NDR-Chef äußert Verständnis: Jauch sagt Christiansen-Nachfolge ab
zuletzt aktualisiert: 11.01.2007 - 14:52Berlin (RPO). Fernsehmoderator Günther Jauch hat die Nachfolge für die ARD-Polit-Talksendung "Sabine Christiansen" überraschend abgesagt. NDR-Intendant Jobst Ploog sagte, er könne Jauch verstehen.
Der 50-jährige Moderator, der bei RTL "Wer wird Millionär?" und "Stern TV" moderiert, hatte am Donnerstag die ARD schriftlich über seine Entscheidung in Kenntnis gesetzt. NDR-Intendant Jobst Plog, der die Gespräche mit Jauch führte, machte für das Scheitern "eine Reihe von Indiskretionen und Nachforderungen aus einigen Landesrundfunkanstalten und deren Gremien" verantwortlich. Vor diesem Hintergrund habe er Verständnis für den Entschluss Jauchs, sagte Plog.
Ihm zufolge war der Vertrag mit Jauch schon so gut wie unter Dach und Fach. Die ARD hatte sich mit dem Moderator bereits auf ein Ergebnis verständigt, das den ursprünglichen Forderungen des Senders entsprach, wie Plog betonte. Die Intendanten der ARD hätten dieses Ergebnis auch akzeptiert. Wie aus ARD-Kreisen verlautete, sollen vor allem Rundfunkräte des Bayerischen Rundfunks und des Südwestrundfunks gegen den Vertrag interveniert haben. Plog äußerte nun die Sorge, ob es dem Senderverbund überhaupt noch gelingen werde, einen Fernsehstar ähnlichen Formats zu gewinnen.
Unstrittig war bei den Verhandlungen einem ARD-Sprecher zufolge die Frage, in welchem Umfang Jauch neben seinem ARD-Engagement Werbung betreiben dürfe. Da sei der Moderator dem Sender weit entgegengekommen. Dagegen hatte die künftige WDR-Intendantin Monika Piel vor Weihnachten in Frage gestellt, ob grundsätzlich ein Moderator bei ARD und einem Privatsender parallel arbeiten dürfe.
Pikanterweise vermeldete die "Bild"-Zeitung am Donnerstag, dass der Bayerische Rundfunk Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier als Ski-Experten aus dem Programm genommen habe, weil er für ein Computer-Spiel von RTL wirbt. "Wir möchten einen sauberen Strich ziehen und haben das im gegenseitigen Einvernehmen entschieden", zitierte das Blatt BR-Sportchef Werner Rabe.
RTL begrüßte Jauchs Entscheidung. Nach Angaben von Sprecher Christian Körner stand die weitere Zusammenarbeit zwischen RTL und Jauch nie zur Debatte. Der Sender werte die Entscheidung Jauchs "auch als Bestätigung für unsere erfolgreiche und verlässliche Zusammenarbeit". RTL freue sich jetzt "auf viele weitere Ausgaben von 'Wer wird Millionär?' und 'Stern TV'". Die Umsetzung neuer Ideen sei dabei "sicher nicht ausgeschlossen".
Innerhalb der ARD machte sich weitgehend Bedauern breit. ARD-Programmdirektor Günter Struve betonte, er habe sich sehr für das Zustandekommen der Zusammenarbeit eingesetzt. Jauchs Entschluss könne er "jetzt leider nur akzeptieren". ARD-Vorsitzender Fritz Raff äußerte die Hoffnung, dass das "Tischtuch" zwischen Jauch und der ARD "nicht endgültig zerschnitten" sei.
SWR-Intendant Peter Voß unterstrich hingegen, die Absage sei zwar schade, "aber kein Beinbruch". Voß favorisieret nach eigenen Angaben den WDR-Journalisten Frank Plasberg für den Sendeplatz am Sonntagabend. "Ohne Jauch geht's auch", betonte Voß. Plasberg sei "ein besonderes Markenzeichen" und passe "bestens zwischen den 'Tatort' und die 'Tagesthemen'".
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