Wohl von Babys gefährdet: Kinderkommission fordert Absetzung von RTL-Sendung
zuletzt aktualisiert: 14.05.2009 - 16:44Berlin (RPO). Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages hat den Fernsehsender RTL aufgefordert, die Doku-Serie "Erwachsen auf Probe" nicht auszustrahlen. Die Kommission warf dem Sender am Donnerstag vor, mit der Sendung Kinder in "unverantwortlicher Weise" zu instrumentalisieren.
In der Dokumentation üben Teenager vier Tage lang mit fremden Babys den Umgang mit Kleinkindern "auf Probe". Vier Teenager-Paare mit Kinderwunsch ziehen in ein Haus, um das Leben mit Babys zu testen. Sie werden dabei von Kameras beobachtet. Die leiblichen Eltern können ihre Kinder aus einem gegenüberliegendem Haus beobachten und das Experiment jederzeit abbrechen.
Es hagelt Kritik für die Sendung: Die Produzenten setzten kleine Kinder "bewusst existenziellen Ängsten" aus und nähmen die "seelische Gefährdung der Kinder billigend in Kauf", erklärte die Kinderkommission. Das Kindeswohl sei selbst durch psychologische Betreuung im Umfeld nicht gesichert. Die Kommission forderte RTL neben dem Verzicht auf eine Ausstrahlung auch dazu auf, "keine weiteren, die Entwicklung der Kinder gefährdenden, gleich gearteten Sendungen mehr zu produzieren. " Die Dokumentation soll ab dem 3. Juni gezeigt werden.
RTL hat die Kritik an der Serie zurückgewiesen. Der Sendung habe die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) eine "positive pädagogische Absicht" attestiert, sagte RTL-Sprecher Frank Rendez. Die Eltern der 6 bis 14 Monate alten Kinder konnten seinen Angaben zufolge den Umgang der Teenager mit ihrem Nachwuchs in den kameraüberwachten Häusern rund um die Uhr aus dem Nachbarhaus beobachten und jederzeit eingreifen.
"Einige Mütter haben ihre Babys nachts zu sich geholt", sagte Rendez. Auch beim Gang auf den Spielplatz oder dem Einkauf im Supermarkt hätten die Mütter oft hinter dem Kameramann gestanden. Bei dem viertägigen Experiment mit den Säuglingen seien außerdem eine Erzieherin, eine Kinderpflegerin, eine Kinderkrankenschwester sowie eine Psychologin im Einsatz gewesen.
Die Grünen-Familienpolitikerin Ekin Deligöz bezeichnete die Sendung als "geschmacklos". Die Dokumentation dürfe nicht über den Sender gehen. Der CSU-Familienpolitiker Johannes Singhammer sagte, mit Säuglingen und Kleinkindern dürften keine Experimente gemacht werden. Die familienpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Ina Lenke, erklärte, wehrlose Kleinkinder zu verleihen und Ängsten auszusetzen, um Quote zu machen, sei "unmenschlich".
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