"Germany's next Topmodel": Kleine Louisa ist raus
zuletzt aktualisiert: 04.06.2010 - 10:01Düsseldorf (RPO). Louisa musste am Donnerstag ihre Koffer packen. Damit sind Laura, Alisar, Neele und Hanna im Halbfinale von „Germany‘s Next Topmodel“. Das sind vier Mädchen, vier Haarfarben und vier ganz unterschiedliche Typen. Jetzt kann sich keine mehr einreden, sie sei aufgrund ihrer Haarfarbe rausgeflogen.
Louisa hingegen kann ewig in dem Glauben bleiben, dass ihr Rauswurf daran gelegen hat, dass es neben ihr eben noch eine andere Blondine mit Namen Laura gegeben hat, die man ihr aufgrund der Haarfarbe vorzog. So muss sie nicht wahrhaben, dass ihre mit 170 Zentimetern definitiv für ein Model zu kleine Körpergröße letztendlich das entscheidende Kriterium war.
Von beiden Argumenten war in der Entscheidung nicht die Rede. Heidi glaubte zu Beginn der Staffel nicht, dass Louisa es bis unter die letzten vier Mädchen schafft. „Du hast tapfer durchgehalten“, waren nach viel Süßholzgeraspel ihre abschließenden Worte für die Hannoveranerin. Also eigentlich wusste man von Anfang an, dass Louisa niemals Germany's Next Topmodel werden wird.
Dank dieser Entscheidung kann man nun, eine Woche vor dem Finale, zum ersten mal behaupten, dass die Kandidatinnen zumindest formell den Ansprüchen an ein Model genügen. Alle sind sie groß genug und schlank sind sie auch. Sie haben schöne Haare und hübsche Gesichter. Nun ja, letzteres wird wohl immer Geschmackssache bleiben.
Viel wichtiger als Äußerlichkeiten sind in dieser Castingshow die persönliche Weiterentwicklung, Charisma und Willenskraft. Alle drei Kriterien erfüllt Hanna. Das Mädchen von Nebenan hat sich prächtig entwickelt. Von ihren einstigen Dauerheul-Attacken sind nur noch vereinzelte Tränenausbrüche geblieben. Sie überzeugt Fotografen und Werbekunden, zumindest nach ein paar Startschwierigkeiten. Hanna ist selbstsicherer geworden – mittlerweile findet auch sie sich schön.
Wenn eine Kandidatin solche Fortschritte macht, spielt auch ein verpatztes Interview keine Rolle mehr bei der Entscheidung. Dabei handelte es sich zwar um eine versteckte Challenge und Kristian Schuller und „Q“ sahen vom Nebenraum zu. Doch die Fragen des Journalisten kamen einer realen Interviewsituation sehr nah.
Auf Englisch sprach er Hanna auf den großen Druck in der Sendung und auf ihre Sensibilität an. Anstatt die fiesen Fragen gekonnt zu umschiffen, zeigte sie permanent Angriffsfläche. Schon zu Beginn gab sie zu, dass ihr Englisch katastrophal ist. Als die Situation schließlich von den Juroren aufgelöst wurde und der Reporter seine Deutschkenntnisse preisgab, verviel Hanna in alte tränenreiche Muster zurück. Bei der Entscheidung betonte Heidi, dass sie nur die „neue“ Hanna mit in die nächste Runde nimmt. Bleibt abzuwarten, ob der Plan aufgeht.
Laura hingegen meisterte die Interviewsituation souverän. Fragen zu den anderen Kandidatinnen lenkte sie auf sich; sie lächelte viel und gab sich selbstbewusst. Laura war von Anfang an von sich überzeugt. Ihr Siegeswillen stand ihr wochenlang so sehr auf die Stirn geschrieben, dass sie krampfig und steif wirkte. Sie ist in der Sendung, um Germany's Next Topmodel zu werden, und nicht um Freundschaften zu schließen. Mittlerweile scheint sie wider Erwarten doch mit den Mädels zu einer kleinen Gruppe vereint.
Sogar mit ihrer stärksten Konkurrentin gab es freundschaftliche Gespräche. Alisar gewann ein wichtiges Casting – Laura sprach offen über ihre verpatzte Chance und Alisar hörte verständnisvoll zu. Kaum zu glauben, nachdem sich Alisar noch vor ein paar Wochen vor der Kamera für Lauras Rauswurf ausgesprochen hatte.
Vielleicht liegt ihr Verständnis für die Konkurrentin am eigenen Erfolg. Bei dem gewonnenen Casting von Sony Ericsson hat sie einen der größten Jobs in dieser Staffel ergattert. Dabei handelt es sich um eine Werbekampagne für ein neues Handymodell in Print und TV international. Darauf kann sie sich gerade wegen ihrer ewigen Schüchternheit echt etwas einbilden. Sie hat gelernt, ihren Kopf in wichtigen Momenten einfach auszuschalten. Ob die leise Österreicherin die nach dem Gewinn des Titels folgende ständige Aufmerksamkeit der Medien selbstbewusst meistern kann, ist fraglich.
Trotzdem gilt sie als Favoritin der fünften Staffel von Germany's Next Topmodel. Neele, die beste auf dem Catwalk, wird vermutlich beim Laufstegjob in der nächsten Woche wieder glänzen. Leider mimt sie ständig die coole und ist somit die am wenigsten wandlungsfähige unter den verbliebenen vier Mädchen. Sie alle reisen zum Halbfinale nach Europa, wo nach einem letzten Laufstegjob und einem Werbedreh für Gillette Venus die drei finalen Kandidatinnen gewählt werden.
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