"Heuchelei": Kritik an Schleichwerbungs-Diskussion
zuletzt aktualisiert: 24.07.2005 - 15:16Berlin (rpo). Im ARD-Schleichwerbungsskandal wirft Krimi- und Drehbuchautor Felix Huby den Beteiligten "Heuchelei" vor. "Viele derer, die sich jetzt so furchtbar aufregen, haben doch seit langem Bescheid gewusst. Es kann mir doch niemand weismachen, dass kein einziger der ARD-Granden etwas gemerkt hat", betonte er am Sonntag. Die Affäre nimmt unterdessen kuriose Formen an: Dem "Spiegel" zufolge fordert eine "Placement-Agentur" nun Geld von Produktionsfirmen zurück.
Dabei geht es laut Magazin um die von der Maran Film - einer Tochter der SWR Holding und der Bavaria Film - produzierte "Tatort-Folge "Bienzle und der Sizilianer" (SWR) vom Sonntagabend, aus der zwei Schleichwerbungsszenen herausgeschnitten wurden. Die durch die "Marienhof"-Affäre ins Rampenlicht gerückte Agentur von Andreas Schnoor forderte laut Magazin schon im Vorfeld der Ausstrahlung von der Maran 21 750 Euro zurück, wenn die gesendete Version nicht mit der von ihm "abgenommenen" übereinstimme.
Agentur-Chef Schnoor sagte, wenn die Leistung nicht erfolge, und die Maran "würde die Summe nicht zurückzahlen, wäre das ja Betrug". Auch Schadenersatzforderungen behalte er sich vor, sollten Vertragsdetails an die Öffentlichkeit gelangen - schließlich gebe es Verschwiegenheitsklauseln.
Huby, der Drehbuchautor der Folge, sagte, er habe nicht geglaubt, dass man tatsächlich so weit gehen würde, Szenen für Joghurt umzubauen. Wenn er den fertigen Film sehe, seien meistens zwei Jahre seit Abgabe des Drehbuchs verstrichen, fügte er hinzu.
Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete, dass die ARD als Reaktion auf den Schleichwerbe-Skandal nun eine "Clearingstelle" einrichten will. Der Justiziar des Südwestrundfunks (SWR), Hermann Eicher, solle diese Stelle leiten.
"Focus" führte zudem neue Fälle von "zweifelhafter Zusammenarbeit mit Drittfirmen" auf. So hätten während der Dreharbeiten für die "Tatort"-Folge "Der schwarze Ritter" (SWR) Schauspieler und Crew eineinhalb Monate lang kostenlos in den Hotels des Europaparks Rust logieren dürfen. In dem Krimi seien alle Hauptattraktionen des Vergnügungsgeländes ausgiebig gezeigt worden.
Das ZDF betonte unterdessen, dass es in der Einrichtungssendung "Ricks Wohnwelten" keine Unregelmäßigkeiten gebe. "Focus" hatte unter anderem geschrieben, dass dort auffällig oft Einrichtungsgegenstände von denselben Anbietern präsentiert würden. ZDF-Sprecher Alexander Stock betonte, die Partner würden nach den Abspannrichtlinien des ZDF genannt. Heimliche Geldflüsse könne man ausschließen, zitiert ihn das Blatt. ZDF-Sprecher Walter Kehr fügte hinzu, es habe keine "werbliche Heraushebung" gegeben.
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