Staatsanwaltschaft erhebt Vorwurf wegen Untreue in 15 Fällen: Kölmel wegen Kinowelt-Pleite angeklagt
zuletzt aktualisiert: 09.01.2004 - 21:21München (rpo). Die Branche hat einen Bösewicht für das Kinosterben ausgemacht: Der Medienunternehmer Michael Kölmel soll sich zwei Jahre nach der Pleite seiner Filmgesellschaft Kinowelt AG vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Untreue.
Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Untreue in 15 Fällen, wie Amtschef Christian Schmidt-Sommerfeld dem Blatt (Wochenendausgabe) bestätigte. Kölmel soll demnach gut 25 Millionen Euro fehlgeleitet haben. Außerdem erheben die Strafverfolger laut Zeitung den Vorwurf der Insolvenzverschleppung und von Bankrottdelikten bei der ebenfalls pleite gegangenen Sportwelt, die Kölmel, seinem Bruder Rainer und der Kinowelt gehörte. Die kreditgebende BHF-Bank hatte Mitte 2002 die Insolvenz der Sportwelt eingeleitet.
Kölmel bestritt gegenüber der Zeitung alle Vorwürfe. Sollte das Landgericht München die Anklage zulassen, dann werde ein Freispruch folgen, sagten Kölmel und sein Anwalt Kurt Bröckers. Der Medienunternehmer hatte vor einem Jahr die Kernfirmen des Filmhandelsimperiums aus der Insolvenzmasse erworben und nach Leipzig verlegt, wo er außerdem das Stadion für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 baut.
Nach Angaben der SZ lautet der Hauptvorwurf der Staatsanwaltschaft, Kinowelt-Vorstandschef Kölmel habe 15 Millionen Euro aus der Kinowelt AG an die Sportwelt verschoben. Das Kinowelt-Imperium bestand aus 60 Firmen, die mit allen Verwertungsrechten von Filmen handelten und auch selbst Kinowerke produzierten. Ende 2001 musste die mit etlichen hundert Millionen Euro verschuldete Kinowelt AG Insolvenz anmelden. Vor allem bei einem 250 Millionen Euro teuren Hollywood-Paket von Warner Brothers und mit großzügigen Investitionen in 14 Fußball-Klubs hatte sich Kölmel laut "SZ" verspekuliert.
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