"The biggest loser": Kati Witt im Fettweg-Camp
VON MANFRED KÜHNAPPEL - zuletzt aktualisiert: 09.01.2009 - 08:10Düsseldorf (RPO). 14 mal Fett, 14 mal Frust, 14 feste Vorsätze: Der Speck muss weg. Was normalerweise im Verborgenen geschieht, hat ProSieben in eine neue Doku-Soap gepackt. Wer in „The biggest loser“ unter Mitwirkung einer kaltherzigen Eisprinzessin Kati Witt am meisten abnimmt, dem winken 100.000 Euro.
Soweit das Konzept der zweistündigen Sendung, die sich auf fünf Folgen erstrecken soll. Was ProSieben draus gemacht hat, ist zu einer der größten Schlaftabletten der deutschen TV-Unterhaltung geworden. Eine unfreiwillig komische Kreuzung aus Big Brother, Dschungelcamp und Spiel ohne Grenzen. Ein Format, das niemand braucht; mit einer emotionslosen Katarina Witt, die rund zwei Drittel der Doku-Soap durch komplette Abwesenheit glänzt und in dieser Zeit ihre stärksten Momente hat.
Die zweifache Eislauf-Olympiasiegerin bringt es während der zwei Stunden auf fünf unterkühlte Schmalspur-Auftritte. Hölzern und distanziert begegnet Kati Witt ihren Kandidaten schon bei der Begrüßung und beim ersten gemeinsamen Wiegen. Nach über einer Stunde Bildschirmpause trommelt sie die Mitspieler zum ach so lustigen Wettbewerb „Dicke ziehen einen Sattelschlepper“ zusammen, um später beim prozentual gewerteten, zweiten Wiegen eine Zahlenkolonne runterzubeten. Der Rausschmiss der Tagesverliererin Doris gerät schließlich zum Rührstück mit Ansage.
Stereotyp
Nicht alle 14 Mitspieler sind wirklich dick, aber aus den unterschiedlichsten Gründen fest entschlossen, ihr Gewicht zu reduzieren. Dazu beziehen sie für zehn Wochen eine Hazienda nahe Budapest zu einem Trainingscamp und einem Wettstreit zweier Teams. In jeder Woche muss die Mannschaft, die weniger abgenommen hat, einen Kandidaten aus den eigenen Reihen nach Hause schicken. Am Ende bleibt ein Sieger übrig. „The biggest loser“ nimmt 100.000 Euro mit nach Hause.
Lieblos reihen sich in Folge eins 14 Schicksale von acht Frauen und sechs Männern aneinander, abgehakt in gefühllosen „Homestorys“, in denen die Betroffenen in stereotypen Beiträgen ihre zutiefst persönlichen Ursachen für ihr Übergewicht runterrattern müssen. Familienvater Björn (34, 184,4 Kilo schwer) findet Trost im Essen. Die 47-jährige Doris (137,2 Kilo) kämpft erfolglos gegen ihre Gier. Bei Inneneinrichter Christian (31) ist das Auto schuld, denn es hat ihn vom Radfahren abgebracht. Rekord-Schwergewicht Enrico (191,6 Kilo) ist ein Couch-Potato, undsoweiter, undsoweiter. Ehepartnern, Lebensgefährten, Müttern, Kindern und sonstigen Verwandten werden sendefähige Sätze ins Drehbuch geschrieben. Irgendwann verliert man bei 14 Personen den Überblick und schaltet gedanklich ab, obwohl einem die Menschen leid tun.
Freizügig im Bikini-Oberteil
Der gebürtigen Polin Mariola haben die Autoren das Image des ehrgeizigen Paradiesvogels verpasst. Im Bikini-Oberteil posiert die Schauspielerin und Flamenco-Tänzerin freizügig auf der Waage. Das weckt Argwohn und Mobbing-Potenzial im Kollegenkreis – so wie in vielen anderen Fernseh-Containern auch.
Ansonsten stehen auf dem Programm: Fitness für Unsportliche, Schweiß und Tränen und gesunde Ernährung für Anfänger. Letztere ist für den Stenoblock des Zuschauers gedacht, denn selten sind Tipps zum besseren Essen schneller über den Bildschirm geflimmert. Dabei bot „The biggest loser“ Leerlauf genug.
Kalt lächelnde Kati Witt
Unter der Anleitung zweier Trainer und eines Sportmediziners kämpft Team Rot tapfer gegen das überlegene Team Blau. Weil sie den Sattelschlepper langsamer ziehen, bekommen sie beim zweiten Wiegen drei Kilo Fett auf die Waage geknallt. Sehr originell. Dramaturgisch herzzerreißend und tragisch wählt Team Rot schließlich die athrosekranke Doris raus. Sie hat Schmerzen am rechten Knie und ist nach überwiegender Meinung des restlichen Teams Rot zu einem Klotz am Bein geworden. Kalt lächelnd gratuliert Moderatorin Kati Witt zu dieser Entscheidung.
Dass die Welt nicht wirklich schlecht ist, belegt der Abspann. Dort wird gezeigt, wie die gefeuerte Doris zuhause die Kilos purzeln lässt - und schon wieder lachen kann.
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