocher der bessere Schmidt?
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 03.10.2009 - 09:49Köln (RPO). Am Freitagabend hat Oliver Pocher die Premiere seiner neuen Late-Night-Show gefeiert. Sein Ex-Partner Harald Schmidt hatte zu diesem Zeitpunkt bereits drei Sendungen seiner neuen Solo-Show im Kasten. Ein vollkommen objektiver Vergleich beider Shows ist damit angezeigt.
1) Das Studio
Beide Shows werden in Köln aufgezeichnet. Eher schwierig. Bei Schmidt stachen dem Zuschauer keine Veränderungen im Vergleich zur alten Show ins Auge. Pocher gab sich bei seinem neuen Studio wenigstens Mühe. Oder sagte immerhin seinen Leuten, dass sie sich Mühe geben sollen. Modische Brauntöne, stylische Discokugeln, lächerlich große Showtreppe. Aber immerhin: Hier hat sich jemand angestrengt.
Punkt für Pocher - 1:0 für Pocher
2) Der Monolog
Pocher startet politisch mit erwartbaren SPD-Scherzen in seine Sendung. Das macht Schmidt auch. Pochers Rhytmus, Pochers Betonung, Pochers Mimik, Pochers Bewegungen: Der Comedian wirkt nicht nur wie eine Kopie von Harald Schmidt - er ist eine. Deshalb geht der Punkt ans Original.
Punkt für Schmidt - Gleichstand bei 1:1
3) Die Einspieler
Schwierige Entscheidung. Schmidts neues Team glänzte vergangene Woche bei einem grandiosen Interview mit Linkspartei-Gespenst Sarah Wagenknecht. Vor zwei Tagen versuchte man ähnliches bei Verdi-Vortänzer Frank Bsirske. Das ging leider schief. Pocher macht indes was er kann. Fremdschäm-freche Begegnungen mit Topmodel Sarah Nuru ("Die Sandy geht neuerdings auf die Sonnenbank") und bayerischen Bier-Deppen auf dem Oktoberfest. Alles solide. Aber eben nicht neu.
Deshalb: ein Punkt für beide. Es steht 2:2
4) Die Band
Wenig ist überflüssiger als Bands in Late-Night-Show. Aber immerhin wird das in Amerika auch so gemacht. Und das muss im deutschen Fernsehen als Begründung reichen. Pocher bietet eine Mädchen-Band inklusive Sängerin. Klingt okay. Schmidt bietet weiterhin Helmut Zerlett. Der ist auch okay, solange er nicht redet. Das tut er aber leider. Das gibt den Ausschlag.
Punkt für Pocher - der führt mit 3:2
5) Motivation
Schmidts Charme besteht darin, dass es ihm völlig egal ist, ob seine Show gut wird oder nicht. Ob er Brausepulver aus dem Bauchnabel von Monica Ivancan schleckt oder dumpfsinnig Biere auf Handys schüttet - die graue Eminenz spult beides routiniert herunter. Das ist cool, aber oft auch langweilig. Pocher hingegen gibt sich Mühe. Zum Beispiel beim Kegeln mit Shakira. Schlampiges Genie gegen strebsamen Arbeiter. Günther Netzer gegen Berti Vogts. Netzer gewinnt.
Punkt für Schmidt - 3:3
6) Die Gäste
Schmidts Entscheidung auf Gäste zu verzichten ist prinzipiell richtig. Auch Pocher dürfte kaum Lust auf seinen Gast Johannes B. Kerner gehabt haben. Musste halt sein, schließlich kuschelt "JBK" in Kürze auch bei Sat1. Und wer im Jahre des Herrn 2009 Shakira sehen will, tut dies wann er will und wo er will auf Youtube. Aber: Pochers Taktik, das Gespräch mit "JBK" nach gefühlten 57 Sekunden abzuwürgen und stattdessen mit Shakira zum Kegeln zu gehen, hatte Charme. Und Pocher wieder eine Idee. Er gab sich Mühe. Und darüber freut sich dann und wann der Zuschauer.
Deshalb: Punkt für Pocher.
Endstand: 4:3 für Pochers neue Show.
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