Neue Serie im ZDF-Abendprogramm: "Kanzleramt" ab 2005 im Fernsehen
zuletzt aktualisiert: 15.09.2004 - 16:19Berlin (rpo). Weg mit den trivialen Talkschow-Themen und Problemen der Soap-Helden, jetzt wird es politisch im Abendprogramm des ZDF. In der neuen Serie "Kanzleramt " will das ZDF zeigen wie Politik gemacht wird. Vor Politikverdrossenheit hat der Prommdirektor keine Angst.
Zwölf Wochen hintereinander soll das "Kanzleramt" ab Februar 2005 immer Mittwochsabends um 20.15 Uhr für 45 Minuten die Zuschauer fesseln. Hochkarätig besetzte Unterhaltung statt Satire oder Doku-Soap: "Wir zeigen einfach, wie Politik funktioniert", sagte ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut am Mittwoch in Berlin.
"Politik zieht keine Zuschauer", prognostizierten Unterhaltungsexperten dem ZDF. Doch Bellut zeigte sich überzeugt, dass "Politik in Zeiten des Politikverdrusses" spannend ist, wenn es um die Organisation und die Verführung der Macht geht. Er erhofft sich eine Zuschauerquote von 15 Prozent - "wenn es gut läuft".
Die Dreharbeiten haben gerade erst begonnen. Wer 2005 das "Kanzleramt" einschaltet, wird auf alte Bekannte treffen. Der fiktive Bundeskanzler Andreas Weyer wird von Klaus J. Behrendt gespielt, seit 1996 als Hauptkommissar Max Ballauf vom WDR-"Tatort" bekannt. Als Kanzleramtschef wurde Robert Atzorn engagiert ("Unser Lehrer Doktor Specht"). Als Leiterin des Kanzlerbüros fungiert Rita Russek (im SWR-"Tatort" die Frau von Kommissar Bienzle).
Den Alltag im Kanzleramt kennenlernen
Produzent Ulrich Lenze will zeigen, "welchem Druck, welcher Last, Nervenanspannung und welcher Versuchung, welchen Eitelkeiten und anderen Bedrohungen regierende Politiker ausgesetzt" sind. "Das sind Leute, die brauchen Nerven wie Drahtseile." Die Erzählperspektiven wechseln von Folge zu Folge: Mal steht der Kanzler als Konkurrent potenzieller Epigonen, gleichzeitig allein erziehender Vater einer halbwüchsigen Tochter, selbst im Mittelpunkt. Auch sei "der verwitwete Kanzler kein Mann ohne Unterleib", sagte Regisseur Hans-Christoph Blumenberg. Dann wieder geht es um die persönliche Krise einer Personenschützerin, die Extravaganzen eines Kabinettsmitglieds oder ein Geiseldrama in Peru.
Parteipolitik spielt laut ZDF keine Rolle. Der fiktive Kanzler sei weder Gerhard Schröder noch Helmut Kohl. Gedreht wird auch nicht im Kanzleramt, sondern im Nachbau der Leitungsebene im Studio in der Berliner Siemensstadt. Hat die Serie Erfolg, soll 2006 eine zweite Staffel folgen. "Gefallen würde uns, wenn unsere Zuschauer sich künftig wünschen würden, von der 'Kanzleramt'-Mannschaft regiert zu werden", sagte Fachberater und Autor Martin E. Süskind. Er ist als ehemaliger Büroleiter der "Süddeutschen Zeitung" in Bonn und früherer Redenschreiber von Willy Brandt für den Realitätsabgleich der Geschichten zuständig.
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