Reform gefordert: Journalistik-Professor Haller kritisiert Printmedien
zuletzt aktualisiert: 02.01.2006 - 11:06Leipzig (rpo). Sinkende Auflagenzahlen und immer weniger Interesse an Printmedien sorgen bei den Redakteuren mehr und mehr für Sorgenfalten. Deshalb fordert Medienexperte Michael Haller eine Reform der Berichterstattung. Im Fokus seiner Kritik stehen Regionalzeitungen, die ihre Themen besser recherchieren und somit in einen Dialog mit den Lesern treten sollen.
Haller, Journalistik-Professor an der Uni Leipzig, kritisierte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP, dass die politische Berichterstattung vielfach auf dem Stand der 1970er Jahre verharre: "Man will entweder mit Insiderwissen glänzen und wichtigtuerisch berichterstatten oder jede politische Diskussion zum Krach oder zur Krise aufblasen, bedient dabei aber nur Klischees", sagte er. Dies führe mit zur verbreiteten Politikverdrossenheit unter den Wählern. Ähnliches gelte auch für das Themenfeld Kultur.
Die Zeitungen müssten Haller zufolge vermehrt Themen auf der Ebene diskutiert werden, auf der es die Menschen unmittelbar betreffe. Zum Beispiel könnte der Theaterrezensent eine lokale Gymnasialklasse zu einem Theaterbesuch begleiten und neben seiner Rezension auch Schüler schreiben lassen, wie die "hochkulturelle Veranstaltung" bei ihnen angekommen sei.
Haller wies darauf hin, dass einige Verlage bereits interessante Neuerungen eingeführt hätten. So gebe es gute Beispiele für die Verknüpfung von Print und Internet, etwa wenn Weblogs oder Chats aus Online-Ausgaben anschließend in der gedruckten Zeitung erscheinen.
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