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Baden-Baden: Deutscher Medienpreis: Königinnen im Dienste der Kinder

zuletzt aktualisiert: 09.02.2003 - 14:23

Baden-Baden (rpo). Die beiden Königinnen Silvia von Schweden und Rania von Jordanien haben den Deutschen Medienpreis erhalten. Sie nutzten die Gelegenheit und forderten die Erwachsenen auf, die Anwälte armer Kinder zu sein.

Doch was die beiden bei der Entgegennahme des Deutschen Medienpreises im Kongresshaus zu sagen hatten, machte viele der Anwesenden betroffen. Die schwedische Königin kam gleich auf den Punkt: "Not und Verzweiflung werden für die Kinder immer größer. 500 Millionen Kinder unter 14 Jahren leben in extremer Armut. Jedes zwölfte Kind stirbt, bevor es 15 Jahre alt wird." Und die Königin setzte vor der Prominenz aus dem Schow-Business nach: "Dürfen wir eine solche Welt hinnehmen, ohne etwas zu tun?"

Man hätte eine Stecknadel im Saal fallen hören können, als die in Heidelberg geborene Königin an alle appellierte: "Lassen Sie uns die Anwälte dieser Kinder sein, denn ihre Welt reduziert sich auf das schiere Überleben." Und dann strahlte Königin Silvia (59), die Gründerin der Kinderhilfsorganisation "World Childhood Foundation", als sie die sagte: "Es gibt keinen schöneren Dank als das Lächeln eines Kindes."

Karlheinz Kögel, Media-Control-Gründer und Preisstifter, hatte es zu Beginn der Preisverleihung schon angedeutet: "Königin Silva und Königin Rania verkörpern ein neues, selbstbewusstes Bild der Frau, die mutig und modern aus ihrer traditionellen Rolle in einer Monarchie heraustritt." Beide Königinnen nutzten ihren Status und Einfluss dazu, Millionenbeträge zu sammeln, um sie über selbst initiierte Hilfsorganisationen an hungernde Kinder in Not weiterzuleiten.

Die TV-Moderatorin Sabine Christiansen stellte in ihrer Laudatio auf Königin Rania (32) heraus, die Königin sei keine Märchenprinzessin. Sie stehe vielmehr mitten im Leben und kämpfe für die Rechte der Kinder. Und wer die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten kenne, der wisse, wie mutig der Appell der jordanischen Königin sei: "Nur der Dialog führt zur Versöhnung."

Königin Rania nutzte in ihrer leidenschaftlichen Rede in Baden- Baden die Gelegenheit, als vehemente Verfechterin für die Rechte und Würde der Frauen aufzutreten. Sie appellierte an die Politiker, im Nahost-Konflikt Kompromisse zu schließen. Bekannt ist die Königin für ihr Engagement und ihr Selbstverständnis als Sprachrohr für die Ziele von Frauen. Bei streng gläubigen Moslems trug ihr dies den Ruf einer Radikalfeministin ein.

Liz Mohn, die Vorsitzende der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft, sagte, was die meisten im Saale spürten: Königin Silvia könne, wie kaum eine andere, Menschen für soziales Engagement begeistern. Königin Silvia sitze in 83 Stiftungen, von denen sie viele selbst gegründet habe und leite. Königin Silvia habe schon gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern gekämpft, lange bevor dies Schlagzeilen bei uns machte. An die Adresse der Königin gerichtet, sagte Mohn: "Wir würdigen Ihre Arbeit, die es geschafft hat, dass viele Kinder aus Armut und Elend ausbrechen können."

Königin Silva selbst sagte, was sie zur Stifterin für Childhood gemacht hat. In Sao Paulo habe sie ein brasilianisches Straßenkind getroffen. Der kleine Junge nahm damals die Königin bei der Hand und führte sie zu einem alten Pappkarton. Als sie auf dem Heimweg in ein heftiges Gewitter kam, habe sie an den Jungen denken müssen. Würde der Regen den Pappkarton zerstören, das einzige Zuhause des Kindes? Von diesem Zeitpunkt an sei ihr klar gewesen: "Wir dürfen die Augen vor der Not anderer nicht verschließen, auch wenn es ganz leicht wäre wegzuschauen." Der Kuratoriumsvorsitzende der Deutschen Childhood Stiftung, Matthias Kleinert, gab bekannt, dass in der Bundesrepublik inzwischen über eine Million Euro für Childhood gespendet wurden.

Der Deutsche Medienpreis, dessen Jury deutsche Chefredakteure sind, hat eine große Tradition. Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderen Helmut Kohl, Izchak Rabin, Jassir Arafat, Boris Jelzin, Nelson Mandela und Bill Clinton. Clinton selbst war es, der am Samstagabend in einer direkten TV-Schaltung aus Amerika die beiden mutigen Königinnen für ihre soziale Arbeit würdigte.


 
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