Gloria von Thurn und Taxis: Kritik an Gleichsetzung von Abtreibung mit Anti-Baby-Pille
zuletzt aktualisiert: 11.09.2008 - 11:07Regensburg (RPO). Der Auftritt von Gloria von Thurn und Taxis in der Talkshow Maischberger sorgt für viel Wirbel. Der Verein Pro Familia und Landesbischöfin der evangelischen Kirche in Niedersachsen, Margot Käßmann, kritisieren die Fürstin für ihre Aussagen zur Abtreibung.
Der Verein Pro Familia stellt sich der Gleichsetzung von Abtreibung mit der Verhütung durch die Anti-Baby-Pille entschieden entgegen. "Keine Form der Pille ist eine Abtreibung", sagte Juliane Ziegel von der Pro Familia-Schwangerenberatung in München. Die Behauptung, die Thurn und Taxis in der ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger" geäußert habe, sei "medizinisch nicht haltbar". Die Pille verhindere von vornherein eine Befruchtung, weil gar kein Eisprung stattfinde.
"Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft", sagte Ziegel, in der jeder Frau das Recht zugestanden werde, ob sie Kinder bekommen wolle oder nicht. Thurn und Taxis habe die finanziellen Möglichkeiten, Kinder großzuziehen.
Manche Menschen würden "schon schief angeschaut", wenn sie drei Kinder hätten. "Wie sollen da zehn Kinder einen Lebensraum finden?", fragte Ziegel. Kinderreiche Eltern würden "inzwischen sehr geächtet" und hätten finanziell und sozial "nicht immer ein leichtes Leben".
Pro Familia versuche in der Beratung, mit den Frauen eine für sie "tragbare Lösung" zu finden, sagte Ziegel. "Wir freuen uns über jedes Kind, das ausgetragen wird", betonte sie. Der Verein unterstütze die Frauen auch beim Wahrnehmen von Hilfsangeboten. Sie gab zugleich zu bedenken: "Es gibt manchmal Lebenssituationen, in denen die Hilfen nicht ausreichen und es schwierig ist, mehr als zwei oder drei Kinder zu haben."
Thurn und Taxis hatte in der Sendung gesagt: "Die Pille ist eine Form von Abtreibung." Jeder Mensch sei "gottgewollt" und man dürfe Fortpflanzung nicht unterbrechen. "Wir glauben an das Leben", sagte die Regensburgerin. "Lieber uneheliche Kinder als abgetriebene."
Landesbischöfin nennt Thurn und Taxis zynisch
Die Landesbischöfin der evangelischen Kirche in Niedersachsen, Margot Käßmann, hat der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis Zynismus vorgeworfen. Die Adelige hatte bei "Maischberger" die Haltung der katholischen Kirche zu Abtreibung und Empfängnisverhütung vertreten und erklärt, Kondome seien als Mittel gegen Aids nicht der richtige Weg. Käßmann sagte am Mittwoch im NDR, diese Bewertung "von oben herab" sei zynisch und helfe den HIV-Infizierten nicht.
"Für mich ist das schon ein Trauerspiel, weil ich denke, die Fürstin wird kaum vor Augen haben, was die Realität von HIV/Aids-Infizierten ist. In den Ländern südlich der Sahara ist die Sterberate bei Kindern unter fünf Jahren durch HIV/Aids um bis zu 40 Prozent gestiegen", sagte die Bischöfin. "Vielleicht wäre es gut, wenn die Fürstin einmal mit nach Südafrika reisen würde. Ich reise am Sonntag dort hin."
Käßmann äußerte sich auch zu dem Satz der Fürstin "Was Aids verhindert, ist, wenn man weniger schnackselt": "Ich bin doch geradezu schockiert davon, dass die Fürstin etwas wiederholt hat, was sie ja vor Jahren schon mal gesagt hat und wo doch die Kritik sehr deutlich war."
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