Schenk und Ballauf: Kölner Tatort gerät zur absurden Sozialoper
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 10.01.2011 - 08:57Düsseldorf (RP). Beim "Kölner Abendblatt" rattern die Druckmaschinen, die Hintergrundmusik verheißt Unheil. Andeutungsvoll werden Bilder von Geschäftsführer-Büros und Zeitungsdruck verschnitten, dann schwenkt die Kamera auf einen Toten im Foyer.
Irgendwer hat mitten in der Nacht den jungen Unternehmensberater Carsten Moll über eine Brüstung in den Tod gestürzt. Daraus wird im neuesten Köln-Tatort „Unter Druck“ mal wieder kein Krimi, sondern der klischeehafte Rahmenhandlungs-Vorwand einer absurden Sozial-Oper.
Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) stolpern ratlos durch die Ermittlung, für den Zuschauer gilt wie immer im Köln-Tatort: Wer in den ersten zehn bis 15 Minuten nicht im Bild war, scheidet als Täter aus. Nach Obdachlosen und lesbischer Liebe auf dem Dorf sind jetzt Rationalisierungsdruck und drohende Arbeitslosigkeit dran.
Erwartungsgemäß sind die Arbeitnehmer verzweifelt und ehrlich, die Bosse doof und skrupellos, die Unternehmensberater überflüssig und schädlich. „Wenn Berater und Executives in ihren Glaspalästen über das Schicksal der Drucker, Sekretärinnen, Anzeigenaquisiteurinnen und Lohnbuchhalter entscheiden, hat das für den Kommissar nicht unbedingt was mit ehrlicher Arbeit zu tun“, schwadroniert Bär über seine Schenk-Rolle.
Was das mit einem Zeitungsverlag zu tun haben soll, bleibt das Geheimnis der Autoren, die Handlung könnte auch in einer Marmeladen-Fabrik spielen. Am Ende wie immer Currywurst.
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